Kollegen in einer Apotheke (Symbolfoto)
Bildrechte: IMAGO

Equal Pay Day Lohnlücke zwischen Männern und Frauen bleibt

16.03.2018 | 15:39 Uhr

21 Prozent: Das ist die Lücke zwischen den Löhnen von Männern und Frauen in Deutschland und die Lücke bleibt groß. Das zeigen aktuelle Zahlen, die das Statistische Bundesamt Wiesbaden kurz vor dem Equal Pay Day veröffentlicht hat. In Sachsen und Thüringen ist die Lücke kleiner, schrumpft aber kaum. Sachsen-Anhalt gilt als positives Beispiel.

Kollegen in einer Apotheke (Symbolfoto)
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Frauen verdienten im letzten Jahr im Schnitt 16,59 Euro pro Stunde. Bei Männern lagen die Stundenlöhne dagegen bei 21,00 Euro. Dieser große Unterschied zwischen den Geschlechtern hat sich zuletzt nur wenig verändert. Damit landet Deutschland EU-weit auf einem der hintersten Plätze.

Im Osten ist Lohnlücke viel kleiner

Im Vergleich zum Westen liegen die Löhne von Männern und Frauen im Osten deutlich enger beieinander. In Sachsen beispielsweise lag der Lohnunterschied zuletzt bei knapp 60 Euro oder elf Prozent. In Thüringen bleibt eine Lücke von acht Prozent, in Sachsen ist sie mit nur zwei Prozent Unterschied fast geschlossen. Das zeigen die Zahlen, die das Statistische Bundesamt Wiesbaden passend zum Equal Pay Day veröffentlicht hat. Der Equal Pay Day markiert symbolisch den Tag, bis zu dem Frauen aufgrund der Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern vereinfacht gesagt umsonst arbeiten. In diesem Jahr ist das der 18. März.

„Ungerechtigkeit“ bei der Bezahlung

Oppositionspolitiker kritisieren vor dem Equal Pay Day, dass sich in Deutschland bei der Lohnlücke bisher nicht viel getan hat. Die Grünen fordern von der neuen Bundesregierung wirksame Maßnahmen. So würden als typische „Frauenberufe“ geltende Jobs etwa in der Pflege noch immer deutlich schlechter bezahlt als Technik-Berufe. Linke-Parteichefin Katja Kipping findet, Frauenarbeit werde noch immer „strukturell abgewertet“. Aus Sicht der Opposition hat das seit Januar geltende Entgelttransparenzgesetz bisher nicht genug gebracht. Nach diesem Gesetz können Beschäftigte in Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten Auskunft darüber verlangen, was Kollegen in einer vergleichbaren Position verdienen. Dieses Recht werde in der Praxis bisher noch zu wenig genutzt, sagte der Dresdner Rechtsanwalt Thomas Kinschewski MDR JUMP:

Rechtsanwalt Thomas Kinschewski
Bildrechte: Thomas Kinschewski

Rein theoretisch muss das der Chef vom Kollegen in der gleichen Position offenlegen. Das Gesetz ist neu und relativ jung. Das Problem ist aber: Die meisten trauen sich nicht, diesen Anspruch geltend zu machen.

Aus Sicht der CDU ist das Gesetz nur der erste Schritt auf dem Weg zu vergleichbaren Einkommen. Die SPD will sich in der neuen Bundesregierung für den Abbau der Ungleichgewichte einsetzen. Sie verwies auf entsprechende Pläne im Koalitionsvertrag.

Sachsen-Anhalt als positives Beispiel

In dem Bundesland verdienen Frauen statistisch gesehen sogar mehr als Männer. Ihr Lohn liegt im Schnitt mit 2.439 Euro rund 40 Euro über dem der Männer. Dafür gibt es offenbar viele Gründe. So sind laut DGB in Sachsen-Anhalt mehr Frauen in Vollbeschäftigung. Sie mussten zudem ihre Berufe wegen einer guten Kindergarten-Versorgung nur kurz unterbrechen. Zudem arbeiten in dem Bundesland anteilig mehr Frauen im öffentlichen Dienst, der tarifgebunden bezahlt. Auf der anderen Seite gibt es laut Arbeitsagentur in Sachsen-Anhalt größtenteils nur kleine Firmen, die deutlich geringere Löhne als im Westen zahlen. Damit kommen viele Männer auf vergleichsweise niedrige Verdienste.  

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Mittag | 19. März 2018 | 10:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. März 2018, 09:07 Uhr

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