Elch liegt am Boden, neben ihm steht eine helle Kuh, die in die Kamera schaut.
Bildrechte: MDR JUMP/Stefan Schulz

Wilder Elch von Coswig kann nicht von Kuhherde lassen

07.12.2018 | 14:14 Uhr

Die Aufregung auf dem Landgut Hundeluft bei Coswig ist groß: Seit Wochen gesellt sich ein wilder Elch zur eigenen Kuhherde. Alle Versuche ihn loszuwerden, sind gescheitert. Nun werden Kuh und Elch wohl Weihnachten gemeinsam verbringen.

Elch liegt am Boden, neben ihm steht eine helle Kuh, die in die Kamera schaut.
Bildrechte: MDR JUMP/Stefan Schulz

Dieser Elch liebt offensichtlich Kühe. Seit Wochen verbringt das wilde Tier seine Tage mit einer Kuhherde. Nur nachts verlässt der Elch die Weide, kommt aber tagsüber immer wieder zurück. Soweit so ungewöhnlich. Was man als komische Laune der Natur auslegen könnte, sorgt bei Hartmut Schröter vom Landgut Hundeluft durchaus für Sorgenfalten auf der Stirn.

Es muss irgendwann zum Ende kommen, wir wollen ja keine Zucht mit Elch und Mutterkuh vorbereiten.

Elch steht inmitten einer Kuhherde und schaut in die Kamera.
Der Elch und "seine" Herde sind ein Besuchermagnet. Bildrechte: MDR JUMP/Stefan Schulz

Immer wieder kommen Elche aus dem Osten auch nach Deutschland. In Vorpommern ist im September ein Elch unterwegs gewesen. "Solange kein Gefährdungspotential besteht, greifen wir auch nicht ein", erklärte dazu Achim Froitzheim, Sprecher des Kreises Vorpommern-Greifswald. Froitzheim sagt, in der Brunftzeit seien immer wieder junge Elchbullen - meist aus Polen - auf der Suche nach neuen Revieren Richtung Westen unterwegs. Fänden sie keine paarungsbereiten Weibchen, kehrten sie meist wieder um. Zuvor hatten Medien über Sichtungen des Elchbullen auf Usedom berichtet. Das Problem in Coswig: Auch ohne paarungsbereiten Partner lässt sich seit Wochen der Elch nicht von der Kuhherde vertreiben. Deshalb hat Hartmut Schröter kürzlich sogar zwei neue Jungbullen auf die Weide gestellt. Die Hoffnung: Männliche Konkurrenz vertreibt den Elch. Landwirt Hartmut Schröter im MDR JUMP-Interview:

Das hat leider nicht geklappt. Der Elch verträgt sich auch mit den Jungbullen prächtig.

Auch eine Umsiedelung der Kuhherde hat nichts gebracht. Da die Weideflächen bei Bräsen abgegrast waren, wurden die 220 Kühe vor einigen Tagen mittels Tiertransport nach Ragösen umgesetzt. Der Elch hat sich das Verladen der Tiere angesehen und sei dann im Wald verschwunden.

Am nächsten Tag stand der Elch dann plötzlich wieder auf der Weide in Ragösen. Der hat den Weg gefunden, auch ohne Tiertransport.

Elch röhrt mit dem Kopf schräg nach rechts oben gedreht, im Hintergund die Kuhherde.
Durch den Chip im Halsband kann man die Herkunft und das Alter des Elches bestimmen. Bildrechte: MDR JUMP/Stefan Schulz

Bedeutet: Kommt bis Weihnachten kein Wintereinbruch, der den Bauern zwingt die Kühe in den Stall zu bringen, werden Kuhherde und Elch das heilige Fest gemeinsam verbringen. Elche gelten in Deutschland seit langem als ausgestorben. Hin und wieder jedoch machen Tiere aus Polen einen Abstecher. Das jetzt bei Coswig beobachtete Tier trägt ein Halsband mit einem GPS-Sender. Das Landesamt für Umweltschutz geht deshalb davon aus, dass es sich um einen Elch handelt, der bereits öfter in der Region gesehen wurde. Den Sender bekam das Tier im Februar, als es sich bei einer Kuhherde im brandenburgischen Schlalach aufhielt.

Elche in Deutschland - ist das normal?

Probleme mache der Elch bei den Kühen bislang nicht. "Die Herde verhält sich nach wie vor ruhig", sagt Schröter. Allerdings belagerten zahlreiche Touristen seine Weide und hinterließen teilweise ihren Müll.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Nachmittag | 07. Dezember 2018 | 17:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Dezember 2018, 14:14 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP