Hat der Einkaufswagen-Chip ausgedient?

Wir alle kennen das Problem: Man steht vor dem Supermarkt und braucht einen Wagen. Doof nur, wenn man kein Münzgeld zur Hand hat und auch keinen Chip. Hersteller von Einkaufswagen haben da jetzt neue Ideen.

Chip wird in das Schloss eines Einkaufswagens gesteckt
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In der Pandemie zahlen viele von uns noch mehr als bisher mit Karte. Für die Hygiene mag das vielleicht gut sein. Doch eine Gefahr birgt das Ganze: Man hat noch seltener eine Münze zur Hand, wenn man vor dem Supermarkt einen Einkaufswagen entsperren will. Und auch einen Plastik- oder Metallchip sucht man in diesen Momenten dann oft vergebens.

Manch einer entsperrt den Wagen dann ganz schlau mit einem Schlüssel, doch Supermarktketten warnen vor diesem Trick – weil der Schlüssel steckenbleiben könnte. Und ohne Wagen geht ja in Corona-Zeiten auch nicht wirklich - bleibt also nur der Weg zur Kasse, um dort um Hilfe zu bitten.

In Zukunft könnte es freilich noch eine andere Lösung geben. An ihr arbeitet unter anderem das baden-württembergische Unternehmen Wanzl, das etwa große Discounter wie Lidl und Aldi als Kunden hat. Hier will man den Wagen mit dem Smartphone der Nutzer zusammenbringen und so entsperren.

Scannen mit dem Smartphone

Möglich wäre auch eine Integration in die Apps, über die viele Händler mittlerweile verfügen. Dann würde das Telefon ausreichen, um einen Wagen zu entsperren: Man müsste einen QR-Code scannen, die App installieren beziehungsweise öffnen und schon würde der Wagen per Bluetooth fahrbereit gemacht. Für Supermärkte interessant: Vorhandene Wagen sollen sich durch einen einfachen Austausch des Griffs upgraden lassen.

Auch das Unternehmen Geck aus dem Sauerland an hat ein elektronisches Schloss für Einkaufswagen entwickelt. In diesem Fall wird statt Bluetooth die NFC-Technologie genutzt. Das hat den Charme, dass der Wagen keine Batterie braucht. Interessant für Supermärkte ist hier, dass die die Wagen zum Beispiel nur während ihrer Geschäftszeiten entsperren lassen können.

Seit mehr als 80 Jahren auf dem Markt

Der Einkaufswagen an sich ist mehr als 80 Jahre alt, der US-Geschäftsmann Sylvan Goldman hatte das Gefährt im Jahr 1937 der Öffentlichkeit vorgestellt, als Clou in seinem "Humpty Dubty"-Selbstbedienungsmarkt. Seine Idee wurde dann von der Erfinderin Orla E. Watson weiterentwickelt. Für Deutschland hatte sich der Unternehmer Rudolf Wanzl in den Fünfzigern des letzten Jahrhunderts die ersten Patente gesichert.

Aber warum gibt es das bisherige Pfandsystem mit Münze oder Chip eigentlich? Eingeführt wurde es im Westen ab Mitte der Achtziger und bei uns nach der Wende, um Diebstahl und Vandalismus zu bekämpfen. Vorher waren Einkaufswagen oft mitgenommen und anschließend irgendwo abgestellt oder weggeworfen worden. Ganz gelöst ist das Problem bis heute nicht, durch das Pfandsystem sind die Fälle aber massiv zurückgegangen. Außerdem haben einige Supermärkte weitere Anti-Diebstahlsysteme wie Wegfahrsperren implementiert.

Und was ist mit Leuten ohne Smartphone?

Kunden am Kühlregal in einem Supermarkt
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Ein Einkaufswagen, der mit dem Handy entsperrt wird, wäre einerseits ein weiterer Schritt in die Zukunft. Andererseits dürfte solch ein Gerät aus Datenschutzsicht zumindest nicht ganz ohne sein. Und was ist eigentlich mit Menschen, die kein Smartphone haben? Die soll es ja auch noch geben. Für sie dürften die Supermarktketten auf jeden Fall noch lange Zeit eine Alternative vorhalten: den guten alten Einkaufswagen mit Chip.

„Wir wollen mit Testphasen erste Markterfahrungen sammeln und schauen, wie das insgesamt ankommt“, heißt es beim Hersteller Wanzl. Bis die Einkaufswagen der Zukunft flächendeckend zu finden sind, dauert es also wohl noch.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 20. Februar 2021 | 13:40 Uhr

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