Eichenprozessionsspinner haben feine giftige Härchen auf dem Rücken, die bei Berührung mit der Haut allergische Reaktionen und Hautausschlag verursachen. Im Bild sind 3 kleine Raupen zu sehen, die an Blättern fressen.
Bildrechte: IMAGO

Giftige Raupe Eichenprozessionsspinner: Sachsen-Anhalt unterstützt Kommunen

14.06.2018 | 15:20 Uhr

Der Eichenprozessionsspinner breitet sich auch in Mitteldeutschland immer weiter aus. Die Raupe des Falters ist eine Gefahr für Mensch und Natur. Das Land Sachsen-Anhalt hat betroffenen Kommunen jetzt finanzielle Hilfe zugesichert, um die giftigen Raupen zu beseitigen.

Eichenprozessionsspinner haben feine giftige Härchen auf dem Rücken, die bei Berührung mit der Haut allergische Reaktionen und Hautausschlag verursachen. Im Bild sind 3 kleine Raupen zu sehen, die an Blättern fressen.
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Eine kleine Raupe macht in Mitteldeutschland große Probleme. Der Eichenprozessionsspinner breitet sich immer weiter aus. Und der Kampf gegen die giftigen Tierchen ist vor allem eines: sehr aufwendig. Das macht die Beseitigung der Raupen auch sehr teuer und für viele Kommunen nicht tragbar. Schon im März hatten sich deshalb mehrere Bürgermeister aus der Altmark an die Landesregierung gewandt und um Hilfe gebeten. Diese Hilfen hat das Land Sachsen-Anhalt jetzt zugesagt.

Hilfe für die Kommunen

Das Geld soll aus dem sog. "Ausgleichsstock" des Landes kommen. Im Ausgleichsstock befinden sich pro Jahr 40 Millionen Euro, mit denen Sachsen-Anhalt die Kommunen unterstützen kann, um außergewöhnliche Belastungen zu finanzieren. Als außergewöhnliche Belastung hat das Kabinett jetzt die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners eingestuft.

Die Raupenplage ist ein besonders schwerwiegendes Geschehen derzeit, vor allem in der Altmark. Der Betroffenheitsgrad ist so stark, dass wir hier als Land unterstützen wollen.

Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) zu MDR SACHSEN-ANHALT

Zuletzt gab es auch in Wittenberg immer mehr vom Spinner befallene Gebiete. Sachsen und Thüringen kämpfen ebenfalls gegen die gefährlichen Raupen.

Die Raupe

Der Eichenprozessionsspinner ist aber nicht immer so gefährlich. Die für den Menschen gefährlichen Härchen bilden sich erst im dritten Larvenstadium aus. So entwickelt sich der Schmetterling:

Der Eichenprozessionsspinner legt zwischen 150 und 300 Eier. Im Bild ist ein Gespinstnest zu sehen mit Eiern und Raupen.
Ein Eichenprozessionsspinnerweibchen legt im August zwischen 150 und 300 Eier auf einem dünnen Ast ab. Im Herbst entwickeln sich die Embryos, die in den Eiern überwintern. Bildrechte: IMAGO
Der Eichenprozessionsspinner legt zwischen 150 und 300 Eier. Im Bild ist ein Gespinstnest zu sehen mit Eiern und Raupen.
Ein Eichenprozessionsspinnerweibchen legt im August zwischen 150 und 300 Eier auf einem dünnen Ast ab. Im Herbst entwickeln sich die Embryos, die in den Eiern überwintern. Bildrechte: IMAGO
Bis zum 3. Larvenstadium hat die Raupe des Eichenprozessionsspinners keine giftigen Härchen. Im Bild hängen mehrere Raupen an einem Faden ihres Gespinstes.
Abhängig davon wie warm es ist, schlüpfen die Raupen zwischen April und Mai. Bis zum dritten Larvenstadium haben die Raupen noch keine Härchen. Jedes Larvenstadium dauert etwa zehn Tage. Bildrechte: IMAGO
Spinnweben und Raupen
Die Raupen leben in sogenannten "Gespinstnestern", die wie eine Decke über ihnen liegt und sie vor Fressfeinden schützen soll. Bildrechte: imago/Eibner
Eichenprozessionsspinner haben feine giftige Härchen auf dem Rücken, die bei Berührung mit der Haut allergische Reaktionen und Hautausschlag verursachen. Im Bild sind 3 kleine Raupen zu sehen, die an Blättern fressen.
Ab dem dritten Larvenstadium entwickeln die Eichenprozessionsspinner die gesundheitsgefährdenden Brennhaare. Je nach Wetter beginnt das Ende April bis Anfang Mai. Bildrechte: IMAGO
Eichenprozessionsspinner an einem Baum
Seinen Namen hat der Eichenprozessionsspinner, weil die Raupen nachts dicht an dicht wie in einer Prozession an den befallenen Eichen hinauf kriechen. Bildrechte: Altmarkkreis Salzwedel
Der ausgewachsene Eichenprozessionsspinner lebt nur wenige Tage. Im Bild ist ein Schmetterling auf einem Blatt zu sehen.
Ende Juni verpuppt sich der Eichenprozessionsspinner. Nach drei bis sechs Wochen schlüpft dann ein unauffälliger brauner Falter, der nur wenige Tage lebt. Bildrechte: IMAGO
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Erste Hilfe bei Kontakt

Eichen sollst du meiden, sagt Constanze Gottschalk von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. Denn dort sitzen die gefährlichen Raupen besonders gerne.

Sie tragen lange Brennhaare, die zum einen Widerhaken tragen und zum anderen Nesselgift enthalten. Dadurch kommt es zu Hautirritationen. Das können Quaddeln oder Rötungen sein, Juckreiz oder Brennen.

Das enthaltene Nesselgift heißt Thaumetopoein. Es kann sogar für allergische Schocks sorgen. Dabei musst du nicht mal Kontakt mit der Raupe haben, die verlieren ihre Gifthaare auch bei der Häutung. Dann liegen die Härchen zum Beispiel unter dem Baum oder werden vom Wind umhergeweht.

Der Eichenprozessionsspinner kann schwere allergische Reaktionen auslösen. Im Bild ist ein Warnschild im Wald zu sehen mit dem Aufdruck "Eichenprozessionsspinner Allergiegefahr".
Solche Schilder weisen auf die Gefahr hin, sind aber nicht überall zu finden. Bildrechte: IMAGO


Wenn du Kontakt mit den Härchen hattest, die Haut allergisch reagiert oder du durch Einatmen der Haare Atembeschwerden hast, solltest du auf jeden Fall zum Arzt gehen. Um vorzubeugen und gar nicht erst in Berührung zu kommen, kannst du Eichen meiden, auf denen sich die Spinner bevorzugt aufhalten. Entdeckst du in deiner Nähe befallene Bäume, solltest du sie der Gemeinde melden.

Schädlingsbekämpfung

Die Gemeinde ist dann auch für den Schutz der Bürger und die Bekämpfung der Tiere verantwortlich. Je nach Entwicklungsstadium des Spinners, ändert sich die Methode, mit der die Eichenprozessionsspinnerpopulation eingedämmt werden soll. Im Frühjahr reicht es oft, kleinere befallene Gebiete abzusperren. Wenn die Raupen ihre Gifthaare entwickelt haben, müssen sie eingesammelt oder abgesaugt werden. Damit die Härchen nicht am Baum haften bleiben oder in die Luft geraten, werden die Nester vorher mit einem Spezialkleber eingesprüht. Die Arbeiter tragen dabei spezielle Schutzkleidung. Auch mit Pestiziden können die Tiere vernichtet werden, das gefährdet aber auch andere Schmetterlinge und Insekten.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Nachmittag | 14. Juni 2018 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Juni 2018, 15:21 Uhr