Eichenprozessionsspinner Gefährliche Raupe breitet sich weiter aus

Er ist klein und sieht auf den ersten Blick harmlos aus. Doch der Eichenprozessionsspinner ist gefährlich, weil er Bäume zerstört und beim Menschen Hautausschlag auslöst. Deshalb wird er bekämpft – mehr oder weniger erfolgreich. Eines der Probleme dabei: Den Schädling kann man nicht überall chemisch behandeln. Oft muß er abgesaugt werden. Ein Überblick für Sachsen-Anhalt.

Ein Mann im gelben Schutzanzug auf einem Kran vor einem Baum
Wegen der gesundheitsgefährdenden "Spiegelhärchen" des Schädlings müssen die Bekämpfer in Schutzanzügen zum Einsatz. Bildrechte: MDR/Lea Jürgens

Der Eichenprozessionsspinner hat sich in Sachsen-Anhalt trotz intensiver Bekämpfung weiter ausgebreitet. Besonders betroffen sind vor allem die Altmark, der Drömling, die nördliche Börde sowie die Stadtgebiete von Wittenberg und Dessau-Roßlau. Das teilte das Landeszentrum Wald MDR SACHSEN-ANHALT mit. Dagegen sind andere Teile des Landes deutlich weniger oder überhaupt nicht befallen – etwa der Süden Sachsen-Anhalts oder der Nationalpark Harz.

Was ist der Eichenprozessionsspinner?

Der Eichenprozessionsspinner (EPS) ist ein Falter Forstschädling. Er sieht nicht schön aus, ist dafür aber sehr gefräßig, besonders als Raupe. Seit Jahrzehnten schädigt er große Teile des Eichenbestandes. Besonders im Frühjahr können die Larven ganze Eichenwaldgebiete kahl fressen. Zusätzlich zum Kahlfraß ist der EPS noch besonders berüchtigt wegen seiner latenten Gesundheitsgefährdung. Sie beruht auf den "Spiegelhaaren", die ab dem dritten Larvenstadium (je nach Witterung im Mai) gebildet werden. Diese mikroskopisch kleinen, mit Widerhaken versehenen Härchen führen bei Menschen und Tieren zu Entzündungen der Haut, der Augen und der Atemwege. Die Ursache ist ein auf Proteinbasis aufgebautes Nesselgift – das Thaumetopoein. Die "Spiegelhaare" sind auch in den ab Juni am Baum gebildeten Gespinstnestern zu finden, sie werden leicht mit dem Wind verweht und behalten über mehrere Jahre ihre gesundheitsgefährdende Wirkung.

Eichenprozessionsspinner-Befall in Sachsen-Anhalt 2019 (Stand 14. August):

Wo der Eichenprozessionsspinner den meisten Schaden anrichtet

Börde: 23.000 Nester abgesaugt

Für die Bekämpfung der Schmetterlingsraupen hat allein der Landkreis Börde in diesem Jahr zwei Millionen Euro ausgegeben. Dabei wurden mehr als 23.000 Nester abgesaugt. Eine chemische Bekämpfung aus der Luft war in der Börde nicht möglich, weil die betroffenen Bäume zu nah an Wohngebieten oder Gewässern stehen. Um Chemie einzusetzen, müsste der Abstand mehr als 25 Meter betragen.

Baumstamm mit braunen Stellen
Großflächig und braun: So sehen die mit Nestern befallenen Stellen am Baum aus. Bildrechte: MDR/Lea Jürgens

Kreissprecher Uwe Baumgart sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Lage habe sich im Vergleich zu 2018 verschärft. Hotspots seien die Verbandsgemeinden Oebisfelde-Weferlingen und Flechtingen. Die Bekämpfer rückten täglich aus. Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Oebisfelde-Weferlingen, Hans-Werner Kraul, berichtet von Bäumen mit bis zu 100 Nestern. Der Eichenprozessionsspinner habe aber bisher gut bekämpft werden können. Die Schädlingsbekämpfer kämen jedoch nicht so schnell voran, wie gedacht, so Detlev Meyer, Ordnungsamtsleiter von Oebisfelde-Weferlingen. Innerhalb von acht Wochen habe man nur 400 Bäume absaugen können, weil die Anzahl der Nester so hoch sei.

Kombinierte Behandlung im Norden

In der Einheitsgemeinde Gardelegen wurden in diesem Jahr mehr als 7.400 Bäume chemisch behandelt. 2018 waren es noch rund 1.600. Florian Kauer vom Ordnungsamt sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Behandlung habe besser gewirkt als im Vorjahr.

Ein ähnliches Fazit kommt aus der Verbandsgemeinde Seehausen. Dort ist in diesem Jahr ein neues Problem aufgetreten: Feuerwehrleute klagten nach Einsätzen gegen den Eichenprozessionsspinner über allergische Reaktionen. Die Einsatzkleidung musste speziell gereinigt werden.

Ein Mann im gelben Schutzanzug auf einem Kran vor einem Baum
Die Entfernung durch Absaugen ist weitaus aufwendiger. Bildrechte: MDR/Lea Jürgens

Gordon Straathausen von der Einheitsgemeinde Stadt Klötze verwies auf Schwierigkeiten, den richtigen Zeitpunkt für den Einsatz der Chemikalien zu finden. Er sagte, der Erfolg halte sich in Grenzen. Auch könne im Naturschutzgebiet des Drömmlings nur mechanisch durch Absaugen behandelt werden, was aufwendiger sei. Die Bekämpfung sei insgesamt nicht so erfolgreich gewesen wie erhofft.

Der Landkreis Stendal hat nach eigenen Angaben in diesem Jahr rund 500.000 Euro für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners ausgegeben. Die Schädlingsbekämpfung sei im Juni abgeschlossen worden. Im Großen und Ganzen sei man damit erfolgreich gewesen.

Stärkerer Befall in Magdeburg

In der Stadt Magdeburg führen Mitarbeiter des Eigenbetriebs Stadtgarten und Friedhöfe derzeit Sonderkontrollen durch. Stadtsprecher Michael Reif sagte, trotz Prophylaxe im Mai gehe man von einem stärkeren Befall aus.

Flächendeckender Befall im Osten

Auch der Osten des Landes hat mit dem Schädling stark zu kämpfen. Rings um Dessau-Roßlau gibt es einen nahezu flächendeckenden Befall, beinahe jeder Baum an touristischen Rad- und Wanderwegen ist betroffen. In der Stadt selbst sind nach Angaben der Forstbetriebe bisher rund 500 Bäume behandelt worden.

Raupen des Eichenprozessionsspinners auf einem Baumstamm
So sehen die kleinen Tierchen aus. Bildrechte: dpa

Den größten Befall gibt es den Angaben zufolge am Bergwitzsee und im Volkspark Piesteritz im Landkreis Wittenberg. Laut Philipp Nahrstedt vom Forstamt wächst das betroffene Gebiet, die Konzentration der Nester ist aber nicht kritisch. Hier gebe es eine Ausnahmegenemigung fürs flächendeckende Besprühen der Wälder.

Im Kreis Anhalt-Bitterfeld sei die Dübener Heide besonders vom Eichenprozessionsspinner betroffen. Der Befall ist nach Angaben des Landkreises ähnlich wie im Vorjahr geblieben.

Kaum Probleme im Süden, Harz und Jerichower Land

Im Harz tritt der Eichenprozessionsspinner nicht auf. Vom Forstbetrieb hieß es, im Oberharz seien nur zwei Prozent der Bäume Eichen. Auch im Nationalpark Harz gibt es keinen Befall. Aus dem Jerichower Land hieß es, der Eichenprozessionsspinner sei zwar vorhanden, würde sich derzeit aber kaum vermehren.

Im Süden Sachsen-Anhalts ist der Eichenprozessionsspinner ebenfalls kein Thema. Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT wurden keine befallenen Bäume in den Wäldern und entlang von Radwegen oder Alleen gesichtet. Die Landesforstbetriebe erklären das zum einen mit dem zu geringen Bestand an Eichen, die die Nahrungsgrundlage der Raupen sind. Zum anderen liebe der Eichenprozessionsspinner die Wärme, die in den Wäldern im Süden nicht gegeben sei.

Mehr zum Thema

Quelle: MDR/pat

Dieses Thema im Programm MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 14. August 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. August 2019, 15:07 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP