ehrenamtliche Helferin bedient 3 ältere Menschen
Bei den Tafeln arbeiten viele Menschen ehrenamtlich. Bildrechte: imago images / epd

Faktencheck Ehrenamt

04.12.2019 | 16:56 Uhr

Jedes Jahr am 5.12. ist der Internationale Tag des Ehrenamts. Dabei wird das freiwillige Engagement von Millionen Menschen gewürdigt. Hier zehn Dinge, die du noch nicht über das Ehrenamt wusstest.

ehrenamtliche Helferin bedient 3 ältere Menschen
Bei den Tafeln arbeiten viele Menschen ehrenamtlich. Bildrechte: imago images / epd

1. Wie viele:

Das ist schwer zu sagen, da die Definitionen von Ehrenamt auseinander gehen. Die Zahlen in Deutschland schwanken zwischen knapp 16 Millionen Menschen (Institut Allensbach) und über 23 Millionen (Untersuchung des Internetportals betterplace.org). In den mitteldeutschen Ländern engagieren sich die Thüringer am häufigsten.

2. Wer:

Eine Frau verteilt Gebäck in der Bahnhofsmission.
Auch bei der Bahnhofsmission können sich Freiwillige ehrenamtlich engagieren. Bildrechte: imago images / photothek

Laut einer Allensbacher Analyse von 2018 sind es eher ältere Menschen mit gutem Einkommen, hoher Lebenszufriedenheit und hohem Bildungsabschluss, die Ehrenämter bekleiden. Es sind etwas mehr Männer als Frauen ehrenamtlich tätig. Allerdings engagieren sich die Frauen eher persönlich und direkt, Männer übernehmen mehr administrative Aufgaben.

3. Motivation:

Das Bundesfamilienministerium hat 2014 in einer Untersuchung unter 28.549 Ehrenamtlichen nach deren Motiven gefragt:

  • die Tätigkeit macht Spaß (80%)
  • mit anderen Generationen zusammenkommen (60,9%)
  • mit anderen Menschen zusammenkommen (59,5%)
  • die Gesellschaft mitgestalten (57,2 %)
  • Qualifikation erwerben (33,5%)
  • Ansehen und Einfluss gewinnen (15,1 %)
  • beruflich vorankommen (14,9 %)
  • dazuverdienen (3,5 %)

4. Bereiche:

Ehrenamtliche arbeiten freiwillig und unentgeltlich bei einer Organisation, Initiative, Verein oder etwas Ähnlichem. Mit Abstand die meisten engagieren sich im Bereich Sport und Bewegung (16,3%), gefolgt von Schule oder Kindergarten (9,1%) und Kultur und Musik (9,0%).

5. Zeitaufwand:

Engagierte nehmen sich immer weniger Zeit für ihre freiwillige Tätigkeit. Die Mehrheit kommt auf durchschnittlich zwei Stunden pro Woche. Der Anteil der Engagierten, die sechs Stunden pro Woche und mehr aufwenden, ist in den vergangenen Jahren leicht gesunken.

5. Versicherungsschutz

Nicht alle ehrenamtlichen Tätigkeiten sind automatisch gesetzlich versichert. Einige Ehrenamtliche sind über den Verein, bei dem sie tätig sind, versichert, andere über die Sammelversicherungen der Bundesländer, wiederum andere sind pflichtversichert über die Berufsgenossenschaft und andere möglicherweise gar nicht. Vor jeder Tätigkeit sollte man deshalb fragen, ob man versichert ist und welche Versicherungen enthalten sind. Am wichtigsten sind die Haftpflicht- und die Unfallversicherung. Auch eine private Berufsunfähigkeitsversicherung ist empfehlenswert.

6. Vergütung

Geldzahlungen spielen im freiwilligen Engagement eine untergeordnete Rolle. Nur 9,9 Prozent der Engagierten bekommen eine Aufwandsentschädigung. Wer Geld erhält, sollte auf bestimmte Höchstgrenzen achten: bis zu 200 Euro im Monat sind steuerfrei. Vor allem Hartz-IV-Empfänger sollten darauf achten.

7. Freistellung

Helfer im Katastrophenschutz müssen im Ernstfall von ihrer Arbeit befreit werden. Sie erhalten dann aber trotzdem weiter ihr Einkommen. Auch für andere ehrenamtlich Tätige kann es Sonderurlaube oder Freistellungen geben. Das regelt jedes Bundesland unterschiedlich. In Sachsen werden unter anderem auch Schöffen freigestellt. Und, genau wie in Sachsen-Anhalt, können Ehrenamtliche in der Jugendhilfe von der Arbeit befreit werden.

8. Weiterbildung

Den Freiwilligen werden von verschiedenen Trägern (Freiwilligenagenturen, Bildungseinrichtungen, Stiftungen, Wohlfahrtsverbänden usw.) Fortbildungsangebote zu den unterschiedlichsten Themen gemacht. Finanziell unterstützt werden die Angebote von den Bundesländern. Allein Sachsen fördert Schulungen nächstes Jahr mit 400.000 Euro. Fortbildungsthemen können Vereinsrecht, Projektmanagement oder auch digitale Medien sein.

9. Arbeitszeugnis              

Es gibt zwar keinen gesetzlichen Anspruch auf ein Zeugnis oder eine Bescheinigung über die ehrenamtliche Tätigkeit. Dennoch ist so ein Dokument interessant, wenn der Ehrenamtliche eine Arbeit sucht. Das Zeugnis kann Aussagen über die Fähigkeiten und Fertigkeiten machen. In dem Zeugnis sollte stehen, welche Aufgaben übernommen und wie diese erfüllt wurden.

10. App

Viele wollen sich engagieren und wissen nicht wo und wie. Auf der anderen Seite suchen Vereine händeringend freiwillige Helfer. Um die beiden Gruppen zusammenzubringen, haben zwei junge Männer die App Letsact entwickelt. Dort können Vereine ihre Projekte vorstellen und Interessenten unkompliziert ihre Hilfe anbieten. Bis Jahresende soll es bundesweit ein flächendeckendes Angebot geben.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Morningshow | 05. Dezember 2019 | 06:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Dezember 2019, 16:56 Uhr

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