E-Zigaretten können das Zahnfleisch schädigen

Sie gelten als etwas weniger gesundheitsschädlich als der klassische Glimmstängel mit Tabak. Doch auch E-Zigaretten sind leider nicht ohne Probleme. Und gerade ist ein neues dazugekommen.

E-Zigaretten
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Wenn schon sündigen, dann doch vielleicht mit ein bisschen weniger Nebenwirkungen: E-Zigaretten gelten im Vergleich zu klassischen Zigaretten mit Tabak als weniger schädlich. Und deswegen sind sie beliebt. In Deutschland nutzen zwei bis vier Millionen Menschen E-Zigaretten. Die Hersteller machen mit den Geräten und den Liquids einen Umsatz von 400 bis 500 Millionen Euro pro Jahr.

Chinese soll E-Zigaretten erfunden haben

Zigarettenschachtel
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Erfunden hat die E-Zigarette angeblich ein chinesischer Apotheker irgendwann um die Jahrtausendwende - um sich selbst das Rauchen abzugewöhnen. Sein Gedanke: Schädlich am Rauchen ist nicht zuletzt das Verbrennen des Tabaks, bei dem viele Schadstoffe entstehen. Dabei geht es den Nutzern aber eigentlich ums Nikotin. Also lässt man einfach den Tabak weg und verdampft eine nikotinhaltige Flüssigkeit, die unter anderem Wasser und ein Gemisch aus Propylenglykol und Glycerin enthält. Außerdem werden verschiedene Aromen und eben das Nikotin zugesetzt.

Sind E-Zigaretten wirklich gesünder?

Auch die E-Zigaretten sind allerdings nicht ohne Gesundheitsgefahren. Der Dampf kann potenziell zellschädigende Chemikalien enthalten. Die eingeatmeten Substanzen können wohl außerdem die Reparatur von Erbgutschäden in den Körperzellen hemmen und die Entstehung von Krebs fördern. Kürzlich haben Forscher um den Zahnmediziner Sukirth Ganesan von der University of Iowa nun einen weiteren, bisher unbekannten Hinweis dafür geliefert, welche negative Folgen das Dampfen haben kann. Sie haben nachgewiesen, dass sich bei Nutzern von E-Zigaretten die Mundflora massiv verändert.

E-Zigaretten führen zu Veränderungen im Körper

Die Folgen sind ziemlich unschön. Unter anderem nehmen hartnäckige Biofilme zu, die Bakterien im Mund der Vaper seien mit denen von Patienten mit Zahnfleischentzündungen vergleichbar, berichteten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Science Advances“.

Die Forscher hatten bei 123 gesunden Versuchsteilnehmern Proben des Zahnbelags genommen. Das klingt vielleicht ein bisschen eklig. Aber genau darum ging es den Wissenschaftlern ja. Wir alle haben Bakterien im Mund. Und das Team wollte nun wissen, ob sich diese bei Nutzern von E-Zigaretten von denen bei Rauchern oder Nichtrauchern unterscheiden. Mit Genanalysen untersuchte das Team nun die Artenzusammensetzung der Mundflora. Außerdem fahndeten sie am Zahnfleisch nach bestimmten Botenstoffen und Entzündungsmarkern.

Forscher untersuchen Zahnbelag

„Die Mundhöhle beherbergt ein offenes mikrobielles Ökosystem mit mehr als 700 Bakterienarten“, so die Forscher. Die unsichtbaren Winzlinge haben entscheidenden Einfluss auf die Gesundheit von Zähnen und Zahnfleisch. Das Problem: Schon nach kurzer Zeit verändert sich die Mundflora von E-Zigaretten-Nutzer offenbar. Sie ähnelt dann der von Leuten mit Parodontose. Das ist eine Erkrankung, bei der sich das Zahnfleisch zurückzieht und die Zähne ausfallen können.

E-Zigaretten
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Nicht nur ein erhöhter Anteil potenziell problematischer Bakterien fand sich bei den Vapern. Auch von den entzündungsfördernden Botenstoffen Interleukin-2 und Interleukin-6 gab es mehr bei ihnen, außerdem auch den sogenannten Tumornekrosefaktor Alpha und mehr Biofilme. Das Interessante dabei: Die problematischen Beobachtungen machten die Forscher unabhängig davon, ob die von den Probanden genutzten E-Zigaretten Nikotin enthielten oder nicht.

Was sind Biofilme?

Vielleicht mal noch ein Wort zu den Biofilmen: Zu ihrer Bildung produzieren Bakterien besonders viel Schleim. Das soll sie vor äußeren Einflüssen bewahren und zum Beispiel das Zähneputzen überstehen lassen. „Gesunde harmlose Bakterien im Mund erinnern im Aussehen ein wenig an Popcorn“, so Forscher Kumar. „Aber wenn man beginnt, E-Zigaretten zu nutzen, dann sehen sie eher so aus, als wären sie in Beton eingegossen.“ Die Biofilme sorgen außerdem dummerweise dafür, dass das Immunsystem die Bakterien bekämpfen will. Und so richtig schafft es das nicht. Permanente Entzündungen sind die Folge.

Schuld am Boom der schlechten Bakterien im Mund sind offenbar Inhaltsstoffe der Liquids: "Die Kohlenstoffmoleküle Glyzerin und Glykol sind pure Nahrung für schädliche Bakterien", sagt Forscher Kumar. Das Team weiß noch nicht, ob die Probleme bei längerer Nutzung von E-Zigaretten schlimmer werden. Weitere Studien sollen auch zeigen, ob aus den Vorstufen der Parodontose tatsächlich Zahnfleischentzündungen werden - und ob womöglich sogar Mundkrebs drohen könnte.

Bereits vor der Veröffentlichung der neuen Ergebnisse hatte das Deutsche Krebsforschungszentrum gewarnt: „Im Vergleich zu Tabakzigaretten sind E-Zigaretten zwar sehr wahrscheinlich deutlich weniger schädlich, dennoch sind sie keine harmlosen Life-Style-Produkte.“ Nichtraucher sollten sie wegen der unbekannten langfristigen Auswirkungen auf die Gesundheit nicht verwenden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 05. Juni 2020 | 21:00 Uhr

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