Benzinpreise E10 seit Jahresbeginn so teuer wie herkömmliche Kraftstoffe

Was tanken Sie? Die herkömmlichen Kraftstoffe wie Super? Oder gehören Sie zu den Menschen, die E10 tanken? Der Umwelt zuliebe, aber auch dem eigenen Geldbeutel. Denn E10 war ja bislang immer günstiger. Doch zum Ärger vieler umweltbewusster Autofahrer kosten herkömmliche Kraftstoffe und E10 seit Jahresbeginn gleich viel.

Blick auf einen Zapfhahn mit Bio-Kraftstoff E10.
Der Biokraftstoff E10 war seit 2011 eine günstige Alternative. Bildrechte: imago/Gerhard Leber

Es gab viele Vorbehalte, als vor neun Jahren der Biokraftstoff E10 eingeführt wurde – also einen Kraftstoff, dem zehn Prozent Bio-Ethanol beigemischt sind. Nicht fünf wie in bisherigen Kraftstoffen, die deshalb E5 heißen.

Frühere Vorbehalte gegen E10 ausgeräumt

Sigmar Gabriel
Sigmar Gabriel kritisierte den 2011 neu eingeführten Bio-Kraftstoff. Bildrechte: dpa

Die Vorbehalte fasste die SPD in Person von Sigmar Gabriel 2011 so zusammen: "Erstens, weil die Verbraucher verunsichert sind, ob das Fahrzeug das überhaupt verträgt. Zweitens – wir waren der festen Überzeugung, dass die Mineralölindustrie das nutzen würde, um die Autofahrer an der Tankstelle abzuzocken. Und das dritte ist die ungeklärte Frage zu Nachhaltigkeit des Biokraftstoffes."

Diese Sorgen konnten seitdem zum großen Teil ausgeräumt werden. Laut ADAC ist bis heute kein einziger Fall eines dafür zugelassenen Autos bekannt, das wegen E10 Schaden genommen hätte. Dass das nötige Ethanol von Pflanzen aus nachhaltigem Anbau kommt, garantiert das Bundeslandwirtschaftsministerium. Und der Biokraftstoff war bislang immer eine günstigere Alternative.

Mehr Biokraftstoff wegen Klimaschutzquote benötigt

Doch seit Anfang des Jahres steigt der Preis für E10. Und das liegt unter anderen am Bundes-Immissionsschutzgesetz, sagt Alexander von Gersdorff, Sprecher des Mineralöl-Wirtschaftsverbands:

Es gibt seit Jahren eine Klimaschutzquote im Straßenverkehr. Und die ist zum Jahreswechsel verschärft worden.

Alexander von Gersdorff, Sprecher Mineralöl-Wirtschaftsverband

Und um diese Quote zu erreichen, müsse man mehr Biokraftstoffe beimischen, sagt von Gersdorff. Und zwar in den konventionellen Kraftstoff wie Super. Das steigert natürlich die Nachfrage nach Bio-Ethanol. Und die erhöhte Nachfrage führt zu einer Preissteigerung.

ADAC zweifelt an gerechtfertigter Preiserhöhung

Doch der ADAC glaubt dieser Erklärung nicht, sagt Christina Rettig, Sprecherin vom ADAC Sachsen-Anhalt: "Unsere Verkehrsexperten haben sich damit auseinandergesetzt. Es gibt verschiedene Mutmaßungen." Einmal sei das Thema, dass das Bundes-Immissionsschutzgesetz geändert werde, dass eventuell die Beimischung von Ethanol erhöht werde, dass es eine größere Nachfrage gebe, weil auch in anderen Ländern E10 eingeführt wurde.

"Aber all das erklärt unseren Experten nicht diese Angleichung, die wir im Moment feststellen", meint Rettig. Es gebe einfach keine beweisbaren und nachvollziehbaren Daten. Die bundesweite Preisangleichung von E10 und dem normalen Super Benzin sei nicht gerechtfertigt.

Es sei auf jeden Fall eine Entscheidung der Mineralölkonzerne, das genau so festzulegen. Wobei auch das aus der Beobachtung des ADAC unterschiedlich sei. Bei einigen großen Konzernen sei es so, dass ein Unterschied da sei. Bei anderen wiederum nicht.

Also kann man eigentlich nur vermuten, dass es eine strategische Preissetzung ist. Dass es darum gehen könnte, E10 nicht mehr so attraktiv zu machen.

Christina Rettig, Sprecherin ADAC Sachsen-Anhalt

Das sei aber aus Sicht des Umweltschutzes absolut kontraproduktiv. Der ADAC appelliere an die Autofahrer, weiter E10 zu tanken. Im Sinne des Klimas.

Dieses Thema im Programm MDR AKTUELL RADIO | 15. Januar 2020 | 05:00 Uhr

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