Ein Mann fährt mit einem E-Scooter auf dem Gehweg.
Bildrechte: dpa

Warum es momentan so wenige E-Scooter mit Zulassung gibt

19.06.2019 | 09:58 Uhr

Der Weg für den Start von Elektro-Tretrollern in Deutschland ist frei. An vergangene Samstag ist die Verordnung mit der generellen Zulassung und den technischen Anforderungen in Kraft getreten. Aber derzeit gibt es kaum Modelle mit Straßenzulassung zu kaufen - woran liegt´s?

Ein Mann fährt mit einem E-Scooter auf dem Gehweg.
Bildrechte: dpa

Eigentlich ist nun alles klar: Am vergangenen Samstag trat die Verordnung mit der generellen Zulassung von Elektro-Tretrollern in Deutschland und den technischen Anforderungen in Kraft. Damit ist klar, wie die Roller beschaffen sein müssen, damit man sie im öffentlichen Straßenverkehr nutzen kann (mehr dazu am Ende des Textes). Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer setzt darauf, dass sich die E-Scooter in Kombination mit Bussen und Bahnen zu einer "echten zusätzlichen Alternative zum Auto" entwickeln - für kurze Strecken von der Haltestelle ins Büro oder nach Hause ein paar Straßen weiter.

Wie viele Elektro-Flitzer die Republik erobern und wie schnell das geht, muss sich zeigen. Auch die Regierung kann es nicht genau sagen, da es bei dieser neuen Mobilitätsform noch keine Erfahrungswerte zur Größe des Markts gibt. Grob geschätzt könnten es zwischen 30 000 und 150 000 Elektro-Tretroller sein, für die jährlich der vorgeschriebene Versicherungsaufkleber gekauft wird. Etwa 80 Prozent davon dürften privat genutzt werden - der Rest gewerblich für Lieferdienste oder Touristikfirmen, erläutert das Ministerium ergänzend zur Verordnung.

Leere Regale in Sachen E-Tretroller mit Straßenzulassung

Schaut man aber derzeit in Geschäften oder Online-Shops nach Elektro-Tretrollern mit Straßenzulassung, muss man ziemlich lange suchen oder Lieferzeiten von mehreren Wochen in Kauf nehmen. Selbst großen Elektronikmärkte liefern Strom-Roller mit Straßenzulassung erst im September oder Oktober aus, heißt es. Der Grund dafür ist ziemlich einfach. Auf Anfrage von MDR JUMP teilt das für die Zulassung zuständige Kraftfahrtbundesamt schriftlich mit:

Anträge auf Erteilung einer Typgenehmigung können nach dem Inkrafttreten gestellt werden. Bei Vorliegen der Genehmigungsvoraussetzungen können die Anträge innerhalb von 2 Wochen abschließend bearbeitet werden. Qualität und der Umfang der Dokumentation haben dabei Einfluss auf die Bearbeitungszeit.

Meint: Erst seit dieser Woche können Hersteller überhaupt eine so genannte "Allgemeine Betriebserlaubnis" beim Kraftfahrtbundesamt für ihrer Roller beantragen. Die ist Voraussetzung um mit den Rollern im Straßenverkehr teilnehmen zu können. Die gibt es, wenn E-Scooter die nun feststehenden Anforderungen erfüllen: Sie dürfen zwischen 6 und 20 Kilometer pro Stunde schnell fahren und müssen eine Lenk- oder Haltestange haben. Die Gefährte dürfen 70 Zentimeter breit sein, 1,40 Meter hoch und 2,00 Meter lang. Erlaubtes Maximalgewicht: 55 Kilo. Pflicht sind zwei Bremsen, Licht und eine "helltönende Glocke". Und diese Prüfung braucht eben etwas Zeit. Bedeutet: Frühestens Ende Juni könnten die ersten Roller mit einer solchen Betriebserlaubnis in die Geschäfte kommen.

Dazu kommt, dass bisher schon E-Tretroller verkauft wurden, die aber nicht für den Straßenverkehr zugelassen waren. Wenn die Gefährte die Anforderungen der Verordnung nicht erfüllen, können sie nachgerüstet werden. Dabei liegt es laut Bundesverkehrsministerium aber bei den Herstellern oder Händlern, ob sie Nachrüstungen anbieten.

Wie erkenne ich, ob ein Roller im öffentlichen Verkehr fahren darf?

Ob der E-Scooter im Geschäft die Straßenzulassung besitzt, erkennt man am Typenschild auf dem Roller. Auf diesem ist die Fahrzeugart "Elektrokleinstfahrzeug" und die Fahrzeugidentifikationsnummer vermerkt. Diese Nummer benötigt man auch für die Versicherung, die für E-Scooter-Fahrer Pflicht ist. Erste Anbieter nennen für die Haftpflicht Preise von rund 30 Euro jährlich - für jüngere Fahrer ist es meist teurer als für Ältere. Da die Haftpflicht nur Schäden an Dritten abdeckt, sollten Fahrer für sich selbst eine Unfallversicherung abschließen. Rollerbesitzer können auch Kaskoversicherungen abschließen, die beispielsweise bei Diebstahl bezahlen.

Für E-Roller gelten eigene Verkehrsregeln!

Vertraut machen kann man sich auch schon mit den Verkehrsregeln, die auf Drängen des Bundesrats noch in einigen sicherheitsrelevanten Punkten nachgeschärft wurde. Gehwege sind für die E-Tretroller zum Schutz von Fußgängern tabu. Sie sollen stattdessen Radwege nutzen - gibt es keine, darf es die Fahrbahn sein. Das könnte auf vielen kleineren Straßen zum Beispiel in Wohngebieten der Fall sein.

Festgelegt wurden auch einige Regeln eigens für die kleinen Flitzer. Sie müssen einzeln hintereinander rollen, Freihändigfahren und Anhängen an Autos sind untersagt. Bei Verstößen werden Bußgelder fällig - etwa 70 Euro, wenn man mit einem E-Scooter ohne Allgemeine Betriebserlaubnis unterwegs ist. Fahren ohne Versicherungsaufkleber kostet 40 Euro, ein Verstoß gegen Beleuchtungsvorschriften 20 Euro. Wer auf "nicht zulässigen Verkehrsflächen" unterwegs ist oder doch nebeneinander fährt, muss 15 Euro zahlen - mit Behinderung 20 Euro, mit Gefährdung 25 Euro, mit Sachbeschädigung 30 Euro. Überwacht werden sollen die Regeln in den üblichen Verkehrskontrollen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 19. Juni 2019 | 17:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Juni 2019, 09:58 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP