Was die Dürre so alles zu Tage gefördert hat

24.08.2018 | 16:29 Uhr

Die anhaltende Dürre hat die Pegel der Flüsse und Talsperren ordentlich sinken lassen. Dabei sind vielerorts vergessene Dinge ans Licht gekommen, teilweise sogar ganze Dörfer.

Sachsen-Anhalts Polizei hat bei Militariahändlern Waffen und Munition beschlagnahmt. 13 Verdächtige sollen das Niedrigwasser der Elbe ausgenutzt haben und den Fluss mit Metalldetektoren abgesucht haben. Auch in Thüringen wurde ein Haus durchsucht. Den Verdächtigen wird vorgeworfen, gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Denkmalschutzgesetz verstoßen zu haben.

Der 16-jährige Lukas Kipry aus Roßlau hat dagegen alles richtig gemacht: Mit seinen Freunden fand er Anfang August alte Weltkriegsmunition in der Elbe. Er und seine Freunde fotografierten die Fundstücke und riefen danach die Polizei.

Auch anderswo fördern die niedrigen Wasserstände in den Flüssen und Talsperren Dinge zu Tage. Zum Beispiel sogenannte Hungersteine. Das sind große, bearbeitete Steine, die an harte Zeiten erinnern sollen, etwa, wenn der Fluss Niedrigwasser hat.

Im Osterzgebirge sind so zum Beispiel die Überreste eines ganzen Dorfes zum Vorschein gekommen. Straße, Brücke und Baumstümpfe, alles ist unter dem Schlamm noch gut zu erkennen gewesen.

Die Talsperrenverwaltung warnt übrigens davor, die Überreste zu betreten: die Brücke könnte zum Beispiel einstürzen.

Wieder an anderen Stellen kam einfach Müll zum Vorschein, der vor Jahren im Fluss versenkt wurde: Zum Beispiel in Parchim in Niedersachsen.

Alte Töpfe, die in der Elbe lagen und durch den niedrigen Pegelstand jetzt zum Vorschein gekommen sind.
Bildrechte: IMAGO

Daneben sind in den Flüssen in den letzten Wochen auch immer wieder skurrile Dinge gefunden worden. Im Rhein wurden zum Beispiel Autos und gesunkene Boote gefunden. In der Donau wurde sogar ein alter Tresor gefunden.

Dürre macht Unsichtbares sichtbar

Aber auch zu Lande förderte die Dürre der letzten Wochen einiges zu Tage. Liegen zum Beispiel Reste einer alten Mauer im Boden, wachsen Pflanzen auf dem Acker darüber an dieser Stelle schlechter, weil der Boden anders ist. In der Trockenheit der vergangenen Wochen war der Unterschied besonders gut sichtbar.

Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales
In Großbritannien macht die Dürre plötzlich sichtbar, was lange nicht zu sehen war: In der Grafschaft Lancashire im Nordwesten Englands ist ein viktorianischer "Geistergarten" erschienen! Bildrechte: Lancashire County Council
Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales
In Großbritannien macht die Dürre plötzlich sichtbar, was lange nicht zu sehen war: In der Grafschaft Lancashire im Nordwesten Englands ist ein viktorianischer "Geistergarten" erschienen! Bildrechte: Lancashire County Council
Der Geistergarten in Lancashire mit der Struktur des ehemaligen viktorianischen Gartens.
Vor dem altehrwürdigen Landhaus Gawthorpe Hall ist im trockenen Rasen das Muster des früheren viktorianischen Gartens zu erkennen - aber nur bis zum nächsten intensiven Regen. Zwar ist das Muster auch schon in den Vorjahren etwas durchgeschienen, heißt es von der Verwaltung, aber so intensiv wie dieses Jahr sei es noch nie gewesen. Bildrechte: Lancashire County Council
Der viktorianische Garten um 1900.
Und so sah der Garten einst aus: Das Gebäude stammt aus der Zeit zwischen 1558 und 1603 als Elisabeth I. Königin war. In den 1850ern ist Gawthorpe Hall dann vom Architekten Sir Chales Barry erneuert worden. Der hat auch die berühmten Hoouses of Parliament entworfen. Wann allerdings der viktorianische Garten entfernt wurde, ist nicht überliefert. Bildrechte: Lancashire County Council
Caernarfon airport
Auch in Wales sind durch die Trockenheit mehrere teils bisher unbekannte historische Stätten sichtbar geworden - und zwar aus der Luft. In der derzeitigen Hitzeperiode sieht es in Wales aus wie in der Wüste. Bildrechte: Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales
Bardsey Island
Die Pflanzen wachsen abhängig von ihrem Untergrund besser oder schlechter. Stehen sie etwa auf historischen Mauern, wachsen sie nicht so hoch. Bei verfüllten alten Gräben passiert das Gegenteil. Und wenn es sehr trocken ist, sind diese Unterschiede besonders ausgeprägt - so wie auf der Aufnahme von Bardsey Island. Bildrechte: Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales
Spuren einer prähistorischen Anlage auf der Lleyn-Halbinsel
Bei Dürren wird das besonders offenbar, so wie bei dieser Aufnahme sind die Umrisse prähistorischer Gebäude auf ausgetrocknetem Grünland auf der Halbinsel Lleyn zu sehen. Bildrechte: Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales
Hügelgräberfriedhof aus der Bronzezeit
Ebenfalls auf der Lleyn-Halbinsel im Nordwesten des Landes im County Gwynedd wurde ein großer Hügelgräberfriedhof aus der Bronzezeit erkennbar. Bildrechte: Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales
Römerkastell
Auch Überreste der Römer sind aus der Luft deutlich zu erkennen: so wie bei den Gebäuden einer Festung aus der Römerzeit in Caerhun im Conwy-Tal. Bildrechte: Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales
Grundmauern einer Villa aus der Römerzeit in einer bekannten vorgeschichtlichen Kreisgrabenanlage im Vale of Glamorgan
Und das ist wahrscheinlich sogar eine römische Villa gewesen: In einer bekannten vorgeschichtlichen Kreisgrabenanlage im Vale of Glamorgan im Süden von Wales haben die Archäologen diese Grundmauern gefunden. Ähnliche Funde gab es auch in anderen Teilen von Wales. Bildrechte: Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales
Viereckige Gräber aus dem frühen Mittelalter im Süden von Gwynedd.
Neu entdeckt haben Forscher bei ihren Überflügen mehrere viereckige Gräber aus dem frühen Mittelalter. Sie sind schwach, aber deutlich zu erkennen und liegen im Süden von Gwynedd. Bildrechte: Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales
Carmarthenshire hillfort
Diese Spuren hat offenbar ein Bauernhof aus der Eisenzeit hinterlassen. Das Foto ist nahe des Ortes Whitland in Carmarthenshire in Südwest-Wales entstanden. Bildrechte: Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales
Iron Age enclosure Ceredigion
Ebenfalls aus der Eisenzeit stammt diese Neuentdeckung: Dabei handelt es sich ebenfalls um die Grundmauern eines Bauernhofs, dieses Mal aber in Ceredigion nahe der Küste im Westen von Wales Bildrechte: Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales
Fly Wales at Caernarfon
Die Archäologen suchen aus der Luft nach Auffälligkeiten auf Feldern oder in Graslandschaften. "Bedingungen, wie zur Zeit, habe ich noch nie gesehen, seit ich 1997 begonnen habe vom Flugzeug aus nach archäologischen Stätten zu suchen", sagt Toby Driver von der Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales. Und seine Entdeckungen werden ihn noch eine Weile beschäftigen, ergänzt er: "So viel neu erschienene archäologische Stätten sind unglaublich. Die derzeitige Arbeit am Himmel wird für monatelange Forschungsarbeit im Büro den Winter über sorgen, um alles zu kartographieren, aufzuzeichnen und die Bedeutung der Orte herauszufinden." Bildrechte: Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales
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Zuletzt aktualisiert: 24. August 2018, 16:22 Uhr

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