Dürre und Wassermangel - Wie sicher ist die Wasserversorgung?

Es ist das vierte Jahr in Folge, in dem es an vielen Orten in Deutschland zu trocken ist. Mancherorts steigt die Sorge, dass die Wasserversorgung nicht mehr gewährleistet werden könnte.

Dürre Zeiten
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Die erste richtige Hitzewelle des Jahres steht ins Haus. Diese Woche sollen es vielerorts über 30 Grad werden, Niederschläge eher Fehlanzeige. So manch einem wird das die Sorgenfalten ins Gesicht treiben, denn der Boden ist in weiten Teilen von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu trocken.

Laut Dürremonitor des Umweltforschungszentrums sind nur die südlichen Ränder von Sachsen und Thüringen nicht von Dürre betroffen. Der Rest ist auf der Karte gelb bis tiefrot eingefärbt.

Regen reicht nicht

Zwar hat es in den vergangenen Wochen immer mal wieder geregnet, aber nicht genug, um die Wasserspeicher im Boden wieder aufzufüllen.

Die Konsequenzen dieser lang anhaltenden Dürre lassen sich mittlerweile gut beobachten. Vielerorts stehen in Parks und Wäldern tote, vertrocknete Bäume. Und in manchen Städten und Dörfern wird nach vier Jahren mit zu wenig Niederschlägen das Trinkwasser knapp. Letztes Jahr war es in Lauenau in Niedersachsen bereits soweit.

Nationale Wasserstrategie

Die Bundesregierung fürchtet, dass in den kommenden Jahren wegen der globalen Erwärmung das Wasser in Deutschland öfter knapp werden könnte. Deshalb hat Bundesumweltministerin Svenja Schulze eine nationale Wasserstrategie vorgelegt.

Unter anderem soll in den kommenden Jahren eine überregionale Wasserversorgung etabliert werden. Außerdem sollen Regelungen für Nutzungskonflikte getroffen werden. Dazu haben die mitteldeutschen Bundesländer jeweils noch eigene Strategien und Konzepte, auch weil nicht alle Regionen gleich stark betroffen sind.

Sachsen-Anhalt: Dürre-Hotspot

Sachsen-Anhalt ist eines der am härtesten von Dürre betroffenen Länder in Deutschland. In manchen Landstrichen hat es seit 2018 nicht mehr genug geregnet, die Bodenwasserspeicher seien geleert und der Grundwasserstand niedrig, sagt Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert. Für sie ist klar: "Die Klimakrise ist bei uns angekommen."

Die oberen Bodenschichten seien wegen des feuchten Frühjahrs immerhin gut mit Wasser versorgt, doch die Forstwirtschaft, die vor allem auf das Wasser in den tieferen Bodenschichten angewiesen ist, leidet unter der Trockenheit. Die Versorgung mit Trinkwasser sei in Sachsen-Anhalt aber gesichert, heißt es aus dem Umweltministerium. Über 70 Prozent der Sachsen-Anhalter seien an die Fernwasserversorgung angeschlossen, sodass sie auch bei regionaler Trockenheit mit Trinkwasser versorgt werden. Grundsätzlich solle aber trotzdem jeder sparsam mit Trinkwasser umgehen.

Thüringen: Ungleich verteiltes Wasser

Thüringen ist laut Umweltministerin Anja Siegesmund ebenfalls dabei, eine Fernwasserversorgung aufzubauen. Im Freistaat sei das Wasser extrem ungleich verteilt und gerade die Orte, die ihr Wasser mit Brunnen aus den tieferen Erdschichten holen, seien potentiell von Knappheit betroffen.

Siegesmund will für Thüringen selbst eine Niedrigwasserstrategie erarbeiten sagt sie. Momentan seien immerhin die Trinkwassertalsperren im Land gut gefüllt. Und die decken die Hälfte des Trinkwasserbedarfs im Land.

Sächsischer Umweltminister kündigt Konzepte an

Auch der sächsische Umweltminister Günther begrüßte die Pläne von Svenja Schulze, eine nationale Wasserstrategie auf die Beine stellen zu wollen. Die vergangenen drei Dürrejahre hätten die sächsische Wasserversorgung an ihre Grenzen gebracht, sagte er.

Günther sieht auch die Landwirtschaft und die Kommunen in der Pflicht: Kommunen sollen etwa dafür sorgen, dass Wege und Flächen nicht versiegelt sind, sondern wasserdurchlässig und so Feuchtigkeit ans Grundwasser abgeben können. Außerdem solle in Kürze eine Grundsatzkonzeption "Wasserversorgung 2030" und eine Strategie "Wasserrückhalt in der Fläche" vorlegen.

Mit Material von dpa

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 15. Juni 2021 | 21:00 Uhr

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