Ein Mädchen und eine junge Frau fotografieren beziehungsweise filmen zwei Mädchen, die an einem Kirschbaum lehnen
Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Kinderfotos schwärzen - muss das sein?

02.08.2018 | 15:45 Uhr

Darüber diskutiert ganz Deutschland: Um den Datenschutz zu wahren, soll ein katholischer Kindergarten in Dormagen auf Erinnerungsfotos die Gesichter von Kindern geschwärzt und so für irritierte Eltern gesorgt haben. Hier erfährst Du, wann Fotos erlaubt sind und wo Du besser eine Genehmigung brauchst.

Ein Mädchen und eine junge Frau fotografieren beziehungsweise filmen zwei Mädchen, die an einem Kirschbaum lehnen
Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Seit Ende Mai gilt die Datenschutz-Grundverordnung. Und noch immer scheint nicht ganz klar zu sein, was nun erlaubt ist und was nicht. Für Diskussion sorgt derzeit ein Fall aus Nordrhein-Westfalen. Dort hatte ein Kindergarten auf Erinnerungsfotos die Gesichter von Kindern geschwärzt.

Allerdings sorgt dieses Vorgehen mindestens für Verwunderung: viele Eltern hätten sich über die geschwärzten Gesichter von spielenden Kindern geärgert und beschwert. Grund sei die Datenschutzgrundverordnung, zitiert eine Zeitung den Pfarrer der Gemeinde St. Michael Dormagen, zu der die Kita gehört. Man habe "den sicheren Weg" gewählt, um Klagen vorzubeugen. Dazu sagt Lutz Hasse - Thüringer Datenschutzbeauftragter - im MDR JUMP-Interview:

Man muss nicht grundsätzlich die Gesichter der Kinder schwärzen. Es hätte auch gereicht, die Eltern der Kinder um die Erlaubnis zu fragen.

Schule in der Lausitz verbietet Fotos von Einschulungsfeier

Im Brandenburgischen Annahütte hat offenbar eine Schulleiterin Foto- und Videoaufnahmen von der Einschulungsfeier verboten. Auch hier wird der Datenschutz als Begründung genannt. Wörtlich heißt es in dem Aushang:

Da es kaum möglich ist, dass alle Besucher der Schulanfangsfeier Ihnen das Einverständnis geben, dass Sie Fotos machen oder filmen und somit auch die Möglichkeit besteht, dass nicht nur das eigene Kind bzw. die eigenen Angehörigen fotografiert bzw. gefilmt werden, ist das Fotografieren und Filmen untersagt.

So ein allgemeines Fotoverbot sieht der Thüringer Datenschutzbeauftragte Hasse kritisch: "Mit einem generellen Foto- und Videoverbot an Schulen habe ich Bauchschmerzen". Schließlich sei es so auch nicht mehr möglich, eine Fotoerlaubnis auszusprechen.

Was ist überhaupt erlaubt in Sachen Kinderfotos?

Fest steht: Wer Fotos im privaten Rahmen (Familienfeiern, Grillfeste im Garten oder beim Arbeitseinsatz am Eigenheim) macht und diese auch nicht veröffentlichen will, braucht keine Genehmigung.

Anders sieht es aus, wenn auch Nachbarn oder fremde Menschen auf den Fotos sind. Lutz Hasse - Thüringer Datenschutzbeauftragter:

Da hat der Europäische Gerichtshof einen Riegel vorgeschoben indem er sagt, privat und familiärer Umkreis bedeutet, dass es im familiären und privaten Umkreis desjenigen der die Fotos macht, passiert. Dieser Kreis ist aber verlassen, wenn der Fotografierende oder Videografierende außerhalb dieses Kreises Aufnahmen macht. Also im öffentlichen Verkehrsraum oder dem Nachbargrundstück. Dann braucht man eine Einwilligung. Auch dann, wenn ich diese Bilder nicht veröffentlichen will.

Wichtig: Diese Einwilligung muss nicht schriftlich erfolgen. Bedeutet: Lächelt ein Passant in die Kamera, kann man davon ausgehen, dass der mit dem Foto einverstanden war.

Sonderfall: Fotos von Menschenmengen

Willst Du Fotos von einer größeren Personengruppe machen, braucht man keine Einwilligung. Ein Beispiel: Fotografierst du im Urlaub den Eiffelturm und dabei sind auch einige andere Touristen zu sehen, ist das erlaubt. Wichtig: Aus dem Bild darf nicht eine einzelne Person hervorgehoben werden.

Ich habe den Eindruck, seit dem die Datenschutz-Grundverordnung gilt, ist eine gewisse Hysterie ausgebrochen. Da kursieren seltsame Vorstellungen draußen herum.

Lutz Hasse - Thüringer Datenschutzbeauftragter

So scheint es auch im Fall des Kindergartens in Dormagen und der Grundschule in Annahütte zu sein.

Datenschutz-Grundverordnung Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ist seit dem 25. Mai in Kraft. Mit ihr sollen Bürger mehr Mitsprache erhalten, was mit ihren Daten in Unternehmen, Vereinen oder Behörden passiert. Dazu gehören Name, Adresse, E-Mail-Adresse, Ausweisnummer oder IP-Adresse. Besonders empfindliche Daten etwa zu Religion, Gesundheit oder Sexualleben dürfen nur in Ausnahmefällen verarbeitet werden. Strenge Regeln zum Schutz Minderjähriger galten allerdings auch bereits vor der DSGVO.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 03. August 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. August 2018, 15:45 Uhr

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