Morgendlicher Berufsverkehr in Köln
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Debatte um Todesursache Diesel Wie gefährlich sind Stickoxide in Dieselabgasen wirklich?

14.03.2018 | 15.59 Uhr

6.000 Menschen sterben jedes Jahr vorzeitig wegen der hohen Stickoxid-Belastung. Das zeigt eine aktuelle Studie des Umweltbundesamtes. Die Gesundheitsgefahren durch Feinstaub und Stickoxide werden aufgebauscht, sagt dagegen der unabhängige Lungenspezialist Prof. Dr. Dieter Köhler.

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Der renommierte Lungenexperte Prof. Dr. Dieter Köhler hält die Diskussion über Gesundheitsgefahren durch Diesel-Abgase für hysterisch. Schon wer in der Weihnachtszeit die Kerzen des Adventskranzes anzünde, überschreite schnell die in der EU geltenden Stickoxid-Grenzwerte. Die liegen für die Außenluft derzeit bei 40 µg/m³ (Mikrogramm pro Kubikmeter). In derart geringen Dosen sei Stickoxid überhaupt nicht gefährlich, sagt der nach eigener Aussage unabhängige Lungenspezialist Prof. Dr. Dieter Köhler:

Prof. Dr. Dieter Köhler
Bildrechte: Deutsche Lungenstiftung e.V.

Am Arbeitsplatz liegt der Grenzwert bei 950 Mikrogramm. In der Schweiz sogar bei 6.000 Mikrogramm. Und Raucher kommen pro Tag sogar auf über 100.000 Mikrogramm.

Raucher müssten schon nach wenigen Wochen umkippen, wenn Stickoxide so gefährlich seien wie in mehreren aktuellen Studien dargestellt.

„Europaweit müssten die Grenzwerte neu gemacht werden“

Der langjährige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie wirft den Machern der Feinstaub-Studien Fehler vor. Er sagte MDR JUMP:

In der aktuellen Studie hat man die Landbevölkerung mit der Stadtbevölkerung verglichen und festgestellt, dass die Menschen in der Stadt etwas eher sterben. Allerdings sieht man in vielen anderen Studien, dass die Lebensweise zwischen Stadt und Land völlig verschieden ist.

Andere Faktoren wie die Einnahme von Medikamenten, Alkoholkonsum oder sportliche Aktivitäten hätten hundertmal so großen Einfluss auf die Gesundheit wie die Belastung mit Stickoxiden. Folglich seien Diesel und Stickoxide nicht so gefährlich wie behauptet, so der unabhängige Forscher. Aus seiner Sicht müssten daher die EU-weit geltenden Grenzwerte angepasst werden – nach oben.

Laut UBA-Studie sterben Tausende vorzeitig durch Stickoxide

Herz-Kreislauf-Krankheiten, Asthma, Diabetes mellitus und Schlaganfälle: Eine Million Krankheitsfälle und tausende Todesfälle in Deutschland sind laut einer Studie des Umweltbundesamtes Dessau-Rosslau (UBA) von Anfang März auf Stickoxide in der Außenluft zurückzuführen. Die gasförmige Verbindung stammt in Städten vor allem aus Diesel-Abgasen und steht daher im Zentrum der aktuelle Debatte um Grenzwerte und mögliche Fahrverbote. Stickoxide reagieren mit dem Sauerstoff der Luft teils zum giftigen Stickstoffdioxid (NO2). Die Verbindungen kommen in der Natur selbst nur in geringen Mengen vor und stammen vor allem aus Autos und Kraftwerken.

Starke Belastung, mehr Kranke

Die Zahlen der Studie belegten, dass an Orten mit hoher Belastung mehr Menschen an den Folgen von Stickoxiden erkrankten, sagte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger:

UBA-Präsidenten Maria Krautzberger
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Es muss uns gelingen, in den nächsten Jahren zumindest im ersten Schritt die Grenzwerte einzuhalten und dann vielleicht auch noch weiter nach unten zu kommen.

Die Sterblichkeit aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wegen Stickoxiden (NO2) sei durch viele Studien belegt, deren Ergebnisse übereinstimmten. Bei diesen Studien werden Menschen mit einer hohen Belastung durch NO2 mit Menschen verglichen, die den Stickoxiden weniger stark ausgesetzt sind.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend - Die Themen des Tages | 14. März 2018 | 19:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. März 2018, 16:07 Uhr

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