Straßenmusiker
In vielen Städten dürfen Straßenmusiker nur 30 Minuten an einem Platz spielen. Dann müssen sie den Standort wechseln. Bildrechte: Colourbox.de

Musik in Innenstädten Straßenmusik – Zankapfel oder Bereicherung?

Straßenmusiker beleben für die einen die City, andere fühlen sich belästigt. Städte in Mitteldeutschland machen hier unterschiedliche Erfahrungen. In Dresden etwa gibt es viele Beschwerden.

von Ole Steffen/Sebastian Splesnialy

Straßenmusiker
In vielen Städten dürfen Straßenmusiker nur 30 Minuten an einem Platz spielen. Dann müssen sie den Standort wechseln. Bildrechte: Colourbox.de

In der sächsischen Landeshauptstadt wurden beim Thema Straßenmusik allein dieses Jahr bereits 107 Regelverstöße registriert. Diese Zahl nannte das Dresdner Ordnungsamt dem MDR-Magazin "Umschau" im Rahmen einer Stichproben-Abfrage in Mitteldeutschland. In Dresden sind demnach die häufigsten Regelverstöße das Spielen mit dem Verstärker, das Spielen ohne Anmeldung oder das Überziehen der erlaubten Spieldauer.

In 80 Fällen hätten sich Anwohner wegen zu hoher Lautstärke beschwert. Aus diesen Zahlen wird deutlich: Unterschiedliche Interessen prallen aufeinander, wenn es um die Musik auf offener Straße geht. Die Musiker wollen möglichst viel Freiheit – die Gewerbetreibenden und Anwohner möglichst viel Ruhe. Die Problemzonen in Dresden sind laut Ordnungsamt Prager Straße, Neumarkt und Jüdenhof, Schlossstraße, am Taschenberg, Dr.-Külz-Ring, Münzgasse und Schlossplatz.  

Vielzahl von Regeln verursacht Vielzahl von Problemen

Straßenmusiker auf der Schloßstraße in Dresden
Straßenmusiker auf der Schloßstraße in Dresden Bildrechte: IMAGO/Sven Ellger

Leipzig versucht den Bedürfnissen von Anwohnern und Händlern nach Stille mit einer Mittagsruhe für Straßenmusiker von 13:00 bis 15:00 Uhr gerecht zu werden. Außerdem dürfen Musiker nur eine halbe Stunde am selben Ort spielen, dann muss der Standort um mindestens 200 Meter gewechselt werden – was nicht immer eigehalten wird. Es gibt auch in Leipzig häufig Beschwerden, weil die Musiker diese erlaubte Spielzeit von 30 Minuten überschritten hätten. Zudem würden häufig Verstärkeranlagen verwendet, ohne im Besitz einer gültigen Sondernutzungserlaubnis zu sein. Ähnliche oder sogar strengere Regeln für die Spieldauer haben auch andere Städte in Mitteldeutschland.

In Erfurt zum Beispiel müssen Musiker schon nach 20 Minuten ihren Platz wechseln – und zwar räumlich so weit, dass die folgende Darbietung am früheren Standort nicht mehr zu hören ist. In Magdeburg wiederum gilt auch die 30-Minuten-Regel. Wollen Musiker länger am selben Ort spielen, so ist das ebenfalls nur mit einer Sondernutzungserlaubnis gestattet. Der Antrag dafür muss jedoch mindestens 14 Tage vorher eingegangen sein. Solche Anträge kommen nach Angaben der Stadt Magdeburg aber eher selten vor. Denn die meisten Musiker würden ohnehin von sich aus den Platz nach einer halben Stunde wechseln wollen.

Keine Castings für Straßenmusiker in Mitteldeutschland

Spezielle Castings für Straßenmusiker – wie etwa in München praktiziert – wollen weder Dresden, noch Leipzig oder Magdeburg einführen. Ein Sprecher der Stadt Leipzig sagte der "Umschau": "Der Stadtrat hat sich bei der letzten Überarbeitung der Polizeiverordnung dafür entschieden, die künstlerische Freiheit einzelner Personen nicht einzuschränken. Das subjektive Musikempfinden einer Jury soll kein Auswahlkriterium darstellen“. Für Erfurt sagte ein Stadt-Sprecher, dass es hier zwar "Ansätze von Überlegungen" geben würde, aber "keine aktiven  Planungen  oder konkrete Vorbereitungen" für solche Castings.

Gute Straßenmusik als Bereicherung

In Erfurt spielt nach Angaben der Stadt vor allem die Qualität der Darbietungen eine entscheidende Rolle, ob die Straßenmusik von Bürgern und Touristen als Bereicherung empfunden wird. Besonders beliebt bei Musikern seien in der thüringischen Landeshauptstadt die touristisch stark frequentierten Bereiche wie Krämerbrücke, Benediktsplatz und Fischmarkt.

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Dieses Thema im Programm MDR FERNSEHEN | MDR Umschau | 10. September 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. September 2019, 17:23 Uhr

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