Schadet die Digitalisierung Schülern?

04.03.2019 | 17:07 Uhr

Mit fünf Milliarden Euro soll die Digitalisierung an unsere Schulen vorangetrieben werden. Doch werden die Schüler mit der Technik schlauer oder dümmer?

Unsere MDR JUMP-Hörerin Ellen hat uns geschrieben: "Laptops und Tablets an den Schulen machen die Schüler nicht schlauer, sondern dümmer! Doch stimmt das so? Wir sind der Digitalisierung an unseren Schulen nachgegangen:

Nachricht von unserer MDR JUMP-Hörerin Ellen

Hallo liebes MDR JUMP-Team,
nun ist es also amtlich... Unsere Schulen dürfen mehr Tablets und Laptops bekommen.
Bedeutet: Die Bildung geht den Bach runter, das Niveau sinkt, unsere Schüler werden dümmer.
Gleiches ist in Finnland passiert. Einst die Schlauesten Europas sind sie nun nur noch Mittelmaß, nachdem seit einigen Jahren die Digitalisierung in den Schulen Einzug gehalten hat. Jetzt zieht man dort die Reißleine und entfernt die PC wieder.
Es ist erwiesen, dass Bildschirmmedien jeglicher Art, das Lernen nicht fördern, sondern eher verhindern.
Hierzu gibt es sehr schöne Bücher von Manfred Spitzer, mit Studien aus der ganzen Welt!
Ich habe ein Frisörgeschäft und bin Vorsitzende des Prüfungsausschusses unserer Innung. Immer wieder finde ich Anhaltspunkte, die Spitzers Ausführungen bestätigen. Unsere Kinder verblöden!
Vielleicht könnt ihr dazu mal recherchieren und einen Beitrag bringen. Ich hoffe inständig, dass unsere Grundschule und die Schulen in der hiesigen Umgebung von diesem Wahnsinn verschont bleiben.

Liebe Grüße
Ellen

46.000 Schulen mit neuer Technik

Mit fünf Milliarden Euro sollen 46.000 Schulen in ganz Deutschland auf den neusten Stand gebracht werden. Das allein ist schon eine große Herausforderung. Doch mit der Digitalisierung muss auch die Art des Unterrichtens umgestellt werden. So sieht das Gerald Lembke. Der Betriebswirt und Autor hat mit seinem Buch "Die Lüge der digitalen Bildung: Warum unsere Kinder das Lernen verlernen" auf Probleme der Digitalisierung aufmerksam gemacht.

Es gibt keinen kausalen Zusammenhang zwischen der Tablet-Nutzung und dem eigenen Intelligenzquotienten und seiner Veränderung.

Gerald Lembke, Experte für Digitale Medien

Gerald Lembke meint, dass die Digitalisierung die Schüler nicht schlauer macht. Ideen seien schließlich nicht technologiegetrieben. Die Lernleistung hänge viel mehr vom Antrieb der Schüler ab. Wenn sie nur mit PC und Tablet arbeiten, verlernen Kinder das Lernen, die Ablenkungsrate sei viel zu groß. Dazu würde das kritische Denken genommen.

Eine Kindheit ohne Computer ist der beste Start ins Leben. Der kritische Umgang mit Maschinen und Digitalisierung ist viel wichtiger.

Gerald Lembke, Experte für Digitale Medien

Trotzdem soll man die Technik nicht verfluchen. Wenn die Kinder reifer werden, sei in fortführenden Klassen die Technik schon für Interessierte wichtig.

Beispiel Finnland

Die Schulbehörde in Helsinki hatte in einer Studie belegt, dass die Leistungen der Schüler im Jahr 2015 im Vergleich zu 2012 nachgelassen hatten und versucht durch veränderte Lehrpläne entgegenzuwirken. In Finnland wurde die Digitalisierung an Schulen aber erst 2016 flächendeckend eingeführt, berichtet MDR JUMP Finnland-Korrespondent Carsten Schmiester. Dort arbeiten die Schüler mit mehr Eigenverantwortung mit PCs und Tablets. Diese Eigenverantwortung kann sich positiv wie negativ auswirken: Leistungsstarke Schüler werden besser, bei den Schwächeren droht dagegen das Gegenteil. Das heißt, dass ein Schüler, der sich durch sein Tablet ablenken lässt, im Unterricht nicht mehr mitkommt. Jemand, der mit dem Gerät aber schlau arbeitet noch mehr Nutzen hat.

Fazit für unsere Schulen

Für die Schulen in Deutschland heißt das, dass die Unterrichtsgestaltung enorm wichtig ist. Lehrer müssen Schüler an die Hand nehmen, denn digitale Geräte gehören zum Alltag - dementsprechend muss mit ihnen gearbeitet werden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend - Die Themen des Tages | 04. März 2019 | 19:40 Uhr

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