Mutter und Sohn am Strand (Symbolfoto)
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Diese Rechte bei Reisen solltest du kennen

04.07.2019 | 13:41 Uhr

In Sachsen-Anhalt haben die Sommerferien begonnen, Thüringen und Sachsen folgen in wenigen Tagen. Viele Familien starten in die schönsten Wochen des Jahres. Urlauber sollten wissen, welche Rechte sie haben: Wenn Kostenfallen drohen, Flüge oder Züge sich verspäten oder der Reiseveranstalter seinen Job nicht richtig macht.

Mutter und Sohn am Strand (Symbolfoto)
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Wer mit den richtigen Versicherungen in den Urlaub startet, hat für mögliche Ernstfälle schon gut vorgesorgt: Ein Muss ist die Auslandskrankenversicherung. Die zahlt für Arztbesuche, Medikamente und Krankenhausaufenthalte im Ausland. Das kann für Länder außerhalb der EU schnell sehr teuer werden, weil dort die gesetzliche Krankenkasse aus Deutschland in der Regel nicht einspringt. Gute Policen für Alleinreisende kosten ab zehn Euro im Jahr, für Familien sind sie nur ein paar Euro teurer.

Reiseversicherungen: Welche sind wichtig?

Eine Reiserücktrittsversicherung lohnt sich aus Sicht von Verbraucherschützern vor allem dann, wenn Familien mit Kindern reisen. Der Schutz greift, wenn man etwa wegen einer Krankheit oder anderen gravierenden Gründen wie einem Unfall, Jobverlust oder Schäden am Haus die Reise komplett absagen muss. Stiftung Warentest empfiehlt, in Kombination mit einer Reiserücktrittsversicherung gleich auch noch eine Reiseabbruchversicherung abzuschließen. Die übernimmt Umbuchungskosten, beispielsweise bei vorzeitiger Rückreise. Die meisten Anbieter erstatten im Ernstfall auch die Mehrkosten für einen eventuell längeren Aufenthalt. Die Policen können je nach Anbieter noch bis 30 Tage vor der Reise noch abgeschlossen werden. Einige Versicherer bieten auch bezahlbaren Schutz fürs ganze Jahr. In der Regel können dann zwei bis drei Reisen storniert werden. Der Schutz lohnt sich noch aus einem anderen Grund, sagt Thomas Kinschewski, Rechtsanwalt aus Dresden:

Rechtsanwalt Thomas Kinschewski
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In bestimmten Fällen hilft die Reiserücktritts-Versicherung nur, wenn ich Angst habe, in ein Krisengebiet zu fahren – aber das Gebiet noch nicht als reiseunsicher eingestuft ist.

Darf man Reisen nicht antreten, weil es im Urlaubsland Naturkatastrophen oder Kämpfe gibt?

Gibt das Auswärtige Amt in Deutschland eine offizielle Reisewarnung heraus, dürfen Urlauber zu Hause bleiben und bekommen dann auch den Reisepreis zurück. Ein Grund dafür kann ein Vulkanausbruch sein, ein Bürgerkrieg oder auch Unruhen. Ohne Warnung vom Auswärtigen Amt können Reisende immer noch entscheiden, dass sie sicherheitshalber nicht in den Urlaub fahren. Dann müssen sie aber im Zweifel dem Veranstalter einen Teil der Reisekosten bezahlen. Das sind in der Regel die Aufwendungen, die Veranstalter schon hatte. Hier helfen oft auch die Reiserücktrittsversicherungen weiter, die bei solchen gefährlichen Lagen eingreifen. Thomas Kinschewski sagt:

Im Reisemarkt heute ist es total üblich, dass man sagt, man will nicht in dieses potentielle Krisengebiet reisen und möchte woanders hin. Kein seriöser Reiseveranstalter wird sich dem verweigern. Eine Umbuchung ist das Normalste der Welt. Wenn sich Reisezeiten oder Reisepreise ändern, dann muss ich das hinnehmen.

Welche Reiseversicherungen braucht man nicht unbedingt?

Eine Frau zieht einen Rollkoffer
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Von Urlaubs-Policen wie Reisegepäckschutz, Unfallschutz und Haftpflicht speziell für die Reise raten unsere Experten ab. Die Gepäck-Versicherung ist vergleichsweise teuer und leistet oft nur unter strengen Auflagen. So müssen Wertgegenstände häufig direkt am Körper getragen werden. Zudem sind in manchen Hausratversicherungen auch schon auf Reisen gestohlene Koffer und Wertgegenstände abgesichert. Den Schutz für Unfälle und Haftpflichtfälle sollte man besser generell fürs ganze Jahr und nicht nur für den Urlaub abschließen. Mietwagenversicherungen wiederum können sich lohnen, sollten aber schon in Deutschland abgeschlossen werden und eine Deckungssumme bei der Haftpflicht von mindestens einer Millionen Euro bieten.

Anreise: Welche Rechte haben Zugreisende?

Ein ICE der DB am Gleis 11 am HBF Leipzig
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Anders als bei Flügen gibt es kein generelles Recht auf Entschädigung, wenn Züge zu spät oder gar nicht kommen. Ab 20 Minuten angekündigter Verspätung dürfen Reisende einen anderen Zug nutzen und bekommen eventuelle Aufpreise wie den ICE-Zuschlag zurück. Bei mehr als einer Stunde Verspätung am Ziel wird ein Viertel des Fahrpreises erstattet, bei zwei Stunden die Hälfte. Wer bei mehr als 60 Minuten offiziell angekündigter Verspätung die Reise abbricht, bekommt den kompletten Fahrpreis zurück. Eine Entschädigung für Unannehmlichkeiten bei der Reise wie etwa bei einer ausgefallenen Klimaanlage bei Hitze gibt es dagegen nicht.

Was gilt bei Problemen mit dem Urlaubsflug?

Dank der EU gelten feste gesetzliche Regel bei Flugverspätungen oder wenn der Flug komplett ausfällt. Grundsätzlich komme es dabei drauf an, wann der Reisende am Ziel ist, sagt Thomas Kinschewski:

Es gibt so viele Handicaps auf Reisen: Ausfall, Flugzeugwechsel oder der Pilot ist nicht da. Das führt grundsätzlich alles zu Verspätungen.

Anzeigetafel mit annullierten Flügen wegen eines Streiks in Düsseldorf
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Ab drei Stunden Verspätungen bei Flügen aus der EU oder in die EU steht Reisenden eine Entschädigung zu. Die liegt je nach Flugstrecke zwischen 250 und 600 Euro. Das unabhängige Verbrauchermagazin Finanztip weist darauf hin, dass diese Rechte auch bei Pauschalreisen gelten. Die sollten Reisende aber gegenüber der Fluggesellschaft einfordern. Kann die Fluggesellschaft allerdings nichts für die Verspätung, gibt es für Reisende kein Geld. Solche "außergewöhnlichen Umstände" sind etwa Streiks oder Kerosin auf der Start- und Landebahn.

Welche Rechte hat man, wenn Gepäck kaputt oder verloren geht?

Auch hier ist der Reiseveranstalter grundsätzlich in der Pflicht. Der muss das Gepäck sicher befördern. Im Ernstfall haben aber Reisende nicht automatisch auch einen Anspruch auf Entschädigung. Verloren gegangenes Gepäck falle in den Bereich der Hausratversicherung, sagt unser Experte. Die sollte man vor der Reise sicherheitshalber nochmal prüfen:

Ich kann nur raten: Bevor ich den Koffer zu mache, ein Foto zu machen. Dann kann ich bei einem Verlust dokumentieren, dass mein Laptop oder meine teuren Schuhe wirklich im Koffer waren.

Was gilt, wenn das Hotel weniger bietet als im Katalog versprochen?

Eine Baustelle hinter einem Urlaubshotel am Strand
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Anders als im Katalog angegeben hat das Hotel keinen eigenen Pool, der Strandblick fehlt, zum Strand ist es deutlich weiter als angegeben: Solche Klagen von Urlaubern landen immer wieder beim Anwalt oder vor Gericht. Wie viel Reisende in solchen Fällen vom Preis für den Urlaub zurückfordern dürfen, steht in der Kemptener Reisemängeltabelle (hier als PDF). Anders als im Katalog angegeben hat das Hotel keinen eigenen Pool, der Strandblick fehlt, zum Strand ist es deutlich weiter als angegeben: Solche Klagen von Urlaubern landen immer wieder beim Anwalt oder vor Gericht. Wie viel Reisende in solchen Fällen vom Preis für den Urlaub zurückfordern dürfen, steht in der Kemptener Reisemängeltabelle. Darin sind die wichtigsten Entscheidungen von Gerichten aufgeführt, an denen sich dann auch die Anwälte orientieren:

Wenn der Swimmingpool fehlt, kann man zehn bis 20 Prozent vom Reisepreis mindern. Kann man nicht im Meer baden, sind es 20 Prozent Minderung. Hat die Hotelverpflegung Mängel und gibt es zum Beispiel jeden Tag das Gleiche, kann man fünf Prozent mindern. Sind die Wände zu dünn und hört man die Sicherheitstüren in der Nacht und kann das auch nachweisen, sind fünf Prozent Minderung denkbar.

Wie zeigt man Reisemängel richtig an?

Dafür gibt es klare Regeln. Eine einfache Beschwerde reicht nicht aus. Vor Ort sollte man umgehend Abhilfe verlangen. Dafür ist der Veranstalter zuständig, also in der Regel der Reiseleiter. Bei selbst gebuchten Hotels oder Ferienhäusern ist natürlich der Vermieter in der Pflicht. Auf einem Mängelprotokoll – das etwa die Verbraucherzentrale zur Verfügung stellen – sollte man alle auftretenden Probleme detailliert schildern. Das Protokoll sollte vom Reiseleiter unterschrieben werden. Zeugen, Fotos und Videos helfen zusätzlich, die eigenen Ansprüche durchzusetzen. Nach dem Urlaub muss man die Ansprüche auf Minderung innerhalb eines Monats nach der Rückkehr geltend machen, wenn die Buchung der Reise vor dem 01. Juli 2018 erfolgt ist. Als Ende der Reise zählt das vertragliche Reiseende gemäß Reisebestätigung, egal ob man schon früher zurück ist. Für alle ab den 01.07.2018 gebuchten Reisen gibt’s keine besondere Ausschlussfrist mehr.

Was muss man dem Zoll melden?

Reisende sollten an der Grenze oder am Flughafen beim Zoll immer ehrlich sein. Bei Urlaub außerhalb der EU müssen alle Waren gemeldet werden, die aus dem Reiseland mitgebracht werden. Bis zu einem Warenwert von 430 Euro pro Erwachsener bleibt die Einfuhr aber zollfrei, wenn mit Flugzeug oder Schiff gereist wird. Bei Bahn und Auto liegt die Grenze bei 300 Euro. Thomas Kinschewski rät:

Wenn ich meine, dass ich diese Freigrenzen überschreite, muss ich zum Zoll und dort einschätzen lassen, wie viel Wert meine Mitbringsel sind. Wichtig: Wenn ich was verzollen muss, dann gilt das nicht nur für die Sachen, die über dem Freibetrag liegen sondern für alles.

Bei welchen Urlaubs-Mitbringseln kann es Probleme geben?

Schöne Muscheln, spannend geformte Steine: Beides findet sich nach Strandurlauben fast immer im Reisegepäck von Familien. Inzwischen ist aber in vielen Ländern verboten, so gut wie alle Arten von Muscheln auszuführen. Bußgeld und sogar ein Strafverfahren drohen. Auch exotischere Souvenirs wie Figuren aus Elfenbein, Schildkrötenpanzer und getrocknete Seepferdchen sollten Urlauber auf keinen Fall mit zurück nach Deutschland nehmen. Kakteen dürfen auch nicht in die EU eingeführt werden. Die könnten Krankheitserreger enthalten.

Im Internet gibt es zahlreiche Rechtshilfe-Portale, die Urlaubern bei Ärger helfen wollen. Diese Seiten werben mit günstigen Preisen und schneller Hilfe vom Profi bei Flugausfällen oder Ärger mit dem Hotel. Anwalt Thomas Kinschewski ist bei solchen Angeboten skeptisch:

Die Portale nehmen zum Teil 30 oder mehr Prozent von dem Betrag, den sie versuchen zu erstreiten. Bei einer 250-Euro-Klage wegen Verspätung sind das dann zum Beispiel hundert Euro, die ich abgeben muss.

Er sieht aber positiv, dass die Portale vorab keine Gebühren verlangen. Die werden in der Regel erst im Erfolgsfall fällig. Aus Sicht von Verbraucherschützern können die Portale eine sinnvolle und günstige Alternative zum Anwalt sein – in sehr eng begrenzten Rechtsgebieten wie immer wiederkehrenden Problemen wie ausgefallenen Flügen beispielsweise. Allerdings gebe es kein Gütesiegel für die Portale und im Ernstfall haften diese dann auch nicht für eine falsche Beratung. Verbraucher sollten zudem damit rechnen, dass sie im Ernstfall keine komplette Begleitung bis hin zum Sieg vor Gericht bekommen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 06. Juli 2019 | 09:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Juli 2019, 13:41 Uhr

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