Ein Mann schläft in einer Bushaltestelle in Berlin
Bildrechte: imago images / Jürgen Ritter

Bei Kälte und Schnee: Hilfe für Menschen ohne Wohnung

02.12.2019 | 11:39 Uhr

Fast 700.000 Menschen in Deutschland haben keine Wohnung. Zehntausende von ihnen leben auf der Straße. Für sie beginnt eine schwere Zeit. Wenn jemand bei Minusgraden im Freien ohne entsprechende Ausstattung schlafen muss, kann das lebensgefährlich sein. Mit zusätzlichen Schlafplätzen oder Hilfsbussen wollen Städte und Hilfsorganisationen helfen.

Ein Mann schläft in einer Bushaltestelle in Berlin
Bildrechte: imago images / Jürgen Ritter

Zu wenige bezahlbare Wohnungen, zu wenige Sozialwohnungen, niedrige Löhne: Das sind die Hauptgründe dafür, dass 678.000 Menschen in Deutschland keine Wohnung haben. Ihre Zahl ist zuletzt weiter gestiegen, so die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe. Die geht von mehr als 40.000 Menschen in Deutschland aus, die ohne jede Unterkunft auf der Straße wohnen: Darunter sind auch viele Frauen und Jugendliche. Für diese Menschen werden die kommenden Monate mit Frost, Schnee und Nässe besonders hart.

Aufmerksamkeit und Nachfragen helfen

Viele Menschen leben auch in Mitteldeutschland auf der Straße - trotz eisiger Temperaturen im bevorstehenden Winter. Holger Herzog vom Suchtzentrum Leipzig appelliert im Gespräch mit MDR JUMP deshalb an alle, nicht wegzusehen:

Es hilft vor allem Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit auf Bürger, die in Not sind, die auf der Straße schlafen oder unter Brücken, in Abrisshäusern und manchmal auch in Bankfilialen, die abends warm sind.

Wer im Herbst und im Winter auf Obdachlose trifft, die sich über längere Zeit nicht rühren, sollte zumindest nachfragen, ob bei diesen Menschen alles okay ist. Nachfragen sollte man am besten auch, wenn jemand offensichtlich nicht richtig für Minusgrade angezogen ist oder ohne Schlafsack draußen schläft. Mit einem Anruf bei offiziellen Stellen oder Hilfsorganisationen kann man Leben retten.

In Leipzig ruft man zum Beispiel das Sozialamt an, die sollten sich darum kümmern. Wenn man die nicht erreichen kann, was nachmittags oder abends mal passieren kann, gibt es immer noch die Polizei oder die Feuerwehr: Also die 112 anrufen, wenn Menschen akut in Not sind.

Kältebus in Berlin
Bildrechte: imago images / Jakob Hoff

In vielen Städten und Gemeinden kann man zudem die Kältebusse oder auch Hilfsbusse anrufen. Dort gibt es oft extra Schlafsäcke, etwas zu essen und auch die Möglichkeit für Menschen in Not, sich aufzuwärmen. Die Mitarbeiter in den Bussen wissen zudem, wo es Notunterkünfte und andere Angebote gibt. Die Nummern haben wir bei den Hilfsangeboten der jeweiligen Gemeinden mit aufgelistet.

Spenden sind immer willkommen

In vielen größeren Städten gibt es außerdem Sammelstellen für Spenden. Im Winter wird passende Kleidung gegen die Kälte gebraucht, dazu Schlafsäcke und Isomatten. Wer spenden will, sollte aber besser vorher nachfragen. Das sei besser, als einfach mit einem Sammelsurium vorzufahren, rät Holger Herzog:

In Leipzig gibt es die Sachspendenzentrale. Oder man wendet sich direkt an die Träger der Wohnungslosenhilfe und fragt dort nach, ob die in ihren Kleiderkammern gerade Platz haben und Kleidung annehmen, das klappt eigentlich immer ganz gut.

Neben der Sachspendenzentrale in Leipzig kümmern sich auch Organisationen wie die Heilsarmee, die Bahnhofsmission oder auch die Diakonie um Menschen ohne Wohnung und nehmen für sie Spenden an. Auch dort kann man mit einem kurzen Anruf schnell erfahren, was gerade gebraucht wird.

Rucksäcke packen, stricken, ein Frühstück ausgeben

Zusätzlich gibt es noch verschiedene Hilfsaktionen, mit denen Menschen in Not die kalte Jahreszeit leichter gemacht werden soll. So ruft „MDR um 4“ dieses Jahr schon zum 16. Mal dazu auf, wollene Kleidungsstücke zu stricken und einzuschicken. Die Helfer der Strickaktion übergeben diese dann an Bedürftige in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Im letzten Jahr sind dabei fast 14.000 Strickteile entstanden. Das Suchtzentrum Leipzig sammelt über Herbst und Winter Geldspenden für wetterfeste Outdoor-Rucksäcke, die dann mit Rettungsdecke, Erste-Hilfe-Produkten oder auch Kleidung gepackt werden. Das Geld kann unter anderem über die Spendenplattform betterplace.org gegeben werden, auf der man jetzt zum Beginn der kalten Zeit auch noch zahlreiche andere Hilfsprojekte für Obdachlose findet.

Hilfe für Menschen ohne Wohnung: Die Nummern für Kältebusse und Unterkünfte (Auswahl)

Leipzig

In der Leipziger Oase bekommen Menschen ohne Wohnung etwas zu essen, können duschen und finden jemand, der sie zum Arzt oder einem Termin begleitet: 0341 - 268 26 70, Öffnungszeiten: Montag bis Freitag: 08:00 bis 16:00 Uhr, Samstag (inkl. Feiertage) 09:00 bis 14:00 Uhr. Das Frauen-Übernachtungshaus bietet obdachlosen Frauen einen Schlafplatz: 0341 - 58 52 413, Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 16:00 bis 8:00 Uhr, ganztägig am Wochenende und an Feiertagen. Das Übernachtungshaus für Männer ist unter 0341 - 123-4504 erreichbar. Es ist täglich ab 16 Uhr geöffnet, feiertags und an den Wochenenden ganztägig. Zudem gibt es den Hilfebus vom Suchtzentrum, der zwischen 18.00 bis 23.00 Uhr unter 01523 – 366 10 87 erreichbar ist.

Dresden

Vom 1. November bis Ende März haben wieder sieben Kirchgemeinden ihre "Nachtcafés" geöffnet, in denen Wohnungslose einen Schlafplatz, etwas Warmes zu essen und jemanden zum Reden finden. Je nach Wochentag gibt es diese Möglichkeit an verschiedenen Orten. Zudem steht der SozialBus der Treberhilfe an festen Plätzen der Stadt und gibt dort Essen und warme Kleidung aus.

Chemnitz

In Chemnitz gibt es noch keine Busse, aber den Tagestreff "Haltestelle" der Stadtmission. Der ist in der Annenstraße 22 unter 0371 – 671 51 erreichbar. Zudem werden durch die Übernachtungsstätte Chemnitz unter 0371 – 400 2350 Übernachtungen vermittelt.  

Weimar

In Weimar betreut die Caritas das Obdachlosenheim "Haus Hoffnung". Das kann unter 03643 – 808273 erreicht werden. Zudem gibt es – auch von der Caritas die Mobile Wohnungshilfe, die unter 03643 – 202149 und mobil unter 0151 – 23292825 erreicht werden kann.

Erfurt

In Erfurt finden Männer ohne Wohnung im „Haus Zuflucht“ eine Übernachtung: 0361 734-943. Frauen wird bei drohender Obdachlosigkeit im „Haus Lebensbrücke“ geholfen: 0361 – 6431817.

Gera

Laut der Stadt hat die Obdachlosenunterkunft der Neustart gGmbH  "Rasthaus Obolus" knapp 30 Schlafplätze: 0365 - 85 59 151. Zudem kümmert sich der Caritas-Verband Ostthüringen um Menschen ohne Wohnung: 0365 – 31666.

Halle

Die Stadt Halle bietet über die Wohnhilfe Notquartiere für Wohnungslose an. Die Telefonnummer lautet: 0345 - 225 7423. Zudem gibt es die Wärmestube der Stadtmission Halle: 0345 - 1715-790.

Magdeburg

In der sozialen Wohneinrichtung in der Basedowstraße 15/17 in Magdeburg-Buckau gibt es das ganze Jahr über Schlafplätze für Familien, Männer und Frauen ohne Wohnung. Wer dort nicht übernachten möchte, kann dort auch nur duschen und die Kleidung waschen. Die Mitarbeiter sind unter 0391/ 540 4069 440 erreichbar. Wer obdachlosen Personen helfen möchte, kann auch den Stadtordnungsdienst der Landeshauptstadt Magdeburg anrufen (0391 - 540 5400) oder sich an das Polizeirevier Magdeburg wenden unter: 0391 - 546 2222 (Mo, Mi und Fr , 07:00-12:00 Uhr; Di und Do, 12:00-15:00 Uhr).

Dessau

In Dessau kümmert sich die Stadtmission, wenn Menschen in Not sind: 0340 - 8822342. In der Stadtmission gibt es warmes Essen und Duschen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 11. November 2019 | 09:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Dezember 2019, 11:39 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP