Farin Urlaub: „Ich bin begünstigt, weil ich so ein Langweiler bin!“

Im MDR JUMP Interview erzählt Farin Urlaub, wie die neue Platte entstand, neue Song-Ideen, Demokratie und das Älterwerden.

Ein Jahr nach dem Comeback-Album „Hell“ melden sich die Ärzte mit dem Pendant „Dunkel“ zurück. Auch diese Platte hat, wie die letzte, 19 neue Titel. Und auch diesmal hat Sänger und Gitarrist Farin Urlaub ein paar Songideen mehr beigesteuert. Im Interview versicherte Farin aber:

Wenn jemand eine Idee hatte für einen Song, dann heißt das nicht, dass er den von vorne bis hinten alleine erfunden hat und alleine aufnimmt. Als Band bringen wir uns da noch massiv ein.
Bei manchen Liedern natürlich etwas weniger als bei anderen, aber keiner von uns tut so, als ob er die anderen nicht gebraucht hätte bei irgendeinem Lied.

Trotzdem habe sich Bela große Mühe gegeben mit dem Schreibtempo von Farin Schritt zu halten.

Bela B. bei einem Literaturfestival
Bela B. - hier bei einem Literaturfestival - veröffentlichte 2019 seinen ersten Roman "Scharnow" - nur ein seiner zahlreichen Projekte. Bildrechte: imago/APress

Er sieht das, glaube ich, mehr als Wettrennen als ich das sehe. Aus mir kommt halt wirklich ständig Musik raus, aber das liegt daran, dass ich extrem monothematisch bin. Ich habe halt nur drei Hobbys und von denen ist Musik das intensivste. Ansonsten reise ich gern und mache Fotos.
Bei Bela ist die Liste halt unendlich viel länger. Er liest hier ein Hörbuch ein, spielt da bei einem Film mit, hat ein Buch geschrieben, schreibt wahrscheinlich jetzt noch zwei, drei weitere und auch sein Tag hat natürlich nur 24 Stunden. Da bin ich natürlich begünstig, dadurch dass ich so ein Langweiler bin.

Das letzte Lied der Platte, mit dem augenzwinkerndem Titel „Our Bass Player Hates This Song“, sticht besonders heraus. Erstmals spielen die Ärzte völlig unerotisch den Erklärbar und sprechen sich deutlich für die Demokratie und die Wahlen aus. Dieser bandinterne Tabubruch wurde heiß diskutiert, wie man dem Songtitel entnehmen kann, aber ganz bewusst gemacht. So sagte Farin:

Mir ist das Thema tatsächlich wichtig, weil ich reise ja viel und habe Länder besucht, in denen keine Demokratie selbstverständlich ist, sondern in denen die Leute in einer Diktatur leben oder in einer Scheindemokratie. Wo es zwar Wahlen gibt, die aber überhaupt nichts bewirken, weil wenn die Leute was Falsches wählen, ändert die Regierung die Wahlen. Wie jetzt gerade in Russland erlebt.

Außerdem räumt der 57-Jährige ein:

Ich glaube mit 20 hätte ich gesagt: ,So einen Text würde ich niemals singen!’ Jetzt bin ich halt keine 20 mehr und ich fänd’ es auch peinlich, wenn ich immer noch so tun würde als wäre ich 20 und jetzt immer noch so „Anneliese Schmidt“-Texte schreiben würde. Die waren damals super, aber jetzt schreibe ich halt zum Beispiel auch mal sowas.

MDR JUMP-Musikredakteur Felix Heklau trifft regelmäßig Stars zum Gespräch. Das Ergebnis kannst du auch in unserem Podcast "Wartungsfläche Fuhrpark" hören. Einfach abonnieren.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend | 30. September 2021 | 22:20 Uhr

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