Corona-Zahlen in Deutschland steigen wieder an

Im Vergleich zu den letzten Wellen sind die Sieben-Tage-Inzidenzen in Deutschland noch niedrig. Doch sie steigen wieder an. Daran dürfte auch die Delta-Variante Schuld haben.

Ein Mann mit FFP2-Maske im öffentlichen Nahverkehr
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Die Corona-Zahlen in Deutschland sanken seit Ende April kontinuierlich. Mit den Lockerungen der Maßnahmen und der Rückkehr in Schulen und Büros fühlt sich das Leben fast wieder "normal" an. Doch nun tritt ein, was Expertinnen und Experten befürchtet hatten: Die Delta-Variante breitet sich auch in Deutschland aus und die Sieben-Tage-Inzidenzen steigen wieder leicht an.

Zahlen und Fakten

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert-Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 949 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Vor genau einer Woche waren es noch 649 Neuinfektionen. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 5,5 Neuinfektionen in sieben Tagen pro 100.000 Einwohner (Stand 09. Juli). Vor einem Tag lag sie bei 5,2 vor zwei Tagen bei 5,1. Auch die für die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Coronavirus entscheidende Reproduktionszahl stieg zuletzt deutlich an. Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert liegt bei 1,17. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor acht bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab. Eine positive Sache gibt es jedoch: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) registrierte so wenige gemeldete Todesfälle wie seit Anfang Oktober 2020 nicht mehr. Am Mittwoch gab die WHO bekannt, dass vom 28. Juni bis 4. Juli knapp 54.000 Todesfälle registriert wurden. Das sind sieben Prozent weniger als in der Vorwoche.

Hotspots

Das Rathaus in Heiligenstadt
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In Mitteldeutschland liegen die Inzidenzen in fast allen Regionen noch im einstelligen Bereich. Nur das Eichsfeld in Thüringen liegt mit 11,0 knapp darüber. In Sachsen-Anhalt weist der Saalekreis mit 5,4 die höchste Sieben-Tage-Inzidenz auf. Sachsen weist die niedrigsten Zahlen in Mitteldeutschland auf. Die höchste Inzidenz liegt hier in Zwickau bei 3,2. Die höchsten Zahlen in Deutschland weisen Hof in Bayern mit 21,8, Frankfurt am Main in Hessen mit 20,6, der Stadtkreis Baden-Baden in Baden-Württemberg mit 19,9, der Landkreis Berndkastel-Wittlich in Rheinland-Pfalz und Neumünster in Schleswig-Holstein mit jeweils 18,7 auf.

Delta-Variante dominiert

Die Delta-Variante trägt wohl den größten Anteil der Schuld am Anstieg der Zahlen. Laut dem letzten Bericht zu Virusvarianten des RKI macht Delta 59,4 Prozent aller Neuinfektionen aus. Vom 14. bis 20. Juni waren es erst 37 Prozent und das war bereits mehr als doppelt so viel wie in der Woche zuvor, als es noch 17 Prozent waren. Das RKI weist darauf hin, dass die Variante noch gefährlicher ist, als die Bisherigen:

Die hohen Ansteckungsraten in Haushalten und bei Ausbrüchen durch Delta weisen darauf hin, dass Delta noch leichter übertragbar ist als Alpha, auch ohne engen Kontakt.

Dass die Impfquote in Deutschland sinkt, ist bei Delta deshalb noch problematischer. Der Impfstoff-Forscher Leif Erik Sander betont im ZDF heute-journal:

Symbolfoto - Blutprobe mit Coronavirus Delta-Variante
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Dadurch, dass Delta sich noch mal stärker überträgt, wäre die Zahl derer, die man impfen müsste, noch höher - um den Herdenschutz zu erreichen.

Man müsse beobachten, wie die Krankenhauseinweisungen und Todeszahlen steigen. Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen ist positiv gestimmt:

Das ist aus meiner Sicht der erwartete Verlauf, sobald Delta überwiegt. Wir hatten jetzt extrem niedrige Zahlen, jetzt geht es etwas hinauf. Da aber die Ferien beginnen, sollte es erstmal allenfalls langsam hochgehen.

Mit Material von dpa, RKI, WHO, ZDF

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 09. Juli 2021 | 06:00 Uhr

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