Eine junge Frau weint.
Bildrechte: PantherMedia / Viktor Cap

So belastet Depression Familien

27.11.2018 | 13:33 Uhr

Mit einem Menschen, der an Depression erkrankt ist, zusammenzuleben, ist alles andere als leicht. Eine Studie zeigt jetzt, wie sehr Familie und Partnerschaft unter der Krankheit leiden.

Eine junge Frau weint.
Bildrechte: PantherMedia / Viktor Cap

4,1 Millionen Menschen leiden in Deutschland an Depressionen, schätzt die Weltgesundheitsorganisation WHO. Einige, wie die Stiftung Deutsche Depressionshilfe, sprechen sogar von einer Volkskrankheit. Das neue "Deutschland-Barometer Depression" zeigt jetzt, dass die Krankheit auch massive Folgen für Familie und Partnerschaft hat.

84 Prozent der Befragten hätten sich während der Erkrankung aus dem Sozialleben zurückgezogen. Drei Viertel hätten keine Verbindung mehr zu den Menschen um sie herum empfunden. 45 Prozent berichteten gar davon, dass es wegen der Depression zur Trennung gekommen sei. Autorin und Bloggerin Victoria van Violence war selbst von der Krankheit betroffen. Sie bestätigt die Ergebnisse der Studie:

Man verändert sich, man zieht sich zurück, man wird anders. Und die Anderen wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen. Man selber weiß es auch nicht so richtig.

Bloggerin Victoria van Violence vor einer Sponsorenwand
Victoria van Violence litt selbst unter Depressionen und hat ein Buch über die Krankheit geschrieben. Bildrechte: IMAGO/Eibner

Menschen mit Depression ziehen sich oft zurück und sehen den Alltag wie durch eine schwarze Brille. "All diese krankheitsbedingten Veränderungen haben massive Auswirkungen auf Partnerschaft und familiäre Beziehungen. Deshalb ist Depression oft die Ursache und nicht die Folge von Partnerschaftskonflikten", sagt Ulrich Hegerl, der Vorsitzende der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

Wie reagiert man richtig?

Im MDR JUMP-Interview erzählt Victoria, dass ihre Freunde damals alles richtig gemacht haben: Sie hätten Hilfe angeboten, ohne sich aufzudrängen. Allerdings haben nicht alle Freundschaften die Krankheit überlebt.

Ich habe auch erlebt, dass einige sich von mir abgewandt haben. Das war ziemlich hart für mich.

Für sie ist eines der größten Probleme, dass Depression von vielen Menschen immer noch nicht als Krankheit ernstgenommen wird.

Viele haben ein ganz falsches Bild von psychischen Erkrankungen und wie sie behandelt werden. Deswegen brauchen wir mehr Aufklärung, mehr Menschen, die der Krankheit auch ein Gesicht geben und die Medien sollten nicht nur dann über Depression berichten, wenn sich ein Prominenter suizidiert hat.

Ähnlich sieht es auch Ulrich Hegerl: "Es wird deutlich, dass ein großer Aufklärungsbedarf über die Erkrankung gerade bei Angehörigen und Bekannten besteht."

Angehörige sollten aber auch auf sich selbst achten, sagen beide. Victoria meint, sie sollten aufpassen, nicht selbst in eine Depression reinzurutschen.

Als Angehöriger braucht man starke Nerven.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend - Die Themen des Tages | 27. November 2018 | 19:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. November 2018, 13:33 Uhr

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