Das Spiel mit Waffen: Softair als Hobby

Viele Waffen, mit denen Softair-Spieler ihre Freizeit verbringen, sehen dem Original oft täuschend ähnlich. Wir haben bei einigen Schützen nachgefragt, was dieses außergewöhnliche Hobby für sie so interessant macht und wie sie gelernt haben, mit Vorurteilen umzugehen.

Softair-Waffe wird von Mann gehalten, der in Tarnuniform durch Wald geht.
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Kleine Kugeln, mit denen auf Ziele oder auch andere Menschen gezielt wird: Softair ist ein Hobby, das polarisiert. In der Öffentlichkeit ist es verboten, eine Softair-Waffe zu benutzen. Viele Plastikpistolen oder -gewehre sehen echten Waffen oft sehr ähnlich. Die fallen dann als sogenannte "Anscheinswaffe" unter das Waffengesetz. Ob Softairs Spielzeuge oder Waffen sind, liegt aber nicht nur an ihrem Aussehen. Auch die Perspektive ist entscheidend. Während Kritiker dem Spiel mit den Waffen eine Tendenz zur Gewaltverherrlichung vorwerfen, argumentieren Softair-Spieler mit Teamgeist und Spaß am Spiel.

Für unserem Ratgeber-Artikel zu Softairs – auch Airsofts genannt – hatten wir versucht, mit aktiven Spielern Kontakt aufzunehmen. Leider vergeblich. Nach der Veröffentlichung des Ratgebers haben sich dann einige Spieler bei uns gemeldet, die ihre Erfahrungen mit uns geteilt haben.

Einstieg für Neulinge schwer

Florian aus Roding (Bayern) ist Teil des UMCS e.V. und hatte zuerst einige Bedenken und war von der Ähnlichkeit zu echten Waffen eingeschüchtert – bis er nach einem Sport gesucht hat, bei dem er sich bewegen und nebenbei Spaß haben konnte.

Ich habe mich zuerst von 'Airsofts' distanziert, weil die Dinger einfach oft aussehen wie eine echte Waffe. Ich war nie ein großer Sportler oder Waffennarr, aber habe dann das richtige Team gefunden und bin da auch noch heute.

Laut Florian ist vor allem der Einstieg für Neulinge schwer. Viele Teams bestünden aus bereits bestehenden Freundeskreisen, die eher abgeschottet spielen würden, oder einfach schon länger inaktiv seien.

Mit Vorurteilen umgehen lernen

Wer den Einstieg geschafft hat, wird oft mit vielen Vorurteilen konfrontiert. So auch Nico aus Nienburg (Niedersachsen), der seit sechs Jahren selbst in seiner Freizeit mit den Softair-Waffen spielt und auch an der Organisation und Durchführung von Spieltagen beteiligt ist. In dieser Zeit hat er sich oft die Zeit genommen, um Leuten in seinem Umfeld zu erklären was hinter seinem Hobby steckt.

Was wir machen, hat nichts mit Krieg zu tun. Das kann man nicht miteinander vergleichen. Das ist als würde man das, was ein Soldat im Einsatz macht, mit einem Ego-Shooter vergleichen. Es ist einfach komplett realitätsfern.

Auch wenn das Spiel an sich für Nico nichts mit realen Kriegssituationen zu tun hat, behandelt er die Waffen so, als seien es echte. Es sei nun mal so, dass jemand bei Unvorsichtigkeit verletzt werden könnte. Sofern er nicht genau vor dem Abdrücken sei, habe er seinen Finger nicht am Abzug. Schutz sei bei dem Umgang mit den Softair-Waffen wichtig, da die kleinen Kugeln vor allem im Gesicht Schaden anrichten können. Für Stefan aus Sonneberg vom Airsoftfreunde-Sonneberg e.V ist Schutzkleidung beim Spielen daher unumgänglich.

Softairwaffen sehen aus wie echte Waffen. Die Schutzkleidung besteht aus einer Schutzbrille, Handschuhen und oft noch einem Helm.
Softairwaffen sehen aus wie echte Waffen. Die Schutzkleidung besteht oft aus einer Schutzbrille, Handschuhen und einem Helm. Bildrechte: IMAGO / Panthermedia

Es braucht, meiner Meinung nach, eine Schutzbrille mit gehärtetem Kunststoff. Manche Spieler setzen auch auf Gitterbrillen, die ich aber nur semi-gut finde. Da können immer noch Splitter abrollen und ins Auge gehen. Ansonsten habe ich einen Mundschutz, eventuell einen Helm und das richtige Schuhwerk – man ist ja meistens im Gelände unterwegs.

Laut Stefan ist immer ein gewisses Risiko gegeben. Manchmal käme es zu kleineren Verletzungen, die auch mal bluten würden – in den meisten Fällen trage man aber nur blauen Flecken davon.

Spielzeug oder Waffe?

Im Vergleich zu einer echten Waffe ist das Verletzungsrisiko natürlich deutlich geringer. Für viele Kritiker ist dieses Hobby trotzdem gefährlich – vor allem auf einer moralischen Ebene. Doch die Verherrlichung von Gewalt steht für die Spieler, mit denen wir gesprochen haben, nicht im Vordergrund. Nico ist beispielsweise fest davon überzeugt, dass viele Menschen ihre Meinung ändern würden, wenn sie sich näher mit dem Thema beschäftigen würden.

Im Endeffekt ist es für uns nichts anderes als ein Spielgerät. Wie ein Golfschläger für den Golfer. Es gibt verschiedene Modelle in verschiedenen Ausführungen, Farben, Formen und all sowas. Und dann sucht man sich eben das aus, was einem gefällt.

Ob Softairs nun Waffen oder reine Spielzeuge sind, lässt sich nicht klar beantworten. Als Teamsport kann es auf jeden Fall begeistern und lockt die verschiedensten Menschen an. Tatsache ist: Der richtige und verantwortungsbewusste Umgang mit den Softairpistolen oder -gewehren macht den Unterschied, vor allem für das Image des Sports.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 27. Juli 2021 | 11:45 Uhr

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