UPDATE: Spritpreise wegen Coronavirus extrem gesunken – Ölpreis fällt am Montag dramatisch

Zuletzt geändert: 09.03.2020 | 10:14 Uhr

Teils weniger als 1,30 Euro für Benzin, Diesel kostet oft nur knapp über 1,10 Euro pro Liter: Autofahrer können sich gerade an vielen Tankstellen über niedrige Preise. Die sind stark gesunken, weil das Coronavirus gleich mehrere Wirtschaftsbereiche lahmgelegt hat. Die Preise für Rohöl sind inzwischen noch weiter eingebrochen.

An einer Tankstelle spiegeln sich die Spritpreise in einem Autofenster
Bildrechte: imago images / Frank Sorge

So günstig wie jetzt waren Benzin und Diesel in manchen Regionen schon fast zwei Jahre nicht mehr. Eine aktuelle Übersicht vom Vergleichsportal Clever Tanken zeigt: Der Preissturz begann Ende Januar und setzt sich jetzt im März fort.

Schlecht für die Wirtschaft, gut für die Autofahrer

Für den starken Rückgang der Spritpreise gibt es genau einen Grund: Durch das Coronavirus ist die Nachfrage nach Öl weltweit drastisch eingebrochen. Damit sinken auch die Preise. Volker Hirth vom ARD-Börsenstudio berichtet:

Der größte Ölimporteur der Welt ist China. Das öffentliche und wirtschaftliche Leben dort ist fast zum Erliegen gekommen. Die Öleinfuhren sind auf dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten.

Flugzeuge parken vor dem Terminal des Flughafens von Innsbruck
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Zudem werden gerade weniger Waren aus China auf den Meeren transportiert. Damit fahren auch weniger Schiffe. Weil deutlich weniger Menschen aus Sorge und Vorsicht reisen, ist auch der Flugverkehr betroffen. Fast alle Fluggesellschaften haben ihre Pläne deutlich zusammengestrichen. Manche haben den Flugverkehr sogar ganz eingestellt. Die Auswirkungen sind an den Ölpreisen deutlich sichtbar: Das Barrel der Nordseesorte Brent kostete am Montagmorgen nur knapp über 30 Dollar. Damit ist der Ölpreis auf den tiefsten Stand seit Anfang 2016 gefallen. So einen drastischen Preiseinbruch gab es laut Wirtschaftsexperten das letzte Mal vor 30 Jahren während des Golfkriegs.

"Preis-Senkungen werden weitgehend durchgereicht"

Der ADAC wertet die Preise für Benzin und Diesel auch regelmäßig aus. Mit Blick auf die Preise für Rohöl sagt Sprecher Andreas Hölzel:

ADAC-Unternehmenssprecher Andreas Hölzel
ADAC-Unternehmenssprecher Andreas Hölzel Bildrechte: ADAC/David Klein

Es ist weitgehend so weitergegeben worden, da kann man eigentlich keine Vorwürfe machen. Unser Eindruck ist der, dass der Ölpreisrückgang schon so an den Tankstellen angekommen ist. Ein wenig Luft, etwas Spielraum nach unten, der ist natürlich immer da.

Der Preisrutsch von Sonntagnacht etwa ist bisher - Stand Montagvormittag - noch nicht an den Tankstellen angekommen. Autofahrer sollten laut ADAC immer die Preise zwischen den Tankstellen vergleichen, auch wenn die gerade generell sehr niedrig sind. Tankstellen würden immer wieder auch versuchen, einen höheren Preis anzusetzen. Sie setzen dann auf Autofahrer setzen, die ohne Vergleich die Tankstelle ansteuern.

Wir wissen aus mehreren Untersuchungen: Am frühen Morgen zwischen sechs und neun Uhr liegt die teuerste Phase. Und dann gibt’s über den Tag weitere kleine Spitzen. Die günstigste Phase und darauf kann man schon bauen, die ist am Abend zwischen 17 und 20/21 Uhr ungefähr.

Auch Heizöl ist extrem günstig

Viele Hausbesitzer füllen aus Gewohnheit im Frühjahr die Ölbehälter für die Heizung auf: Sie könnten aktuell von den extrem niedrigen Ölpreisen profitieren. Der Messtechnik-Hersteller Tecson etwa meldet einen Durchschnittspreis von knapp über 50 Euro für 100 Liter (50 Cent pro Liter). Der Preis lag Anfang des Jahres noch bei knapp 70 Euro. So niedrig wie jetzt waren die Preise 2018 und 2019 kein einziges Mal.

Gegensteuern der Erdöl fördernden Länder bisher nicht erfolgreich

Wie lange bleiben die Preise an den Tankstellen niedrig? Schnellen sie wieder nach oben, wenn die Wirtschaft in China wieder durchstartet oder wenn Maßnahmen der Notenbanken oder der deutschen Regierung für die Wirtschaft kommen? Seriöse Antworten auf diese Fragen kann derzeit kein Experte geben. Offen ist auch, ob eine Drosselung der Erdölförderung durch die OPEC Auswirkungen an den Tankstellen hat: Die hat die Organisation Erdöl exportierender Staaten (OPEC) am Donnerstag beschlossen, um den Sinkflug des Ölpreises aufzuhalten. Bis zu anderthalb Millionen Barrel Öl pro Tag sollen weniger gefördert werden. Das wäre rund aber nur ein Hundertstel der täglichen Produktion. Allerdings hat die OPEC auch durch die Konkurrenz aus den USA viel ihrer Macht verloren: Die USA fördert mit Fracking genug Öl, um weniger abhängig von Saudi-Arabien, Kuweit und anderen zu sein. Zudem konnte sich die OPEC nicht mit Russland auf ein Förderlimit einigen, dass nicht zur Gemeinschaft gehört. Möglicherweise droht jetzt ein Preiskrieg zwischen den Förderländern.

Mit Material von dpa.

Dieses Thema im Programm Die MDR JUMP Feierabendshow | 06. März 2020 | 16:50 Uhr

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