Corona-Pandemie: Sind wir auf eine zweite Welle vorbereitet?

Die Corona-Infektionszahlen steigen und nicht wenige fürchten einen erneuten Lockdown. Wir haben uns umgehört, wie sich Vereine, Kulturbetriebe und die Wirtschaft in Mitteldeutschland darauf vorbereiten.

Einen eindringlichen Appell hat Bundeskanzlerin Angela Merkel an uns alle gerichtet: "Halten Sie sich an die Regeln, die für die nächste Zeit weiter gelten müssen". Merkel fordert verantwortliches Handeln jedes Einzelnen, um einen erneuten landesweiten Shutdown zu verhindern.

Dass es nicht dazu kommt, sollte also im Interesse aller liegen. Und besonders an Orten, wo viele Menschen eng aufeinander treffen, ist jetzt, mit Beginn der kalten Jahreszeit, ein Nachjustieren der Corona-Maßnahmen erforderlich. In einer MDR JUMP-Umfrage haben wir exemplarisch ein paar Branchen näher beleuchtet und geschaut, wie die sich auf den Herbst und Winter vorbereitet haben.

Wirtschaft: Gastronomie und Hotellerie

Restaurants und Hotels haben große Befürchtungen, dass es einen zweiten Lockdown geben wird. Eine erneute wochenlange Schließung wäre für etliche Lokale wohl das endgültige Aus. Daher versuchen die, die es können, ihre Gäste so lange wie möglich im Freien zu bewirten. Die Heizpilze werden Hochsaison haben. Auch der Lieferservice, den viele Restaurants im Frühjahr eingeführt haben, wird wieder mehr Zulauf bekommen. Hotelbetreiber haben sich inzwischen auf geringere Auslastung und penible Hygienekonzepte eingestellt und hoffen, dass auch in den Herbst-, Weihnachts- und Winterferien Übernachtungsgäste kommen. Viele Angestellte werden allerdings in Kurzarbeit bleiben, die ja bis Ende 2021 verlängert wurde.

Micheline Kreuzer, Chefin der Weihertalmühle bei Stadtroda in Thüringen bringt die Unsicherheit vieler mitteldeutscher Gastronomen auf den Punkt:

Chefin steht vor ihrem Lokal
Micheline Kreuzer – Chefin der Weihertalmühle Bildrechte: MDR JUMP

Wir hoffen, dass wir alles jetzt so einplanen können finanziell, dass wir es schaffen, aber wir wissen nicht ob wir es schaffen.

Kultur: Museen und Theater

Museen und Theater sind gut für die kältere Jahreszeit gerüstet. Seit Monaten werden Hygienekonzepte erprobt, wurden hier und da verbessert und auf Herbst und Winter eingestellt. Die Einrichtungen empfangen deutlich weniger Gäste. So lässt das Schauspielhaus Leipzig nur 300 statt normalerweise 700 Zuschauer gleichzeitig ins Haus. Außer auf den Sitzplätzen muss Maske getragen werden, auf der Bühne wird mit Abstand oder Plexiglaswänden gearbeitet, erklärt Intendant Enrico Lübbe.

Intendant des Schauspielhauses Leipzig Enrico Lübbe sitzt vor der Bühne
Intendant des Schauspielhauses Leipzig Enrico Lübbe Bildrechte: MDR JUMP

Also das hat für uns gar nicht so sehr die Auswirkung, weil für uns entscheidend ist, was das Haus an Luftumwälzungen leisten kann. Wir haben eine sehr gute Klimaanlage und da ist es eigentlich für uns erst einmal nicht relevant ob jetzt Sommer ist oder Winter.

Freizeit: Vereine und Einrichtungen

Für die Sportvereine in Mitteldeutschland werden die Herbst- und Wintermonate eine Herausforderung. Nachdem im Sommer problemlos im Freien trainiert werden konnte, geht es nun so langsam zurück in die Turnhallen und da wird es eng. Zu eng. Der TSV Leuna hat, wie viele andere Vereine auch, ein Hallenkonzept ausgetüftelt, bei dem nur 20 Personen gleichzeitig in die Halle dürfen, so Schatzmeisterin Sabine Löschke:

Sabine Löschke, Schatzmeisterin des TSV Leuna in der Vereinsturnhalle
Sabine Löschke, Schatzmeisterin des TSV Leuna Bildrechte: MDR JUMP

Da müssen die Sportler ein Einsehen haben und sagen: ok, dann eben nur jede zweite Woche oder jeden zweiten Tag darf ich jetzt. Wir hoffen, dass wir an die Vernunft der Sportler appellieren können und sagen: Seid froh, dass ihr überhaupt rein dürft. Lieber zweimal die Woche als gar nicht.

Auch beispielsweise in Schwimmbädern ist die Besucherzahl begrenzt und man wird gebeten, Abstand zu halten. Davon abgesehen gibt es aber keine Bedenken gegen einen Betrieb in der kalten Jahreszeit, sagt Robert Kubitz, Badleiter vom Neiße-Bad in Görlitz:

Robert Kubitz, Badleiter des Neiße-Bads Görlitz vor Schwimmbecken
Robert Kubitz, Badleiter des Neiße-Bads Görlitz Bildrechte: MDR JUMP

Wir haben halt auch den Vorteil, dass wir relativ viel Schulschwimmen haben, viel Vereinsschwimmen haben. Die Kurse sind wieder ausgebucht bei der Volkshochschule. Das hilft uns auch.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Themen des Tages | 05. Oktober 2020 | 19:50 Uhr

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