Schlechtes Zeugnis in Corona-Zeiten: Kann ich es anfechten?

Einige Bundesländer melden trotz Corona sogar bessere Abitur-Ergebnisse, als in den Vorjahren. Aber nicht alle Schüler sind mit ihrem Zeugnis zufrieden. Können schlechte Noten angefochten werden?

Schlechtes Zeugnis
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In Sachsen-Anhalt wurden in diesem Jahr Abitur-Zeugnisse mit einem Gesamtdurchschnitt von 2,3 verliehen. Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner sagte im Gespräch mit MDR JUMP, dass sich damit der Trend der vergangenen Jahre fortgesetzt habe. Das bedeutet: Es gibt im Durchschnitt keine schlechteren Abiturergebnisse in Sachsen-Anhalt. Trotz der Corona-Krise. Als Grund gibt der Minister an, dass es weniger Ablenkung gab und sich die Schüler fokussierter auf die Prüfungen vorbereiten konnten. Allerdings sagt ein Durchschnittswert nichts über einzelne Schüler aus. Es ist durchaus möglich, dass einige von ihnen mit größeren Problemen zu kämpfen gehabt haben.

Durch schlechte Bedingungen wird Zeugnis anfechtbar

Nicht alle Schüler waren mit genügend Technik ausgerüstet, um gut beim „Homeschooling“ im Unterrichtsstoff mitzukommen. Das erklärt Dr. Günther Hoegg, Fachanwalt im Bereich Schulrecht. Können Schüler und Eltern also ganz einfach ein Zeugnis korrigieren lassen?

In dieser Situation haben sie natürlich gute Chancen, weil natürlich die Situation deutlich anders ist, ohne dass die Eltern oder Schüler das verschuldet haben. Ein regulärer Unterricht ist das nicht gewesen. Das bedeutet: die Grundlage der Bewertung ist deutlich anders als früher.

Dr. Günther Hoegg, Fachanwalt im Bereich Schulrecht

Eine Vergleichbarkeit zu anderen Schülern sei laut Dr. Hoegg also kaum herstellbar.

Erfolg nur bei wichtigem Grund

Wenn eine Zensur einfach etwas schlechter ausgefallen ist als sonst, dann lässt sich kaum etwas bewirken. Aber wenn die Versetzung gefährdet ist oder ein Abschlusszeugnis aufgrund von Corona zu schlecht ausgefallen ist, könne man handeln. Dann gilt dieser Fall als Verwaltungsakt.

Wenn durch ein schlechtes Abschlusszeugnis eine bestimmte Ausbildung nicht erreicht werden kann, haben wir auch einen Verwaltungsakt.

Dr. Günther Hoegg, Fachanwalt im Bereich Schulrecht

Mädchen hält Zeugnis in den Händen
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Wie geht man vor?

Als Erstes sollte eine Beschwerde bei der Schulleitung eingereicht werden. Wenn das nicht hilft, geht es weiter zur Schulbehörde. Im letzten Schritt sei laut Dr. Hoegg auch eine Klage möglich. Er geht davon aus, dass es in diesem Jahr viele Beschwerden geben wird.

Bildungsminister Tullner erwartet keine Beschwerdewelle

Davon geht Sachsen-Anhalts Bildungsminister Tullner jedoch nicht aus. Im Gespräch mit MDR JUMP sagt er zu den diesjährigen Ergebnissen der Schüler in seinem Bundesland: „Die Ergebnisse zeigen […], dass die Rahmenbedingungen so gestaltet waren, dass man von fairen und vergleichbaren Bedingungen trotz Corona sprechen kann.“ Demnach hätte eine Klage wenig Aussicht auf Erfolg.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend - Die Themen des Tages | 17. Juli 2020 | 19:10 Uhr

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