Gespräche mit Maske: Wie uns Kinder trotzdem verstehen

Kommunikation mit Mund-Nase-Schutz - keine einfache Sache. Vor allem Kinder haben mitunter Schwierigkeiten, uns zu verstehen, wenn die Mimik fehlt. Eine Expertin gibt Tipps, wie es besser klappen kann.

Mutter und Tochter tragen eine Maske in der Innenstadt
Bildrechte: imago images / Westend61

Was Anfang des Jahres noch unvorstellbar schien, ist heute längst Alltag. Mund-Nase-Bedeckungen sind in Zeiten der Corona-Pandemie zu einem unverzichtbaren Instrument des Infektionsschutzes geworden. Aber: So gut diese Masken auch helfen mögen, Ansteckungen zu minimieren, so sehr erschweren sie doch andere Bereiche des Lebens. Stichwort: Kommunikation. Ohne Mimik wird die schwieriger. Darunter leiden ganz besonders unsere Kinder. Wie die Kids das im Moment hinbekommen und wie wir als Erwachsene helfen können, weiß Kristin Wunder. Sie ist seit fast 20 Jahren Trainerin für Kommunikation und Rhetorik. Außerdem arbeitet sie im Bereich Sprechwissenschaft im germanistischen Institut an der TU Chemnitz.

Verständlichkeit leidet durch die Maske

Kinder müssen erst lernen Gestik und Mimik zu deuten, für sich zu sortieren und einzuordnen. Das ist derzeit ganz schön schwer, sagt Kristin Wunder im MDR JUMP-Gespräch, denn die Masken schlucken Teile vom Stimmausdruck. Die Stimme klingt dumpfer und leiser. Auch die Mimik ist nur im Augenbereich sichtbar.

Da wird es natürlich schwieriger, Emotionen zu deuten oder Inhalte zu verstehen.

Erwachsene haben es da deutlich leichter, weil sie im Laufe ihres Lebens schon viel Erfahrungen gesammelt haben, wie man Ausdrücke anderer interpretiert - auch wenn Teile der Ausdruckskanäle wegfallen. Außerdem können sie gesprochene Sprache differenzierter betrachten und in einen bestimmten Kontext setzen. Kinder erwerben diese Fähigkeiten erst im Laufe ihrer Entwicklung, so die Expertin.

Folgen sind nicht zu unterschätzen

Es kann zu Enttäuschung, Unsicherheiten, Missverständnissen oder auch Frustration kommen, wenn man das Gesagte nicht richtig versteht oder deuten kann bzw. selbst schlecht verstanden wird. Ein wichtiger Aspekt ist auch die Distanz beim Sprechen. Laut Kristin Wunder ist das besonders für Kinder schwierig, weil sie körperliche Nähe noch sehr unmittelbar leben. Langfristig können diese ganzen Gefühle, besonders in hierarchischen Situationen, dazu führen, dass Kinder sich in Gesprächen immer mehr zurücknehmen, sich nicht trauen nachzufragen oder irgendwann entmutigt sind.

Tricks für bessere Verständlichkeit trotz Maske

  • Lauter sprechen, um das Gegenüber inhaltlich und emotional zu erreichen
  • Die gesprochenen Sätze kurz und verständlich gestalten
  • langsameres Sprechtempo und Pausen beim Sprechen machen
  • Deutlicher artikulieren und die Sprechmelodie mehr betonen
  • Gestik lebendiger gestalten, um Klarheit zu schaffen und Emotionen zu zeigen - mit Händen und Füßen sprechen

Ein Blick sagt mehr als 1000 Worte

Mädchen mit Maske, auf der Herzchen gemalt sind
Bildrechte: imago images / Hans Lucas

In Zeiten, wo der Großteil des Gesichtes bedeckt ist, können wir mehr mit den Augen sprechen, rät Sprachexpertin Kristin Wunder. Die mimische Muskulatur im Bereich der Augen und Augenbrauen hat viel Ausdruckskraft. Zum Beispiel sieht man an den Augen, ob ein Lächeln echt oder unecht ist. Ein Lächeln hört man übrigens auch an der Stimme.

Von einem freundlichen Lächeln können wir, glaube ich, gerade alle nicht genug bekommen in der schwierigen Zeit.

Wichtig ist jetzt auch, sich Zeit für die Kinder zu nehmen und genau zuzuhören.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Bei der Arbeit | 27. November 2020 | 13:45 Uhr

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