Weiterer Pflegebonus – sinnvolle Wertschätzung oder ungerechter Murks?

Bundesgesundheitsminister Spahn hat eine weitere Corona-Prämie für Pflegekräfte in Aussicht gestellt. Kritiker bezeichnen die bisherige Regelung als Murks und fordern stattdessen generell eine höhere Vergütung von Personal in Krankenhäusern und Pflegeheimen.

Pflegekräfte und Patienten auf einer Intensivstation
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Nach der ersten Corona-Welle hatte die Bundesregierung entschieden, dass Pflegekräfte in Altenheimen bis zu 1500 Euro und Beschäftigte in besonders betroffenen Krankenhäusern bis zu 1000 Euro Pflegebonus steuerfrei erhalten sollen. Doch hat die Prämie bei vielen für mehr Frust als Freude gesorgt, denn vor allem in den Krankenhäusern gehen die meisten leer aus.

Spahn will jetzt nachbessern

Nun hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eine weitere Regelung für einen steuerfreien Bonus im kommenden Jahr in Aussicht gestellt. Nach der zweiten, heftigeren Infektionswelle und der "Maximalbelastung" für sehr viele Pflegekräfte müsse es einen gewissen Ausgleich geben, sagte er. Eine mögliche neue Regelung müsse alle berücksichtigen, die unter den Bedingungen der Pandemie auf Intensivstationen arbeiteten, so Spahn. Dazu gehörten etwa auch Reinigungskräfte auf den Intensivstationen.

Kritik an bisheriger Prämien-Reglung

Pflege im Krankenhaus
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Die Gewerkschaft Verdi hat den Bundesgesundheitsminister für seine Ankündigung kritisiert. Vorstandsmitglied Bühler sagte der "Rheinischen Post", erstmal müsse der Murks der bisherigen Prämien-Regelung unverzüglich nachgebessert werden. Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, sagte im Deutschlandfunk, es brauche nicht nur einen einmaligen Bonus, sondern eine generell höhere Vergütung von Pflegekräften. Der Präsident des Deutschen Pflegerats Franz Wagner sagte gegenüber dem ARD-Hauptstadtstudio:

Die Prämien haben mehr Ärger und Frustration verursacht, als sie tatsächliche Anerkennung pflegerischer Arbeit darstellen.

Die Verteilung erfolge sehr unterschiedlich. Sie werde zum großen Teil ergänzt durch Zuwendungen aus den Ländern. Das Vorgehen sei nicht einheitlich, insofern gebe keinen Überblick, so Wagner.

Viele Pflegekräfte noch ohne Bonus

Der Bonus für Krankenhauspersonal ist lediglich an 433 von rund 1600 Häuser gezahlt worden. Berücksichtigt wurden nur Kliniken, die bis zum Stichtag im September durch die Corona-Pandemie besonders belastet waren. In Sachsen-Anhalt waren das gerade mal zwei Krankenhäuser, in Thüringen neun und in Sachsen 14. Und selbst an diesen Kliniken haben nur wenige Mitarbeiter die vollen 1000 Euro erhalten. Da die Kliniken frei sind in der Ausschüttung der Gelder wurden offenbar eher kleinere Beträge an so viele Beschäftigte wie möglich ausgezahlt. Jedoch gibt es auch Krankenhäuser, die das Geld vom Bund mit eigenen Mitteln aufgestockt haben, um ihren Mitarbeitern eine Anerkennung zukommen zu lassen.

 

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 25. Dezember 2020 | 13:00 Uhr

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