Öffnen mitteldeutsche Weihnachtsmärkte trotz Corona?

Weihnachten ist eines der wichtigsten Feste in Deutschland. Groß und Klein freuen sich lange auf den Weihnachtsmarkt-Besuch. Doch dieses Jahr ist wegen Corona alles anders. Werden Weihnachtsmärkte überhaupt stattfinden?

Der Chemnitzer Weihnachtsmarkt am Alten Rathaus
Der Chemnitzer Weihnachtsmarkt am Alten Rathaus. Bildrechte: dpa

Die Planungen der Händler für Weihnachtsmärkte beginnen schon viele Monate vor den eigentlichen Märkten. Auch wenn man bei 30 Grad im Schatten eigentlich an andere Dinge denkt als Weihnachtsmärkte, stehen die Händler vor der großen Frage: Wird es in diesem Jahr Weihnachtsmärkte überhaupt geben?

Eine Umfrage des MDR hat ergeben: Etwa 52 Prozent der Sachsen-Anhalter, etwa 54 Prozent der Thüringer und etwa 57 Prozent der Sachsen können sich vorstellen trotz der Corona-Pandemie gegen Ende des Jahres einen Weihnachtsmarkt zu besuchen. Für die Umfrage haben bis Anfang August rund 5.000 Menschen ihre Stimme abgegeben.

Die Weihnachtmarkt-Vorbereitungen laufen

Der Hauptgeschäftsführer vom Deutschen Städtetag Helmut Dedy versteht, dass Weihnachtsmärkte ein großes Thema sind - und deren Umsetzbarkeit unter Corona-Bedingungen schon jetzt erörtert wird. Der Funke-Mediengruppe sagte er:

Weihnachtsmärkte haben in Deutschland Tradition, sind bei den Menschen beliebt und stiften Identität in Städten und Regionen.

Der hell beleuchtete Weihnachtsmarkt in Naumburg
Weihnachtsmarkt in Naumburg Bildrechte: imago images / Steffen Schellhorn

Außerdem hofften auch der lokale Einzelhandel und die Schausteller auf das Weihnachtsgeschäft, erklärt er. Aber er weist auch darauf hin, dass ein gewisses Risiko bestehe, wenn viele Menschen den Weihnachtsmarkt besuchen. So könne das Infektionsrisiko steigen und mögliche Einschränkungen wiederkommen. Deshalb brauche es Konzepte.

Ob und wie Weihnachtsmärkte tatsächlich stattfinden können, wissen wir im Moment alle nicht. [...] Den Städten ist klar, dass die bisher erzielten Erfolge bei der Pandemie-Bekämpfung nicht verspielt werden dürfen.

Helmut Dedy vom Deutschen Städtetag

Weihnachtsmarkt unter Corona-Bedingungen

Weihnachtsmarkt Annaberg-Buchholz
Weihnachtsmarkt in Annaberg-Buchholz Bildrechte: BUR

Sollten Weihnachtsmärkte stattfinden, werden sie in diesem Jahr wohl anders aussehen, als wir sie kennen. Dichtes Gedränge, wie es auf großen Weihnachtsmärkten oft herrscht, könnte zum Problem werden. Deshalb prüfen einige Weihnachtsmarkt-Veranstalter in Deutschland, ob sie ihre Flächen vergrößern können oder eventuell Buden weglassen müssen. So soll es mehr Raum geben, um einen möglichen Mindestabstand einhalten zu können.

Auch Essensstände, die nur Essen zum mitnehmen anbieten, sind im Gespräch. Außerdem seien Einlasskontrollen und eine Maskenpflicht denkbar. Doch die genauen Maßnahmen sind vom aktuellen Infektionsgeschehen abhängig und werden wahrscheinlich relativ kurzfristig angepasst werden. Außerdem hängt die Durchführbarkeit auch von den aktuellen Corona-Eindämmungsverordnungen von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ab. Die neuen Verordnungen kommen etwa Mitte September und werden vielleicht etwas mehr Klarheit zur Durchführbarkeit von Weihnachtsmärkten beinhalten.

Keine generelle Entscheidung möglich

Die Entscheidungen, ob Weihnachtsmärkte stattfinden, können nicht generell getroffen werden. Voraussetzung dafür ist unter anderem das Infektionsgeschehen der jeweiligen Region. Barbara Klepsch, die sächsische Ministerin für Wissenschaft, Kultur und Tourismus, erklärt:

Wir wollen, dass die Märkte in Sachsen durchgeführt werden.

Denn die Märkte seine nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, sondern auch ein wichtiges Kulturgut. Aber auch für den Schutz der Gesundheit sind verantwortungsbewusste Entscheidungen wichtig, erklärt sie.

Wir wollen nicht, dass die Märkte zu Hotspots werden.

Striezelmarkt in Dresden öffnet später

Abendstimmung über dem Altmarkt, wo am 27.11.2019 der Striezelmarkt offiziell eröffnet wurde. Jetzt können die Besuchermassen bis zum 24.12.2019 strömen
Der Striezelmarkt im vergangenen Jahr. Bildrechte: Christian Essler

Der Striezelmarkt ist der älteste deutsche Weihnachtsmarkt und beliebt bei Touristen. Wahrscheinlich wird er öffnen. Aber später als sonst, hat Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert mitgeteilt: Aufgrund von Corona sei eine Öffnung vor Totensonntag in diesem Jahr keine Option, sagte er. Der Totensonntag am 22. November sei die rote Linie, aber nur ein paar Tage eher oder eine Verlängerung über die Feiertage halte er auch für vertretbar. Wichtig ist das nicht nur für die Touristen und Weihnachtsmarkt-Besucher, sondern auch für die Händler:

Die Weihnachtszeit ist für den Tourismus in unserer Region die wichtigste Jahreszeit. Zehntausende Arbeitsplätze in Hotels, dem Handel, der Gastronomie und zahlreichen Handwerksbetrieben sind wirtschaftlich auf die Durchführung der Weihnachtsmärkte angewiesen.

Dirk Hilbert, Oberbürgermeister von Dresden

Ende August soll in Dresden ein „Weihnachtsmarkt-Forum" stattfinden, um Ideen und Erfahrungen zu Weihnachtsmarkt-Konzepten auszutauschen.

Magdeburger Weihnachtsmarkt will Händler unterstützen

Eine große Weihnachtspyramide schmückt 2018 den Eingang zum Magdeburger Weihnachtsmarkt.
Magdeburger Weihnachtsmarkt Bildrechte: dpa

In Magdeburg wird schon an möglichen Corona-Konzepten für den Weihnachtsmarkt ums das Rathaus gearbeitet. In diesem Jahr soll der Markt ausnahmsweise sogar eher öffnen. Zwar hat der Magdeburger Stadtrat 2006 entschieden, den Weihnachtsmarkt generell nach Totensonntag zu öffnen, doch dieses Jahr soll eine Ausnahme gemacht werden. Die Stadt Magdeburg schreibt auf ihrer Webseite:

In diesem Jahr ist durch die anhaltende Corona-Krise eine deutlich veränderte wirtschaftliche Situation entstanden, von der besonders auch die Schaustellenden und Markthändler*innen betroffen sind. Durch erhebliche Umsatzeinbußen sind wirtschaftliche Existenzen bedroht. [...] Auch für den Weihnachtsmarkt 2020 sind keinesfalls die Umsätze zu erwarten, welche bei diesem Markt durchschnittlich erzielt werden.

Um die Händler zu unterstützen, soll in diesem Jahr der Weihnachtsmarkt drei Tage eher, also am 19. November öffnen. Am Totensonntag, dem 22. November soll er aber geschlossen bleiben. Entschieden wird über die frühere Öffnung im Stadtrat Magdeburg am 3. September.

Wie genau der Weihnachtsmarkt aber stattfinden kann, müsse kurzfristig und mit Blick auf das Infektionsgeschehen entschieden werden, hat die Stadt Magdeburg mitgeteilt. Dann könnte es außerdem Hygiene- und Infektionsauflagen und verkürzte Öffnungszeiten geben.

Erfurt hält am Weihnachtsmarkt fest

Bis zu zwei Millionen Besucher lockt der Weihnachtsmarkt in der Thüringer Landeshauptstadt jährlich an. Er ist der größte Weihnachtsmarkt in Thüringen. Die Stadt Erfurt will ihn auch dieses Jahr stattfinden lassen. Möglicherweise werde es auf dem Markt weniger Angebote geben und ein Hygiene- und Sicherheitskonzept. Erfurter Kulturdezernent Thomas Knoblich erklärt dem MDR:

Wir wissen vieles noch nicht, wir wissen nur, dass wir daran festhalten und gewillt sind, das Ereignis stattfinden zu lassen. Sowohl für die Teilnehmer, als auch für den öffentlichen Handel und für die Hotelerie.

Auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow spricht sich für die Durchführung von Weihnachtsmärkten aus, verrät er im MDR JUMP-Interview:

Ich gehe davon aus, dass wir den Weihnachtsmarkt in Thüringen genehmigen wollen. [...] Ich will es jedenfalls.

Jedoch plädiert er für eine Reduzierung der Buden und Glühweinstände. Dafür sollen mehr Fahrgeschäfte angeboten werden.

Wenn wir das Alkoholische deutlicher reduzieren könnten und die Abstandsregeln versuchen weitestgehend durchzuhalten, dann ist es möglich, auch die Weihnachtsmärkte vorzubereiten.

Er selbst habe den Oberbürgermeistern einen persönlichen Brief geschrieben, in dem er darum gebeten habe, lokale Schausteller-Firmen einzubeziehen. Außerdem warb er darum, dass sich Veranstalter von Weihnachtsmärkten schon jetzt wegen der Planung mit den Gesundheitsämtern in Verbindung zu setzen.

Mit Material der Nachrichtenagenturen epd und dpa.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Die Themen des Tages | 13. August 2020 | 19:20 Uhr

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