Jede Impfung muss in einen Arm: So wird mit Impf-Resten verfahren

Einfach mal am Impfzentrum vorbeischauen und einen Impfrest abfassen? Was mit übriggebliebenen Impfdosen am Ende des Tages passiert, ist nicht einheitlich geregelt. Weggeschmissen wird jedenfalls fast nichts.

Impfung
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"Jede Impfung muss in einen Arm", hatte unlängst Alena Buyx, Vorsitzende des Ethikrats gesagt. Der Rat hat gemeinsam mit der Ständigen Impfkommission die Impfreihenfolge aufgestellt und pocht auf deren Einhaltung. Missbrauch, wie unter anderem in Halle, dürfe es nicht geben. Allerdings mahnte Buyx einen "pragmatischen Umgang" mit überzähligen Impfdosen an. Wie genau dieser pragmatische Umgang aussieht – dafür gibt es in Mitteldeutschland keine einheitlichen Regeln.

Thüringer Impfzentren haben Wartelisten

In Thüringen gibt es in den meisten Impfzentren Wartelisten mit impfberechtigten Menschen, die spontan zur Impfung vorbeikommen können. Bleibt eine Impfdosis übrig, werden diese Personen angerufen, erklärte die Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen, Babette Landmann, auf MDR JUMP-Anfrage. In den Hausarztpraxen handhaben es die Ärzte ähnlich und rufen Patienten an, um zu fragen, ob sie spontan zur Impfung kommen wollen. So gebe es in Thüringen keine Impfreste, so die Sprecherin:

Bei uns wird immer alles verimpft.

Organisation in Sachsen-Anhalt dezentral

In Sachsen-Anhalt haben die Städte und Landkreise die Hoheit über ihre Impfzentren. In der Vergangenheit hatte es missbräuchlichen Umgang mit Impfresten gegeben. Beispiel ist die Impfaffäre von Halle um Oberbürgermeister Wiegand, der verfrüht mit einem Impfrest geimpft wurde, obwohl er noch nicht impfberechtigt war. In Magdeburg werden übrig gebliebene Impfdosen über Wartelisten verteilt. In den Listen sind Menschen aus den Prioritätsgruppen 1 und 2 aufgeführt, teilte Stadtsprecher Michael Reif auf MDR JUMP-Anfrage mit. Auch wird angegeben, wie schnell jemand das Impfzentrum erreicht, damit der Impfstoff rasch vollständig aufgebraucht werden kann.

Sächsische Impfzentren verteilen Reste in Eigenregie

In Sachsen wird übrig gebliebener Impfstoff in Pflegeeinrichtungen, bei ambulanten Pflegediensten oder in Krankenhäusern und Arztpraxen angeboten. Auch werden kurzfristig Rettungsdienste oder Personen aus den aktuellen Prioritätsgruppen berücksichtigt. Dafür hätten die Impfzentren eigene Wartelisten, sagte Kai Kranich, Sprecher des fürs Impfen zuständigen Deutsche Roten Kreuzes auf MDR JUMP-Anfrage.

Wir haben ein sehr gut etabliertes System hier bei uns.

Zwar gebe es vereinzelt Menschen, die auf gut Glück zu den Impfzentren kämen, in der Hoffnung auf einen Impfrest. Diese würden aber, wenn sie nicht impfberechtigt sind, in der Regel abgewiesen, so Kranich.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Themen des Tages | 15. April 2021 | 19:10 Uhr

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