Corona-Lockdown über Ostern: Was bringt das?

Das öffentliche Leben soll über Ostern weitgehend heruntergefahren werden. Kann das die Pandemie eindämmen? Und welche Konsequenzen hat das für die Wirtschaft?

"Geschlossen" steht auf einem Schild an einer Tür eines Geschäftes
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Der Lockdown zur Bekämpfung der Corona-Pandemie wird erneut verlängert. Darauf haben sich Bund und Länder geeinigt. Über Ostern werden die Maßnahmen zusätzlich noch einmal verschärft. Eine "Ruhepause" soll die Verbreitung des Virus weiter eindämmen.

Besondere Einschränkungen über Ostern

Gründonnerstag und Karsamstag werden als Ruhetage definiert. Geschäfte bleiben geschlossen, nur am Karsamstag sollen Supermärkte öffnen dürfen. Treffen darf sich der eigene mit einem weiteren Hausstand, jedoch maximal mit fünf Personen. Auf Reisen soll verzichtet werden. Alle weiteren Beschlüsse gibt es in der Zusammenfassung.

Was bringt der Oster-Lockdown?

Das kann einen sehr positiven Effekt haben, da eine Reihe von Tagen wie Sonntage wirken, sagt der Modellierer Dirk Brockmann dem Deutschlandfunk. Er leitet beim Robert-Koch-Institut eine Projektgruppe, die sich mit der epidemiologischen Modellierung von Infektionskrankheiten beschäftigt. Er vergleicht es mit dem Lockdown im Frühjahr 2020, in dem sich viele Leute wie an Sonntagen verhalten haben: Kaum Aktivitäten haben einige Tage später einen starken Effekt auf die Fallzahlen gehabt.

Der positive Effekt wird, nehme ich an, sichtbar sein. Ob er ausreicht, oder wie stark er dann den Schwung der dritten Welle einknickt, das wird sich dann zeigen.

Dirk Brockmann, Modellierer gegenüber dem Deutschlandfunk

Alexander Kekulé, Virologe an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, hätte zwar von der Politik härtere Maßnahmen erwartet, doch der besondere Oster-Lockdown könne seiner Meinung nach wenig bringen. Das sagte er dem MDR.

Ich kann nicht wirklich erkennen, dass das einen systematischen Effekt macht.

Alexander Kekulé, Virologe an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Auch politische Hinweise, auf Kontakte zu verzichten und Reisen nicht durchzuführen, könnten seiner Meinung nach nicht dazu führen, dass geplante Besuche abgesagt werden. "Ich glaube, das ändert überhaupt nichts, ganz ehrlich gesagt", sagte Kekulé

Abgesperrter Freisitz
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Kritik an den Beschlüssen

Vielen Branchen sehen die vereinbarten Regeln kritisch. Viele Firmen aus der Reisebranche hatten gehofft, dass ein Osterurlaub wenigstens im eigenen Bundesland erlaubt wird. Mario Hirt vom Verband der Tourismusunternehmen in Thüringen sagte im Gespräch mit MDR JUMP: "Viele Gastgeber werden wohl ihre Türen nicht wieder öffnen können. Die sind finanziell am Ende." Er beschreibt weiter, dass in der Branche schon lange das Ende der Beschränkungen herbeigesehnt wird:

Die Landschaft blüht jetzt gerade auf. Der Mensch will in dieses Frühjahr mit den Sonnenstrahlen hineinwachsen. Da wird der Deckel drauf gehauen.

Mario Hirt, Verband der Tourismusunternehmen in Thüringen

Der Handelsverband kritisiert, dass sich die Regelungen nur an den Inzidenzen orientieren. Außerdem werde es vor Ostern höhere Anstürme auf Lebensmittelmärkte geben. Das sagt Knut Bernsen, Landesgeschäftsführer des Handelsverbands Thüringen im Gespräch mit MDR JUMP.

Die Hoffnung ist, dass es irgendwann mal Öffnungsperspektiven gibt.

Knut Bernsen, Landesgeschäftsführer Handelsverband Thüringen

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend - Die Themen des Tages | 23. März 2021 | 19:20 Uhr

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