Corona-Warn-App: Diese Fragen haben viele Nutzer

Seit Dienstag gibt es die offizielle Corona-Warn-App für iPhones und Smartphones. Die bekommt sehr gute Bewertungen von den Nutzern. Viele haben aber Fragen zu älteren Smartphones, zum Akku oder zur Sicherheit.

Corona-Warn-App im Google-Play-Store
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Jetzt ist die Corona-Warn-App "Made in Germany" da. Seit Dienstagnacht wurde das nur wenige Megabyte große Programm über den Google Play Store und den App-Store für iPhones mehr als sieben Millionen Mal heruntergeladen. Das sagte Digitalstaatsministerin Dorothee Bär (CSU) am Mittwoch. Die Warn-App zeigt zeitverzögert an, wenn man über einen längeren Zeitraum in der Nähe einer Person war, die eine Infektion mit dem Coronavirus meldet. Auf dem MDR JUMP-Facebook-Profil haben Nutzer viele Fragen zur App gestellt. Auch in den Bewertungen in den App-Stores schreiben Nutzer immer wieder, dass für sie noch Fragen offen sind. Wir geben Antworten.

Warum läuft die App auf älteren Smartphones nicht?

Die App läuft erst auf iPhones ab iOS 13.5 (ab iPhone 6s) und Smartphones ab Android 6. Das sind in der Regel Smartphones, die nicht älter als vier Jahre sind. Grund ist die Bluetooth-Schnittstelle, mit deren Hilfe dann andere Handys in der Nähe angefunkt werden können. Dafür wird nicht das "normale" Bluetooth zum Koppeln von Lautsprechern oder Kopfhörern genutzt, sondern eine stromsparende Variante. Die dafür nötige Technik haben Apple und Google erst vor wenigen Wochen freigegeben und auch nur für neuere Betriebssysteme, eben iOS 13.5 und Android 6. Dazu sagte Telekom-Sprecher Rainer Knirsch MDR JUMP:

Rainer Knirsch
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Auf viele ältere Geräte sind die neuen Betriebssysteme nicht ausgelegt. Weitere Fragen zu den Betriebssystemen können nur die Hersteller selbst beantworten.

Wird die App noch so verändert, dass sie auf älteren Smartphones läuft?

Das offizielle Logo der Bundesregierung für die Corona-Warn-App auf einem Smartphone
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Das fordert Grünen-Chef Robert Habeck. Wenn die App nur auf neueren Geräten laufe, blieben ausgerechnet ältere Menschen und Smartphone-Nutzer "mit wenig Geld außen vor". Stand jetzt deutet aber viel darauf hin, dass die App weiter nicht auf älteren Handys läuft. Sie werden eben von Google und Apple dafür nicht fit gemacht. Die Telekom bietet daher in ihren Shops günstige Smartphones an, auf denen die Corona-Warn-App problemlos läuft. Das sind unter anderem Refurbished-Geräte für um die 100 Euro, so ein Sprecher. Weil die App klein und wenig leistungshungrig ist, reicht auch ein Smartphone mit einem nicht ganz so leistungsstarken Prozessor. Mit "Gut" getestete, aktuelle Geräte gibt es laut der Testübersicht vom Technikmagazin CHIP für 150 Euro.

Hat Google die App schon heimlich vorinstalliert?

Eine MDR JUMP-Hörerin hat sich gemeldet: Sie vermutet, dass auf ihrem Huawei-Smartphone die Corona-Warn-App von Google einfach installiert wurde. Das könne man unter "Einstellungen > Google > Benachrichtigung zu möglichem Kontakt zu COVID-19-Infizierten" auch sehen. Tatsächlich gab es diesen Hinweis auch auf dem Handy, mit dem MDR JUMP die App getestet hat, in den Tagen vor der Installation. Allerdings gibt der Hinweis in den Einstellungen nur an, dass Google die für die App nötige Bluetooth-Schnittstelle installiert hat. Das ist mit dem letzten Update für Android vor einigen Wochen passiert und wurde auch mehrfach angekündigt. Ohne installierte App passiert nichts weiter, wie die Faktenchecker von Mimikama hier auch noch einmal ausführlich erläutern.

Muss die App im Hintergrund laufen um aktiv zu sein, oder kann man sie auch schließen?

Apple und Google haben die nötige Bluetooth-Schnittstelle so ausgelegt, dass die App im Hintergrund läuft. Dafür muss die App gar nicht offen sein und kann auch mit dem üblichen "Wisch nach oben" (Android) oder dem "Wisch über die Vorschau" (iPhones) geschlossen werden. Wichtig ist nur, dass Bluetooth am Handy eingeschaltet ist. Wir haben das im MDR JUMP-Test auch ausprobiert – die App wurde am Abend geschlossen und zeigte am nächsten Morgen trotzdem eine aktualisierte Risiko-Einschätzung an.

Wie zuverlässig ist die App überhaupt?

Laut Entwickler SAP gab es in den Vorab-Tests eine Genauigkeit von 80 Prozent: Vereinfacht gesagt war jede fünfte Testperson laut den Regeln nahe genug am Nutzer der Warn-App und wurde trotzdem nicht erkannt. Zu den Regeln gehört offenbar: Der empfohlene Mindestabstand von anderthalb Metern wurde über 15 Minuten hinweg nicht eingehalten, so das Robert Koch-Institut bei der Vorstellung der App am Dienstag. Bei der Genauigkeit wollen RKI und die Entwickler noch nachbessern.

Macht die App den Akku schneller leer?

Ein Ladekabel liegt auf einem Handy, auf dessen Display gerade der Akkustand angezeigt wird.
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Die Entwickler SAP und Telekom wiesen im Gespräch mit MDR JUMP darauf hin, dass die Warn-App eine sehr stromsparende Bluetooth-Technologie nutzt. Die unterscheide sich zudem deutlich von dem im Alltag genutzten Funk, um etwa Kopfhörer oder Lautsprecher zu koppeln. Die können daher via Bluetooth ohne Probleme weiter verwendet werden. Im MDR JUMP-Test mit einem günstigen Android-Smartphone war der Akku in den letzten beiden Tagen trotz Warn-App nicht schneller leer als sonst. Auch das Koppeln von Headsets, von Lautsprecher oder Kopfhörer klappte stets ohne Probleme.

Bremst die App den Internetzugang vom Handy aus?

W-Lan-Router und Kabel
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Nein, das Handy ist unterwegs im mobilen Internet oder zu Hause im WLAN genauso schnell wie gewohnt. Im MDR JUMP-Test verbrauchte die Corona-Warn-App in zwei Tagen nur 40 Kilobyte an Daten. Das ist extrem wenig.  

Wird wegen der App die Handyrechnung teurer?

Nein. Die App verschickt nur sehr wenige Daten und die werden noch dazu "ohne Kosten" transportiert. Darauf weist die Telekom hin. Alle Mobilfunkunternehmen hätten sich darauf geeinigt. Danach werden die Daten für die Corona-Warn-App nicht aufs monatliche Datenvolumen angerechnet oder nicht extra angerechnet in Tarifen ohne Datenvolumen.

Warum braucht die App eine Kamera-Erlaubnis?

Abstrahierter QR-Code.
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Bei manchen Android-Smartphones fragt die App offenbar vorab nach, ob sie Fotos aufnehmen darf. Das ist nötig, weil im Ernstfall die Kamera des Handys für das Abfotografieren des QR-Codes nötig ist. Den bekommt man, wenn man positiv auf Corona getestet wurde. Nur mit dem QR-Code oder alternativ mit einer TAN kann man in der App andere warnen. Das soll Missbrauch verhindern. Alternativ kann die Meldung über eine Hotline freigeschalten werden, wenn das Labor noch nicht mit der QR-Technik arbeiten kann. An der Hotline sollen geschulte Mitarbeiter mit gezielten Fragen herausfinden, ob jemand wirklich ein Ansteckungsrisiko mitteilen will oder nur einen Scherz treibt.

Warum will die App den Standort wissen?

Uns haben MDR JUMP-Hörer darauf hingewiesen, dass die App auf Android-Smartphones eine Berechtigung für den Standortzugriff haben will. Das irritiert, weil das Programm laut den Entwicklern eben nicht erfassen soll, wo sich jemand aufhält. Die Erklärung liefert Google: "Bei Android-Geräten muss die Standortermittlung aktiviert sein, damit Bluetooth-Geräte in deiner Nähe gefunden werden können." Der Schalter gilt also vereinfacht gesagt für Bluetooth UND Standortabfrage. Sorgen müssen sich aber Nutzer nicht machen, so Google: "Für COVID-19-Benachrichtigungen wird der Gerätestandort jedoch nicht ermittelt und eine Standortbestimmung ist zusätzlich explizit durch die Nutzungsbedingungen mit dem App-Anbieter ausgeschlossen."

Können über die Bluetooth-Schnittstelle der App Daten ausgespäht werden?

So etwas ist denkbar aber eher unwahrscheinlich, so die Technik-Experten von heise. Sie begründen das mit den anonymen Nutzer-IDs, die von der App verteilt werden und dem hohen Technikaufwand, den Cyberkriminelle dafür betreiben müssten. Die komplette Erklärung gibt es hier.

Schützt die App vor einer Corona-Infektion?

Nein, das Programm kann nicht davor warnen, wenn ein anderer App-Nutzer mit einem Infektionsrisiko zu nahe kommt. Sie warnt eben erst nachträglich, wenn jemand für längere Zeit näher als anderthalb Meter war, der nachher über die App einen positiven Test meldet. Ob das mit einer Push-Meldung passiert oder ob man regelmäßig die App checken muss, ist noch offen. Das hat der MDR JUMP-Test bisher noch nicht gezeigt.

Kann man die Corona-Warn-App auch im Auslands-Urlaub nutzen?

zwei Mädchen sitzen auf einem pinken Koffer und betrachten eine Landkarte
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Stand jetzt klappt das nur, wenn man in der Nähe von deutschen Urlaubern mit einer deutschen App auf dem Handy ist. Bei der Technik und bei der Software gehen die Länder bisher noch eigene Wege. Da soll sich ändern, bis dahin dauert es aber noch einige Wochen. Stand jetzt ist das System der App dem deutschen am nächsten.  

Was machen Nutzer nach einer Warnmeldung in der Corona-Warn-App?

Wer von der App auf dem eigenen Smartphone einen möglichen Kontakt mit einem Betroffenen angezeigt bekommt, kann das bei seinem Hausarzt, an der Ärztehotline 116 117 oder beim Gesundheitsamt melden. Aktuell können sich alle testen lassen, die Kontakt mit Infizierten hatten. Dafür müssen auch keine Covid-19-Symptome auftreten. Das haben zumindest RKI und Bundesregierung bei der Vorstellung der App so gesagt. Nach ARD-Informationen klappt das aber offenbar nicht immer. Die Kassen haben da offenbar unterschiedliche Vorgaben. In Quarantäne muss man nicht gleich, sollte sich aber vielleicht aus Sicherheitsgründen von anderen isolieren. Den Test bezahlen die Krankenkassen.

Können Handynutzer gezwungen werden, die App auf ihr Smartphone zu laden?

Frau mit Mundschutz und Smartphone
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Die Entwickler SAP und Telekom und die Bundesregierung als Auftraggeber betonten in den letzten Wochen immer wieder, die App sei komplett freiwillig. Sie könne auch jederzeit wieder deaktiviert oder deinstalliert werden. Auch Arbeitgeber dürfen die App nicht zur Bedingung dafür machen, dass ihre Mitarbeiter an ihren Arbeitsplatz dürfen. Es gibt allerdings kein Gesetz, das solche Zugangsbeschränkungen verbietet. Für eine solche Regelung hatten sich die Grünen, die Linken, der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und der Sachverständigenrat für Verbraucherfragen (SVRV) ausgesprochen. Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) lehnt so ein Gesetz ab. Das werde es nicht geben, sagte die Ministerin am Tag vor der Freischaltung der App in einem Interview.

Der Beitrag wurde mit Material von dpa und AFP erstellt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 18. Juni 2020 | 19:20 Uhr

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