Im Vogtland können sich ab heute alle ab 18 für Impftermin anmelden

Ein Impfangebot für alle ab 18, die Impfreihenfolge wird aufgehoben: Sachsen will die Ausbreitung des Corona-Virus im Vogtland stoppen. Das könnte ein Modell für weitere Kreise an der Grenze zu Tschechien sein.

Eine Spritze wird mit dem Impfstoff AstraZeneca aufgezogen
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Seit Freitag (12. März) können sich alle Erwachsenen im Vogtlandkreis einen Termin für den Impfschutz gegen das Corona-Virus holen. Das gab das Gesundheitsministerium Sachsen am Nachmittag bekannt. Dafür können sich Menschen ab 18 unter sachsen.impfterminvergabe.de oder telefonisch unter der 0800 089 90 89 registrieren. Bei der Berechtigungsprüfung müsse der Punkt "Personen, die ihren Hauptwohnsitz in einem sächsischen Hochinzidenzgebiet haben" ausgewählt werden, so das zuständige Ministerium. Für die Impfkampagne im Vogtland werde kein Impfstoff aus anderen Teilen Sachsens abgezogen. Der stamme aus Reserven beziehungsweise den steigenden Liefermengen der Hersteller.

Impfen in zwei Impfzentren im Vogtland

Im Vogtlandkreis liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Ansteckungen derzeit bei knapp 250. Das ist der höchste Inzidenzwert in Sachsen. Letzte Woche mussten daher Grundschulen und Kindergärten im Vogtland wieder schließen. Mit 40.000 Tests in den letzten zwei Wochen hatte das Vogtland bereits versucht, mit dem Corona-Virus infizierte Menschen ohne Symptome aufzuspüren. Jeder Einwohner konnte sich zweimal pro Woche kostenlos testen lassen. So sollten Infektionsketten durchbrochen werden. Bei den Tests wurden 315 Menschen ohne Symptome entdeckt, die sich mit dem Virus angesteckt hatten.

Für die Impfung ab heute weicht der Landkreis in Absprache mit dem Freistaat von der Impfreihenfolge ab. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte den Plan der sächsischen Landesregierung zuvor gebilligt. Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) gab dazu am Freitag in einer Pressemitteilung bekannt:

Petra Köpping (SPD), Sozialministerin von Sachsen
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Wir werden jetzt die Impfkapazitäten im Landkreis hochfahren. Ich muss dennoch um Geduld bitten, dass jetzt nicht jeder sofort zum Zug kommt. Auch im Vogtland werden wir nur schrittweise vorankommen. Die Impfstoffmengen sind leider begrenzt.

Am Mittwoch wurde dafür im Vogtland ein zweites Impfzentrum eröffnet. Die Einwohner des Landkreises können sich nicht mehr nur in Treuen, sondern auch in Plauen immunisieren lassen. Der Landkreis organisiere zudem "rollende Impfzentren", so das Gesundheitsministerium.

Vorbild für andere Grenzregionen

Die hohen Infektionszahlen in Tschechien bereiten Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) offenbar Sorgen. Man müsse jetzt eine "Brandmauer" errichten, forderte Kretschmer am Donnerstag im "Morgenmagazin" im ZDF. In Tschechien liegt der Inzidenzwert derzeit bei fast 800 und damit so hoch wie nirgends in der EU. Ähnliche Pläne für Grenzregionen gibt es in Bayern und im Saarland. Sachsens Ministerpräsident forderte im MoMa-Interview schnellstmögliche Corona-Impfungen für die gesamte Bevölkerung an der Grenze zu Tschechien.

Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen, spricht auf einer Pressekonferenz in der Staatskanzlei.
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Wir werden dort nicht erfolgreich sein mit den bisherigen Regeln.

Den Weg ebnen für die verstärkten Impfungen in den Grenzregionen will das Bundesgesundheitsministerium mit einer Änderung der Impfverordnung. Damit sich die Corona-Infektionen nicht noch weiter über die Grenzen ausbreiten, dürfen schon jetzt die meisten Pendler aus Tschechien nicht mehr nach Sachsen einreisen. Ausnahmen gibt es für bestimmte Berufsgruppen, wie Mediziner und Pfleger oder auch LKW-Fahrer. Sie müssen bei der Einreise einen negativen, aktuellen Corona-Test vorweisen.

Kritik von Stiko und Familienministerin am Vorgehen von Sachsen

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte im Vorfeld vor der Aufhebung der Priorisierung beim Impfen gewarnt. Stiko-Mitglied Eva Hummers kritisierte am Donnerstag im RBB-Inforadio, dass etwa im Vogtlandkreis die Impfreihenfolge nicht mehr gelten solle. Noch sei nicht genügend Impfstoff verfügbar, um alle zu impfen. Ähnlich äußerte sich am Donnerstag auch Bundesfamilien- und Seniorenministerin Franziska Giffey (SPD). Die Priorisierung beim Impfen habe sich bewährt, die Älteren müssten beim Impfen weiter besonders im Blick bleiben.

Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa, epd, Reuters und AFP.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 12. März 2021 | 16:00 Uhr

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