Verbot von Großveranstaltungen: Künstler kritisieren Regelung, Ramelow offen für Lockerungen

Nach der Entscheidung, Volksfeste und Großveranstaltungen auch im September und Oktober grundsätzlich zu untersagen, hat sich auch Ministerpräsident Ramelow für Ausnahmen offen gezeigt.

Ob Berliner Flughafen, die eigene Oma oder die unerschöpflichen Mann-Frau-Geschichten: Zwei Stunden lacht das Publikum in der Erfurter Messe bei Mario Barths aktuellem Programm "Männer sind faul, sagen die Frauen".
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Im MDR JUMP-Interview erläutert der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow die Entscheidung der Ministerpräsidenten und von Kanzlerin Merkel. Gleichzeitig zeigt er sich offen, in seinem Bundesland Lockerungen vom Verbot von Großveranstaltungen zu ermöglichen:

Bodo Ramelow
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In meinem Bundesland in Thüringen sind wir dabei, bestimmte Formate so zu entwickeln, damit Veranstaltungen auch möglich sind, bei denen uns aber der Amtsarzt sagt, ein mögliches Ansteckungsrisiko wird soweit wie möglich minimiert.

Ramelow forderte die Veranstalter in Thüringen auf, sich von dem „abstrakten Verbot“ nicht abschrecken zu lassen, sondern an Alternativen und neuen Ideen zu arbeiten.

Genehmigungen für Open Air-Veranstaltungen seien einfacher zu erhalten, als für jene in geschlossenen Räumen. Zuvor hatte die sächsische Landesregierung bekanntgegeben, unter Auflagen schon ab Mitte Juli Volksfeste, Jahrmärkte und Weinfeste langsam wieder zu erlauben.

Konzertveranstaltungen: Schrittweise zur Normalität

Gleichzeitig hat Ramelow darauf hingewiesen, dass Konzerte in gewohnter Art und Weise auch weiterhin nicht möglich seien:

Solange wir keine praktische Antwort auf das Virus haben, werden wir weiter vorsichtig sein. Und wenn wir genügend Informationen über das Virus haben, (…) werden wir Schritt für Schritt in eine Normalität zurückkehren, bei der die Achtsamkeit aber uns immer noch weiter erhalten bleibt.

Weihnachtsmärkte sollen stattfinden

Mit Blick auf den Winter hat sich Ramelow für die Durchführung von Weihnachtsmärkten ausgesprochen:

Ich gehe davon aus, dass wir den Weihnachtsmarkt in Thüringen genehmigen wollen. (…) Ich will es jedenfalls.

Allerdings sprach er sich dafür aus, die Anzahl der Buden und Glühweinstände zu reduzieren – und dafür mehr Fahrgeschäfte anzubieten.

Wenn wir das Alkoholische deutlicher reduzieren könnten und die Abstandsregeln versuchen weitestgehend durchzuhalten, dann ist es möglich, auch die Weihnachtsmärkte vorzubereiten.

Er selbst habe den Oberbürgermeistern einen persönlichen Brief geschrieben, in dem er darum gebeten habe, lokale Schausteller-Firmen einzubeziehen. Außerdem warb er darum, dass sich Veranstalter von Weihnachtsmärkten schon jetzt wegen der Planung mit den Gesundheitsämtern in Verbindung zu setzen.

Künstler reagieren unterschiedlich

Inzwischen haben sich auch Musiker und Künstler zum verlängerten Verbot von Großveranstaltungen geäußert. Popsänger Joris (Herz über Kopf) zeigte im MDR JUMP-Interview Verständnis für die Entscheidung:

Joris
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Ich glaube, dass auch ich mir gar nicht vorstellen könnte, im Moment, unter Zehntausenden Menschen eng an eng zu stehen und Konzerte zu genießen. Natürlich ist das für uns Musikerinnen und Musiker unglaublich schade, der Festivalsommer ist eigentlich die schönste Zeit des Jahres.

Dennoch sei Sicherheit und Gesundheit der Besucher, Musiker und Arbeiter wichtiger. Dagegen zeigt sich Sänger Max Giesinger (80 Millionen) deutlich kritischer im Interview mit MDR JUMP. Der 31jährige sagte auf Anfrage:

Max Giesinger
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Ich kann natürlich verstehen, dass der Staat kein Risiko eingehen möchte, aber für die ganze Konzertveranstalter-Landschaft und Musiker ist das eine harte Entscheidung, dass man sich auf keinen Kompromiss einlässt.

Giesinger schlug vor, bei Konzerten mehr Sicherheitskräfte einzubinden, die die Einhaltung der Abstands- und Hygienevorschriften kontrollierten.

Für alle Menschen, die da arbeiten (…) ist es natürlich hart, ohne Gagen auszukommen.

Zugleich forderte er staatliche Hilfen für Arbeitnehmer und Selbstständige der Veranstaltungsbranche. „Wenn nach Corona keine Musiker und keine Konzertveranstaltung mehr da sind, oder Leute, die in diesem Bereich arbeiten. Da hat dann niemand etwas davon.“ Auch Comedy-Star Olaf Schubert hat sich im Gespräch mit MDR JUMP zur Berliner Entscheidung geäußert.

Olaf Schubert am 06.07.2012 in Halle
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Ich war betroffen, erschüttert und verwirrt. Ich glaube sogar in der Reihenfolge. Das betrifft auch mich privat. Ich wollte Geburtstag feiern (…) – das sind ungefähr Dreieinhalbtausend Leute.

Zugleich zeigte er Verständnis für das verlängerte Verbot von Großveranstaltungen und akzeptiert die Berliner Entscheidung. „Man muss es halt nehmen, wie es kommt und wenn das jetzt eben so ist, dann ist es eben so.“ Der gebürtige Plauener denkt darüber nach, seine Veranstaltungen im Herbst  zu verschieben. Um die maximale Teilnehmerzahl von 1000 nicht zu überschreiten, sei ebenso denkbar, „dass wir am jeweiligen Veranstaltungstag dann drei Mal auftreten“. Bei seinen Auftritten im Sommer (unter anderem in Dresden) werde er persönlich auf die Einhaltung der Abstandsregeln achten: Familien dürfen zusammensitzen, aber sonst seien zwischen den Besuchern 7 Hektar Luft“.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 18. Juni 2020 | 11:15 Uhr

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