Veranstaltungsbranche: Angst vor dem zweiten Lockdown

Die Veranstaltungsbranche ist von der Corona-Krise besonders hart getroffen. Ein Aktionstag in Berlin soll auf die Situation aufmerksam machen. Aber Besserung ist nicht in Sicht, im Gegenteil.

Menschen bei einer Demonstration
Bildrechte: imago images / Bernd Friedel

In Berlin hat gestern das Aktionsbündnis "Alarmstufe Rot" demonstriert, um auf die Situation der Veranstaltungsbranche aufmerksam zu machen. Die Branche befinde sich seit acht Monaten de facto im Lockdown, sagte Tom Koperek, der Vorsitzende des Aktionsbündnisses.

Und mit den neuesten Plänen der Bundesregierung bekommt die Branche den nächsten Schlag. Bis Ende November gibt es einen Lockdown Light, das heißt keine Konzerte, kein Theater, keine Kinos. Für Jürgen Fleming, Geschäftsführer der Zwickauer Kulturbetriebe sieht zumindest für den November schwarz:

Wir hätten im November 50.000 Gäste gehabt. Das fällt alles weg.

Jürgen Fleming

Auch Stars sorgen sich um die Veranstaltungsbranche und vor allem auch um ihre Crewmitglieder. Steffi von Silbermond hat uns im MDR JUMP Interview erzählt, dass es für sie als Band nicht so schlimm sei, Konzerte nicht zu spielen. Für die Crewmitglieder, die alle selbstständig seien und kein Kurzarbeitergeld bekämen, sei der Einschnitt dagegen extrem hart.

Ungeahnte Spätfolgen

Viele aus dem Bereich hätten sich mittlerweile andere Jobs gesucht. Rea Garvey berichtet uns etwa, Mitglieder seiner Crew hätten zwischenzeitlich angefangen, auf dem Bau zu arbeiten. Johannes Oerding befürchtet sogar, dass Corona Konzertveranstalter vor ungeahnte Probleme stellen könnte:

Das große Problem ist, dass die Strukturen vielleicht gar nicht mehr erhalten sind, wenn das so weitergeht. Technikfirmen, Bühnenbaufirmen, Lichtfirmen müssen zumachen, weil sie ihre Leute nicht bezahlen können.

Johannes Oerding

Und das könnte sich auch auf Konzerte in der Zukunft auswirken, fürchtet Oerding. Auch Tim Bendzko sieht die Zukunft eher düster. Kultur sei bei den Förderprogrammen unter den Tisch gefallen, "als sei Kultur nicht systemrelevant". Und auch Rae Garvey sieht die Zukunft eher düster.

Die ersten Firmen haben schon zugemacht. Die Folgen sind bereits da.

Rae Garvey

Bereits im Juni hatte die Veranstaltungsbranche mit der "Night of Light" versucht, auf ihre verheerende Lage aufmerksam zu machen.

Lichtblick im Sommer

Die Veranstaltungen im Sommer seien ein kleiner Lichtblick gewesen, sagt Fleming, aber der hohe Aufwand für weniger Besucher habe sich kaum wirklich gerechnet.

Und auch für Künstler wie Tim Bendzko und Johannes Oerding war klar, diese Veranstaltungen sind vor allem für vielen Crewarbeiter, die teilweise monatelang kein Einkommen hatten.

Für Jürgen Fleming aus Zwickau ist mit dem zweiten Lockdown jetzt klar:

Ohne drastische Einschränkungen kommen wir nicht durch.

Jürgen Fleming

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 28. Oktober 2020 | 19:50 Uhr

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