Kostenlose Corona-Tests an Flughäfen starten: Was bedeutet das für Urlaubsrückkehrer?

Urlaubsrückkehrer spielen eine wichtige Rolle beim aktuellen Anstieg der Corona-Zahlen. Deswegen soll es auch bei uns in der Region kostenlose Testangebote geben. Doch wie so oft in der Pandemie ist die Sache in der Praxis etwas kompliziert.

Ein Rettungsassistent der Berufsfeuerwehr Halle misst die Körpertemperatur einer Frau in einer Corona-Teststation für Urlaubsrückkehrer am Flughafen Leipzig/Halle.
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Der Mann hatte schon an seinem Urlaubsziel in Spanien erste Corona-Symptome gezeigt. Dann setzte sich der Urlauber aus dem thüringischen Saale-Orla-Kreis in den Flieger und trat die Heimreise an. Einen Tag später ließ er sich bei seiner Hausärztin auf den Sars-CoV-2-Erreger testen – positiv. Seitdem ist er in häuslicher Quarantäne, mehrere Kontaktpersonen ebenso.

Wer aus Risikogebieten zurückkommt, muss sich testen lassen

Urlaubsrückkehrer aus dem Ausland spielen eine nicht zu vernachlässigende Rolle beim aktuellen Anstieg der Corona-Zahlen. Die Politik will darauf mit einer begrenzten Corona-Testpflicht reagieren: In der kommenden Woche soll es dazu eine Anordnung von Gesundheitsminister Jens Spahn geben. Sie soll aber nur für Urlaubsrückkehrer aus Risikogebieten gelten. Zu diesen gehören laut einer Liste des Robert Koch-Instituts (RKI) zum Beispiel die USA, die Türkei und Balkanstaaten wie Bosnien-Herzegowina oder Serbien. Dort hat es, das ist das zentrales Kriterium für die Einstufung, in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gegeben.

Spanien zum Beispiel steht aktuell aber nicht auf der Liste - obwohl sich die die Pandemie dort zuletzt in einigen Landesteilen so stark ausgeweitet hat, dass das Auswärtige Amt von Reisen in die Regionen Katalonien, Aragon und Navarra sogar abrät.

Wer aus einem der offiziellen Risikostaaten zurückkommt, soll sich nach Spahns Anordnung an Flughäfen, Bahnhöfen oder Reiseknotenpunkten testen lassen müssen. Das heißt: Geschultes Personal nimmt mit einem Tupfer einen Abstrich aus Mund, Nase und gegebenenfalls Rachen. Dieser wird dann mit der sogenannten PCR-Technik in einem Labor untersucht. Das Ergebnis sollen die Getesteten in häuslicher Quarantäne abwarten. Normalerweise sollte die Info nach wenigen Tagen vorliegen. Für diese Leute sollen die geplanten Tests auch kostenlos sein und über die Krankenkassen abgerechnet werden.

Testangebote für Urlauber, die aus anderen Ländern zurückkehren

Aber was ist mit Urlaubsrückkehrern, aus Ländern die nicht auf der Risiko-Liste des RKI stehen? Hier wird die Sache, wie so oft bei Corona, etwas kompliziert. Auch für sie soll es Testangebote geben. Wie, sagen wir mal, unrund die Umsetzung da aber in der Praxis bisher lief, zeigt der Fall einer Corona-Teststation am Flughafen Leipzig-Halle. Die war am Montag offiziell an den Start gegangen. Allerdings galt das Angebot zunächst nur für Urlaubsrückkehrer, die in der Stadt Halle wohnen – selbst Leute aus dem Umland konnten nicht getestet werden.

Nur wenige Personen gehen durch die Mall am Flughafen Leipzig/Halle.
Corona-Teststation für Urlaubsrückkehrer im Ankunftsbereich des Flughafens Leipzig/Halle. Bildrechte: dpa

Außerdem mussten Urlauber ohne sichtbare Corona-Symptome die Kosten für den Test selber tragen, rund 150 Euro. Das Ergebnis: Die Hallenser ignorierten laut Reportern das kostenpflichtige Angebot.

Wer tatsächlich möglichst viel Menschen erreichen will, braucht also einen anderen Ansatz. Und eine generelle Testpflicht für Urlaubsrückkehrer, so viel ist auch klar, kommt dafür nicht infrage. Die wäre, das hat Minister Spahn bereits klargestellt, ein zu großer Eingriff in die Persönlichkeitsrechte. Auch Fachpolitiker aus unserer Region wie Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner haben sich ähnlich geäußert.

Allerdings wirbt Minister Spahn dafür, dass sich möglichst viele Menschen nach ihrem Ferienende freiwillig testen lassen. Auch das soll kostenlos erfolgen. Testen dürfe „keine Frage des Geldbeutels“ sein, so Spahn.

Die Idee: Wer aus einem Nicht-Risikoland nach Deutschland zurückkommt, soll den Test innerhalb von 72 Stunden gratis machen lassen können, und zwar auch beim Arzt oder beim Gesundheitsamt. Zahlen sollen das die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen, der Bund könnte das später ausgleichen.

Das ist der Plan, beschlossen ist aber auch hier noch nichts. Manche Länder wollen aber trotzdem schon einmal loslegen. In Sachsen zum Beispiel soll es erste Angebote schon ab diesem Wochenende geben.

Sachsen startet mit Tests an Flughäfen

Zunächst sollen sich Urlaubsrückkehrer an den beiden Flughäfen Leipzig-Halle und Dresden testen lassen können, erklärte das sächsische Sozialministerium. Das kostenlose Angebot gelte für Bürger mit Wohnsitz oder dauerndem Aufenthalt im Freistaat. Wo sie Urlaub gemacht hätten, sei nicht entscheidend.

Rechtzeitig vor der großen Rückreisewelle sind wir mit unseren Testcentern an den Flughäfen gewappnet.

Uwe Gaul, sächsischer Staatssekretär
Ein Paar geht mit Koffer und Rucksäcken auf ein Parkhaus zu.
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Die Kosten für das Testpersonal übernimmt der Freistaat, die Laborkosten die Gesetzlichen Krankenkassen. Neben dem Testangebot an den Flughäfen könnten sich Interessenten auch an das örtliche Gesundheitsamt wenden. Für Urlauber, die nicht mit dem Flugzeug zurückkommen, soll es auch weitere Testmöglichkeiten geben.

Auch andere Bundesländer planen kostenlose Testangebote, zum Beispiel Berlin an den Flughäfen Tegel und Schönefeld. In Bayern gibt es bereits das Angebot kostenloser Tests für alle Interessenten. Der Freistaat will auch an mehreren Autobahn-Grenzübergängen zu Österreich freiwillige Teststationen einrichten, ebenso an den Hauptbahnhöfen in München und Nürnberg. Am liebsten hätte die dortige Landesregierung sogar eine Testpflicht für Rückkehrer an Flughäfen, konnte sich mit der Forderung im Bund aber bisher nicht durchsetzen. Aus Sachsen-Anhalt und Thüringen gibt es derzeit noch keine Informationen zu Testangeboten für Urlaubsrückkehrer aus Nicht-Risikogebieten.

"Schein-Sicherheit" durch Tests?

Womöglich ist das Testen von Urlaubsrückkehrern aber ohnehin nicht so sinnvoll wie es zunächst klingen mag. Kritisch hat sich zum Beispiel der Virologe Alexander Kekulé von der Universität Halle geäußert. Kern seiner Argumentation ist die Inkubationszeit von etwa fünf Tagen. Das ist die Zeit zwischen Ansteckung und der Nachweisbarkeit der Erkrankung.

Der Durchschnittsurlauber sei in den Sommerferien acht oder neun Tage unterwegs, so Kekulé. Erfolge eine Infektion in den letzten fünf Tagen des Urlaubs, werde diese bei einem Test direkt nach der Rückkehr noch gar nicht entdeckt.

Alexander Kekulé
Bildrechte: dpa

Das ist dann schon die Frage, ob sich das lohnt, ob das nicht eher eine 'Schein-Sicherheit' gibt.

Thüringens Gesundheitsministerin Werner sagt ebenfalls:

Die Testungen dienen allenfalls als Momentaufnahme und bieten nicht die gleiche Sicherheit, wie bestehende Quarantäneregelungen.

Es bestehe die daher Möglichkeit einer Wiederholungstestung innerhalb von fünf bis sieben Tagen nach Einreise.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 27. Juli 2020 | 19:20 Uhr

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