Zum Start der Herbstferien weiter Chaos um Reiseregeln: Was gilt jetzt für Urlauber?

Für Menschen aus einem Corona-Hotspot gilt in manchen Bundesländern ein Beherbergungsverbot, in manchen nicht. Bund und Länder einigten sich vor den Herbstferien nicht auf eine einheitliche Regelung.

Urlauber und Tagesgäste an der Seebrücke im Ostseebad Kühlungsborn in Mecklenburg-Vorpommern
Urlauber und Tagesgäste an der Seebrücke im Ostseebad Kühlungsborn in Mecklenburg-Vorpommern Bildrechte: imago images / Fotoagentur Nordlicht / Frank Hormann

Am Wochenende beginnen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen die Herbstferien: Viele Familien reisen in diesem Jahr nicht ins Ausland: Zu riskant und die Lage ändert sich in vielen beliebten Urlaubsgebieten auch innerhalb von Tagen. Aber auch bei einer Buchung in Deutschland kann man aktuell nicht sicher sein, ob alles mit dem Urlaub klappt: Die Ursache sind die steigenden Infektionszahlen bei Corona und das umstrittene Beherbergungsverbot. Wir geben einen Überblick, was für Urlauber gilt.

Was gilt, wenn der Urlaubsort Risikogebiet wird?

50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen: Dieser Wert gilt derzeit als Grundlage, wenn eine Region als Risikogebiet eingeordnet wird. Laut Robert Koch-Institut liegen die Fallzahlen im Erzgebirgskreis und in Zwickau in Sachsen und dem Eichsfeldkreis in Thüringen über diesem Wert (Stand: 14. Oktober). Auch Berlin, Stuttgart, Bremen und Köln liegen über der kritischen Schwelle. Die könnten in den nächsten Tagen auch noch weitere Regionen in Deutschland überschreiten. Passiert das kurz vor dem Urlaub, kann man trotzdem in die betreffende Region fahren. Claudia Neumerkel, Reiseexpertin bei der Verbraucherzentrale Sachsen sagte dazu dem MDR:

Claudia Neumerkel von der Verbraucherzentrale Sachsen
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Eine konkrete Reisewarnung oder die Einstufung als Risikogebiet versteht sich in erster Linie als Gebot der Bundesregierung an die Bürger, nicht in die betroffene Region zu reisen. Sie stellt aber kein Verbot dar: Weder an die Reisenden selbst noch an die Veranstalter. Das heißt, dass eine praktische Durchführung ist somit möglich.

Das gilt sowohl für Risikogebiete in Deutschland als auch im Ausland. Überschreitet eine Region mitten im Urlaub die kritische Schwelle bei den Neuinfektionen oder wird ein Land zum Risikogebiet erklärt, müssen Touristen nicht sofort abreisen, so die Expertin:

Der Kunde hat allerdings als Pauschalreisender die besseren Karten, sein Geld auch bei Abbruch zurückzuerhalten. Das gilt für Individualreisende leider nicht. Die bleiben dann oftmals auf ihren Kosten sitzen. Wichtig ist, dass das Auswärtige Amt die Klassifizierung als Risikogebiet dem Vorliegen einer Reisewarnung gleichsetzt. Der Kunde kann dann kostenfrei stornieren oder wenn er mag, einen Gutschein mitnehmen.

Bei vielen Familien kommt noch ein Problem dazu: Arbeitgeber können zwar rein rechtlich Reisen in Risikogebiete nicht untersagen. Sie können aber entscheiden, den Lohn bei einer Quarantäne nicht zu zahlen. Wer aus diesem Grund besser auf den Urlaub verzichten will und storniert, bleibt bei individuell gebuchten Reisen im Ernstfall auf den Kosten sitzen. Dann hilft nur: Mit dem Hotel oder dem Anbieter der Ferienwohnung reden und eine Lösung finden. Bei Pauschalreisen haben Urlauber zwar ein Recht auf Rückzahlung der Reisekosten. Das klappt aber nicht immer gut, sagt Claudia Neumerkel:

Hier spielt vor allem die desaströse wirtschaftliche Lage der Veranstalter eine Rolle. Wir erleben Berichte von Kunden, wo die Veranstalter relativ schnell auszahlen. Aber es gibt auch sehr viele Zauderer, wo die Kunden wirklich seit Monaten darauf warten. Und es gibt auch Veranstalter, die nach wie vor mit Zwangsgutscheinen hantieren, obwohl der Kunde seinen Gutschein freiwillig nie angenommen hatte.

Was gilt jetzt für Urlauber, die aus Risikogebieten kommen?

Reisende mit Mund-Nasen-Schutz vor dem Hauptbahnhof von Düsseldorf
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In einigen Bundesländern wie Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Schleswig-Holstein oder Baden-Württemberg gilt ein Beherbergungsverbot: Hotels und Pensionen dürfen Touristen aus deutschen Risikogebieten ohne negativen Corona-Test nicht beherbergen. Anderenfalls zahlen sie hohe vierstellige Strafen. Auch für Urlauber ist die Regelung ein echtes Problem: Wollen sie reisen, müssen sie einen freiwilligen Corona-Test machen und zwar so, dass er zum Reisezeitpunkt auch aktuell ist. Das ist aufwendig und kostet laut Gebührenordnung bis zu 147 Euro pro Person. Mecklenburg-Vorpommern geht sogar noch einen Schritt weiter: Die Corona-Verordnung des Landes schreibt weiterhin eine 14-tägige Quarantäne unmittelbar nach der Einreise und einen aktuellen, negativen Test vor. Die Quarantäne kann erst nach fünf bis sieben Tagen mit einem weiteren Test beendet werden. In anderen Ländern wie Thüringen gibt es die Einschränkungen nicht, Rheinland-Pfalz und Sachsen haben das Beherbergungsverbot bereits gekippt. Das soll in Sachsen schon ab dem Samstag nicht mehr gelten. Ministerpräsident Michael Kretschmer sagte dazu am Donnerstag dem MDR:

Das Beherbergungsverbot trifft viele Menschen, die nichts mit der Krankheit zu tun haben.

Der Flickenteppich bei der Regelung sorgt für viel Ärger bei Reisenden und beim Hotel- und Gaststättengewerbe. Auch auf dem Treffen am Mittwoch konnten sich Bund und Länder beim umstrittenen Verbot nicht einigen. Sie wollen am 8. November erneut darüber reden. Bis dahin soll geprüft werden, wie wirksam die Regeln für Reisende aus innerdeutschen Risikogebieten sind. Die gelten übrigens nur für touristische Reisen: Wer seine Familie besucht oder zum eigenen Ferienhaus reist, kann das weiterhin machen.

Worauf können Urlauber beachten, die jetzt buchen wollen?

Sie können nach einer Ferienwohnung oder einem Hotelzimmer suchen, die sehr weitgefasste Stornierungsbedingungen haben: Etwa dass Reisende bis kurz vor knapp noch absagen können, wenn die Urlaubsregion zum Risikogebiet wird oder wenn sie selbst aus einem Risikogebiet kommen. Möglicherweise lohnt sich auch eine Reiserücktrittsversicherung: Manche Anbieter zahlen inzwischen, wenn man eine Reise wegen Corona nicht antreten kann. Oder sie übernehmen die Kosten, wenn man in ein bestimmtes Gebiet wegen des Beherbergungsverbots nicht reisen darf. Etwa weil man nicht in ein Risikogebiet fahren möchte. Da sollte man aber das Kleingedruckte ganz genau lesen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 15. Oktober 2020 | 12:45 Uhr

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