Corona-Studie: Uni Halle sucht 4.000 Teilnehmer für Experiment zu Großveranstaltungen

Tausende Menschen, die gleichzeitig mitsingen: Vielen fehlt das Gefühl von Live-Konzerten oder Sportveranstaltungen. Deshalb soll ein einmaliges Experiment klären, wie Großveranstaltungen wieder stattfinden könnten.

Konzert vom Musikprojekt Schiller in der Arena Leipzig im Mai 2019
Symbolbild: Konzert in der Quarterback Immobilien Arena Leipzig Bildrechte: IMAGO images/ Christian Grube

Sachsens Sozialministerin Petra Köpping erklärte in der MDR JUMP-Sendung „Talk im Osten“:

Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) bei "MDR JUMP - Talk im Osten"
Bildrechte: Hagen Wolf / MDR JUMP

Wir wollen sehen, unter welchen Umständen wir wieder Großveranstaltungen machen können. Das machen wir eben genau, damit man nicht leichtfertig Entscheidungen absagt oder trifft.

Das Ziel: Risiken berechnen

Eingangsbereich der Quarterback Immobilien Arena (Archivbild von 2003)
Bildrechte: imago images / Köhn

Um diese leichtfertigen Entscheidungen zu verhindern, soll ein Experiment Klarheit verschaffen. Die Medizinische Fakultät der Uni Halle-Wittenberg und die Quarterback Immobilien Arena (früher Arena Leipzig) wollen genau das gemeinsam herausfinden. Projektleiter Dr. Stefan Moritz erklärt das Ziel des Versuchsaufbaus:

Das Ziel ist es, die Risiken zu berechnen, die konkret von einer Großveranstaltung ausgehen. Und einfach mal zu sehen, wo sind bei einer Großveranstaltung die Risiko-Momente. Wo sind die gefährlichen Momente, wo die Kontakte zwischen den einzelnen Teilnehmern eigentlich stattfinden.

Dabei sollen in dem Experiment vor allem gesundheitliche Aspekte im Fokus stehen, so Projektleiter Moritz im Gespräch mit MDR JUMP:

Konzert vom Musikprojekt Schiller in der Arena Leipzig im Mai 2019
Bildrechte: IMAGO images/ Christian Grube

Wir schauen vor allem darauf: Wie kann man Großveranstaltungen möglichst sicher für die Bevölkerung wieder abhalten?

Die Idee zur Studie entstand Anfang Mai und das Konzept des Experiments sei in nur zwei Monaten entwickelt worden. Für eine Studie in dieser Größenordnung sei etwa ein Jahr Vorbereitung normal, so Moritz. Die Kosten in Höhe von rund 900.000 Euro werden laut Moritz das Land Sachsen und das Land Sachsen-Anhalt gemeinsam tragen.

So wird der Versuch ablaufen

Am 22. August soll in Leipzig eine Großveranstaltung simuliert werden, die ähnlich wie ein Sitzkonzert stattfinden soll. Die Teilnehmer können sich vorher über die Homepage der Studie anmelden. Gesucht werden vor allem junge und gesunde Menschen, erklärt Stefan Moritz. Denn auch wenn es ein ausgeklügeltes Hygiene-Konzept gebe, wolle man so sicherstellen, dass es trotzdem im Falle einer Infektion nur zu einem leichten Verlauf bei den Teilnehmern kommen würde:

Mit dem Konzept, das wir mit dem sächsischen Sozialministerium entwickelt haben, halte ich das tatsächliche Ansteckungsrisiko für extrem gering.

Tim Bendzko, Wohnzimmerkonzert, Theater Am Potsdamer Platz
Bildrechte: imago images / POP-EYE / Christian Behring

Damit die Show auch real wirke, wird Tim Bendzko mit Band ein Minikonzert spielen. Getränke- und Essensstände sollen den Verkauf von Speisen und Getränken während der Pausen simulieren.

Experiment mit drei verschiedenen Abläufen

Insgesamt seien drei Szenarien für den Tag geplant, erklärt Stefan Moritz.

Das erste Szenario wäre mit 4.000 Teilnehmern, unter Bedingungen, wie es vor der Pandemie stattgefunden hat. Also, wie jeder einen Konzertbesuch kennt. Es gibt zwei Einlässe, wir haben Sicherheitskontrollen und die Teilnehmer sitzen dann eins zu eins auf Stühlen nebeneinander.

Im zweiten Szenario gebe es dann optimierte Abläufe, zum Beispiel mehr Zugangswege. Außerdem werde die Arena in Quadrate eingeteilt und diese dann den Zuschauern zugewiesen. Die können dann nur über diesen Eingang die Arena betreten. Und die Teilnehmer hätten dann jeweils einen leeren Sitzplatz zwischen sich. Im dritten Szenario werden die Corona-Schutzmaßnahmen, wie 1,5 Meter Abstand zum nächsten Besucher, konsequent durchgeführt. Dann sollen nur noch die Hälfte der Teilnehmer in der Halle Platz haben, also nur noch rund 2.000 Menschen anwesend sein.

Erhobene Datenmenge ist "riesig"

Wann die Ergebnisse dieses großen Experiments vorliegen werden, kann Projektleiter Stefan Moritz derzeit noch nicht sagen. Denn die Datenmenge, die ausgewertet werden müsse, sei riesig. Er gehe aber davon aus, dass in ein bis zwei Monaten schon Erkenntnisse aus dem Experiment vorliegen könnten.

Wenn man sich überlegt, dass von 4.000 Probanden berechnet werden muss, wann wer über den ganzen Tag verteilt mit wem Kontakt hatte, das ist eine Fülle an Daten, die zu analysieren sind. Und es gibt ja noch viele andere Dinge, die wir da messen und berechnen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 17. Juli 2020 | 19:20 Uhr

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