Die Zuverlässigen und die Schnellen – Diese Coronatests gibt es

PCR, Antigen- und Antikörpertests - Man kann bei den verschiedenen Corona-Testverfahren leicht den Überblick verlieren. Hier die Übersicht.

Ein Mitarbeiter der Johanniter-Unfall-Hilfe nimmt für einen Corona-Test einen Abstrich von einer Frau.
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PCR-Tests

Wenn pauschal von einem „Corona-Test“ die Rede ist, dann ist normalerweise dieses Testverfahren gemeint. Laut Robert Koch-Institut (RKI) wurden allein in der vergangenen Woche 1.567.083 dieser Tests in ganz Deutschland durchgeführt. Aktuell sind mehr als sieben Prozent aller Proben positiv, noch vor wenigen Wochen lag der Anteil der positiven Proben bei 0,7 Prozent. Das zeigt, dass die hohen Fallzahlen aktuell längst nicht nur dadurch zustande kommen, weil mehr getestet wird als im Frühjahr.

Beim PCR-Test geht es jeweils um die Frage, ob die getestete Person aktuell mit dem Sars-CoV-2-Erregr infiziert ist. Die Viruslast ist zwei Tage vor und nach Beginn der Symptome am höchsten.

Die Proben werden von medizinischem Personal mittels Abstrich aus dem Mund-, Nasen- oder Rachenraum entnommen. Wichtig ist, dass dabei mit einem Tupfer an den richtigen Stellen gewischt wird, damit man eventuell vorhandene Viren auch wirklich in die Probe bekommt. In Modellversuchen, zum Beispiel in Köln oder der österreichischen Hauptstadt Wien, ist auch mit Gurgellösungen statt eines Tupfers experimentiert worden. Hier können die Probanden die Proben selbst nehmen.

Corona Testsets mit Abstrichstäbchen liegen in einem Testzentrum für Corona-Verdachtsfälle
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PCR, das ist die englische Abkürzung für die sogenannte Polymerase-Kettenreaktion. Das ist eine Methode, um Erbgut zu vervielfältigen – denn genau das wird für diesen Test im Labor gemacht. Konkret geht es um das Erbgut des Virus in der Probe, nach dem gesucht wird. Rund 190 Labore im ganzen Land machen solche Analysen. Viele von ihnen arbeiten längst am Limit und haben teils auch einen Probenrückstau. Die Ergebnisse eines PCR-Tests liegen frühestens nach 24 Stunden vor, in der Praxis dauert es aktuell oft deutlich länger.

Beim PCR-Test werden manchmal mehrere Proben zusammengemischt und analysiert – nur wenn es in solch einem sogenannten Pool ein positives Ergebnis gibt, werden dann die betreffenden Einzelproben untersucht. Hintergrund ist eine mögliche Ersparnis bei Zeit und knappen Laborchemikalien.

Über die Zuverlässigkeit des PCR-Tests hat es in der Öffentlichkeit immer wieder einmal Diskussionen gegeben. Doch Fachleute vertrauen dem Verfahren mehr als jedem anderen: Werden die Abstriche korrekt entnommen und die Proben entsprechend der Vorgaben der jeweiligen Testhersteller richtig gelagert, transportiert und analysiert, liegt die Genauigkeit bei fast 100 Prozent. „Das ist immer noch der sicherste Test, den wir zur Verfügung haben“, sagt auch Theo Stein vom Berufsverband Deutscher Laborärzte.

Die Teststrategie der Bundesregierung legt fest, für den die gesetzlichen Krankenkassen PCR-Tests zahlen, das ist vor allem für enge Kontaktpersonen von Infizierten der Fall.

PCR-Schnelltests

Diese Tests basieren auf demselben Verfahren wie die klassischen PCR-Tests, liefern aber schneller ein Ergebnis. Mit einem Resultat kann man nach etwa zweieinhalb Stunden rechnen. Die Tests arbeiten etwas vereinfachter und daher auch minimal ungenauer als klassische PCR-Tests. Vor allem aber sind sie eine absolute Ausnahme, weil das Material und die Maschinen knapp und teuer sind.

Zum Einsatz kommen die PCR-Schnelltests zum Beispiel in den Notaufnahmen mancher Krankenhäuser, um Corona-Patienten unter den Neuzugängen zu identifizieren. Doch noch nicht einmal dafür reichen die Ressourcen. Für den Massengebrauch ist dieser Test nichts.  

Antigen-Schnelltests

Auf diese Tests setzt die Bundesregierung viel Hoffnung, das beweist ihre neue Teststrategie. Im Gegensatz zum PCR-Test wird hier nicht nach dem Virenerbgut gefahndet, sondern nach bestimmten Eiweißfragmenten, die charakteristisch für das Virus sind. Das geht ein bisschen einfacher. Es geht wie beim PCR-Test darum, eine Infektion zum Zeitpunkt des Tests zu erkennen.

Bislang muss die Probe wie beim PCR-Test von Fachpersonal entnommen werden. Forscher diskutieren darüber, ob das in Zukunft eventuell die Probanden selbst – unter Aufsicht – übernehmen könnten. Der große Vorteil der Schnelltests ist, dass sie – nun ja – schnell sind. Binnen 15 bis 30 Minuten liefern sie ein Resultat. Das ist klar ablesbar, so ungefähr wie bei einem Schwangerschaftstest.

Allerdings sind sie nicht ganz so zuverlässig wie PCR-Tests. "Das bedeutet, dass ein negatives Antigen-Testergebnis die Möglichkeit einer Infektion mit Sars-CoV-2 nicht gänzlich ausschließt“, so Labormediziner Stein. Vor allem besteht das Risiko, dass infizierte Patienten womöglich nicht erkannt werden, wenn ihre Virenlast eher gering ist.

Abstrich mit Wattestäbchen in der Nase für Corona-Test
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Die Befürworter von Antigen-Schnelltests weisen darauf hin, dass es nicht unbedingt ein Problem ist, wenn mit dem Verfahren nicht alle Infizierten gefunden werden – schließlich sollte der Test verlässlich bei Leuten mit besonders hoher Viruslast anspringen. Und damit ließen sich vielleicht gerade die besonders gefährlichen Superspreading-Ereignisse verhindern.

In Deutschland muss ein positiver Schnelltest auf jeden Fall noch einmal durch einen PCR-Test bestätigt werden.

Mit Antigen-Schnelltests hat die Slowakei gerade ihre gesamte Bevölkerung durchgetestet. In Deutschland stehen dafür aber nicht genug Tests zur Verfügung. Mediziner halten das auch nicht für sinnvoll, sie fordern den Einsatz der Schnelltests vor allem zum Schutz von Risikogruppen, etwa in Krankenhäusern und Seniorenheimen.

Die Teststrategie der Bundesregierung legt fest, für wen die gesetzlichen Krankenkassen den Antigen-Schnelltest zahlen, das kann auch bei symptomlosen Menschen sein, wenn es der Infektionsvermeidung etwa in Krankenhäusern und Seniorenheimen dient. Allerdings haben in der Praxis längst noch nicht alle Heime solche Tests am Start.

Antikörper-Tests

Antigentest
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Diese Tests haben einen entscheidenden Unterschied zu allen, die wir bisher vorgestellt haben. Bei ihnen geht es nämlich nicht um aktive Infektionen, sondern um eine bereits durchgemachte Erkrankung. Die kann bei Corona ja manchmal auch ohne Symptome erfolgen. In diesem Fall ist ein Antikörpertest der einzige Weg, um herauszufinden, ob jemand die Krankheit durchgemacht hat. Im Blutserum lassen sich ab etwa eine Woche nach der Erkrankung Antikörper gegen den Erreger nachweisen. Nach ihnen wird bei dem Test gesucht. 

Blutstropfen am Finger
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Die Antikörpertests lassen sich ohne Vorkenntnisse zu Hause durchführen, indem man sich in den Finger piekst und ein paar Tropfen Blut abnimmt. Dann wird das Material normalerweise eingeschickt und in einem Labor analysiert.

Antikörper-Tests sind im Prinzip zuverlässig, allerdings müssen sie zum richtigen Zeitpunkt gemacht werden. Wer nach durchgemachter Erkrankung zu früh nach den Antikörpern sucht, wird noch keine finden – und deswegen ein falsches Ergebnis bekommen.

Die Tests werden von den gesetzlichen Kassen normalerweise nicht gezahlt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 08. November 2020 | 11:40 Uhr

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