Corona-Test ganz einfach mit dem Smartphone selber machen?

Eine Corona-App haben viele von uns auf dem Handy. Sie soll uns warnen, wenn wir in Kontakt mit Infizierten waren, ohne es zu wissen. Ein kanadischer Hersteller hat jetzt ein Verfahren entwickelt, das Smartphones bald auch zum mobilen Testzentrum für jeden machen soll.

Junge Frau mit Maske und Smartphone in der Fußgängerzone
Bildrechte: imago images / Sven Simon

PCR-Tests mit Tupfern oder Speichelprobe, Antigen-Schnelltests und Antikörpertests: Man kann bei den verschiedenen auf dem Markt befindlichen Corona-Tests schnell durcheinanderkommen. Nun hat ein kanadisches Unternehmen ein weiteres Verfahren entwickelt, das mit niedrigem Preis und besonders einfacher Handhabung punkten will.

Man braucht neben dem Testset dafür nämlich nur ein Smartphone. Fachkenntnisse sind auch nicht nötig. Außer vielleicht, wie man die Tastensperre entriegelt und eine App installiert. „Sofortige, genaue und kostengünstige Tests, die nicht auf Labortests beruhen, sind für die Eindämmung der Pandemie von entscheidender Bedeutung", sagt Najeeb Khalid. Er ist Chef des Unternehmens Two-Photon Research.

Dort hat man den „Cast“ genannten Test entwickelt, der – etwas vereinfacht gesprochen – so funktioniert: Der Proband gibt mit einem Tupfer eine Speichelprobe in ein kleines Plastikgefäß. Dort befinden sich in einige Milliliter einer Salzlösung die sogenannte Aptamere enthält. Das sind bestimmte Moleküle, deren 3D-Struktur so konstruiert ist, dass sie zu einem anderen Molekül genau so passen, wie ein Schlüssel zu genau einem bestimmten Schloss.

Verbindung mit Virusprotein

Aptamere werden für verschiedene hochempfindliche Nacheismethoden in der Wissenschaft eingesetzt und unter anderem auch am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig erforscht. Das kanadische Unternehmen hat nun ein ganz bestimmtes Aptamer entwickelt und patentieren lassen, das sich mit einem charakteristischen Protein des Sars-CoV-2-Erregers verbindet – und zwar genau mit dem, das der Virus nutzt, um in unsere Körperzellen zu gelangen.

Das Aptamer tut sich in der Speichelprobe nun also – wenn vorhanden - mit dem Virus-Protein zusammen. Die Eigenschaften des Moleküls sind so gewählt, dass sich die Verbindung in diesem Fall unter dem Einfluss von Licht durch ein charakteristisches Leuchtsignal verrät. Und das Licht kommt, ihr habt es vielleicht schon vermutet, aus der LED des Handys. Aufgezeichnet wird das Signal dann vom Kamera-Chip.

Zwei weitere Fläschchen im Testset

Weil unterschiedliche Handy-Modelle über verschiedene Chips verfügen, enthält das Testset neben der Speichelprobe zwei weitere Fläschchen. Die eine zeigt dem Sensor, wie ein positives Signal aussehen müsste, die andere was im Fall eines negativen Tests zu erwarten wäre.

Ein Test, der nicht von Fachleuten durchgeführt werden muss – das klingt schon mal ziemlich gut. Doch damit nicht genug: Der Hersteller verspricht, dass die Genauigkeit vergleichbar mit dem PCR-Test sei. Dieses Verfahren gilt als bisher präzisester Nachweis des Erregers. Außerdem ließen sich mehrere verschiedene Aptamere in die Lösung geben, wodurch später auch eventuelle Mutationen des Erregers nachweisbar sein sollen.

Ob die Versprechen der Hersteller zur Genauigkeit des Tests tatsächlich stimmen, ist noch nicht bekannt. Derzeit wird das Set nämlich noch nicht verkauft, sondern wird noch in Versuchsreihen geprüft. Zunächst werden diese noch im Reagenzglas durchgeführt, später dann mit Probanden. Ein spannender Punkt dürfte dabei sein, ob sich in den Speichelproben tatsächlich genügend große Mengen an Virus finden, die sich dann nachweisen lassen.

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