Das kann der Corona-Test Made in Sachsen

Ein kleiner Pieks – dann hat man Gewissheit. Ein Corona-Test aus Sachsen soll verlässlich Auskunft darüber geben, wer die Infektion schon durchgemacht hat. Wir haben die wichtigsten Informationen dazu.

Blutstropfen am Finger
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Es ist – zum Glück – selten, dass ein Politiker dafür verantwortlich ist, dass irgendwo Blut fließt. Doch in dieser Woche war das in Sachsen sogar gleich zwei Mal hintereinander der Fall. Konkret ging es um das Blut der CDU-Politiker Michael Kretschmer und Sebastian Gemkow. Und dass besagtes Blut floss, schien weder den Ministerpräsidenten noch seinen Wissenschaftsminister sonderlich zu stören. Beide hatten sich bei der Vorstellung eines neuen Corona-Test als freiwillig als Versuchspersonen zur Verfügung gestellt – und sich einmal in den Finger gepiekst.

Konkret geht es um den Test „AProof“, dem vom Unternehmen Adversis Pharma zusammen mit dem Biotechnologisch-Biomedizinischen Zentrum (BBZ) der Universität Leipzig entwickelt wurde. Der Test soll im Blut Antikörper gegen den Sars-CoV-2-Erreger nachweisen können. Das heißt: Er ist nicht für Leute gedacht, bei denen es einen akuten Corona-Verdacht gibt. Stattdessen geht es um die Frage, ob jemand vor einiger Zeit bereits eine entsprechende Infektion durchgemacht hat.

Langzeitantikörper IgG werden vom Körper bei dem Kampf gegen das Virus gebildet. Sie sollten Wochen nach der Infektion im Blut nachweisbar sein. Wie lange sie im Fall von Sars-CoV-2 tatsächlich im Körper erhalten bleiben, über diese Frage diskutieren Forscher aber noch. Ebenso darüber, ob die Antikörper eigentlich vor einer zweiten Ansteckung mit dem Erreger schützen.

Getrocknetes Blut kommt in die Post

Antikörper Test Universität Leipzig
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Jörg Gabert von Adversis Pharma beschriebt den Ablauf des Tests so: Zuerst müsse man sich mit einer im Testpaket enthaltenen sogenannten Lanzette stechen, normalerweise in den Finger. So haben es auch Kretschmer und Gemkow gemacht. "Wenn sie sich gestochen haben, nehmen Sie die enthaltene Filterpapierkarte. Und darauf werden zwei, drei Blutstropfen getropft. Man sollte 20 bis 40 Minuten die Karte trocknen. In ein kleines Folientütchen kommt die getrocknete Filterpapierkarte rein und wird mit dem beigelegten Rückumschlag abgeschickt."

„Diese Entwicklung spricht einmal mehr für den Wissenschaftsstandort Leipzig”, wirbt Ministerpräsident Kretschmer. Im Labor wird die eingeschickte Probe untersucht, nach 24 bis 48 Stunden kann man mit einem persönlichen Code das Ergebnis dann abrufen. Stephan Borte vom Klinikum St. Georg in Leipzig erklärt, für wen der Test interessant sein kann: „Ich sehe ihn innerhalb der Alten- und Kranken-Pflegeeinrichtungen, der Kitas beispielsweise, um dort das Personal zu testen, was im direkten Kontakt mit den Risikogruppen ist. Und hier sollte man sicherlich vorschlagen, diesen Test durchzuführen und zu schauen: Wer hat möglicherweise unentdeckt und auch völlig unerwartet die Infektion bereits durchgemacht?“

Firma wirbt mit großer Verlässlichkeit

Im Prinzip gibt es solche Tests auch schon auf dem Markt, die Macher des nun vorgestellten werben allerdings damit, dass dieser komplett in Sachsen erdacht und umgesetzt wurde. Außerdem führen sie die hohe Präzision des Tests an. Er soll eine sogenannte Sensitivität von 100 Prozent haben. Das heißt, alle Menschen mit den Antikörpern im Blut werden tatsächlich erkannt. Die sogenannte Spezifität, das ist die Fähigkeit des Tests, auch Leute ohne Antikörper entsprechend richtig zu erkennen, liegt demnach bei 99,4 Prozent. 

Ein kleiner Haken sind die Kosten. Zwar ist der Test mit 49 Euro im Vergleich mit anderen Angeboten nicht unbedingt teuer. Wer ihn machen will, muss das Geld aber aus eigener Tasche zahlen. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen das nicht.

Die Firma verkauft den Test im Internet. Mittlerweile hat das sächsische Sozialministerium der Verkauf in Apotheken erlaubt. Bisher war es den sächsischen Apotheken verboten, solche Tests zu verkaufen. Gesundheitsministerin Petra Köpping sagte zu der Entscheidung:

Wir wissen, dass die Apotheken als Teil der patientennahen Gesundheitsversorgung die beste niederschwellige Beratung bieten können. Sie können daher die bei der Abgabe der Coronavirus-Antikörpertests wichtige Aufklärung leisten.

Neben Sachsen darf der Test bisher nur in Berliner Apotheken verkauft werden.

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