Schweden bleiben zu Ostern wegen Corona zu Hause

Osterzeit ist Reisezeit in Schweden. Normalerweise fahren viele quer durch das große Land um endlich mal wieder Freunde oder Verwandte zu besuchen. Andere machen Urlaub in den Bergen. Doch trotz des vergleichsweise (immer noch) freizügigen Umgangs mit der Corona-Krise bleiben die meisten Schweden zu Ostern daheim. MDR JUMP-Redakteurin Christiane Luft ist derzeit in Schweden unterwegs und berichtet von ihren ganz persönlichen Eindrücken.

Typisch schwedischer Osterschmuck (Zweige mit gefärbtem Filz) in einer Fußgängerzone in Schweden
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Noch immer gibt es hier im Land weder Ausgangsbeschränkungen noch ausdrückliche Reiseverbote. Mantraartig werden bei der täglichen Pressekonferenz der Gesundheitsbehörde die Empfehlungen heruntergebetet: zu Hause bleiben, wenn man sich krank fühlt, kein Kontakt zu über 70-Jährigen, Abstand halten, usw. und das hat Wirkung: Nach Auswertung von Handydaten haben die Ausflüge in die beliebten Skiorte um 90 Prozent abgenommen. Die besonders betroffenen Stockholmer bleiben in der Stadt und fahren nicht, wie sonst üblich, in ihre Urlaubshütten auf dem Land.

Heute ist Gründonnerstag. Traditionell verkleiden sich die Kinder an diesem Tag als Osterhexen und ziehen von Haus zu Haus, um bei den Nachbarn Süßigkeiten einzusammeln. Das fällt heute aus. Bei mir im Dorf sind die Kinder zwar verkleidet und geschminkt in die Schule gegangen, aber das war´s dann auch. Premierminister Stefan Löfven hatte schon vor ein paar Tagen gemahnt: Lasst eure Kinder zu Ostern nicht bei den Nachbarn anklopfen und um Süßigkeiten betteln. Stellt den Hexenbesen in diesem Jahr auf den Parkplatz. Es kommen weitere Osterfeste.

Süßwarenregal in einem schwedischen Supermarkt
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Gestern konnte ich beobachten, wie Ostersüßigkeiten gehamstert wurden. In einem fast leeren Supermarkt gab es Gedränge vor den hier üblichen „Godis“ (godsaker = Gute Sachen)-Regalen. Die gibt es hier in jedem Supermarkt auf mehreren Metern vor der Kasse. Da liegen Gummibärchen, Schokoeier oder Lakritzbonbons lose in Schubladen, werden in Papiertüten gesammelt und nach Gewicht abgerechnet.

Um solches und auch anderes Gedränge, beispielsweise in den immer noch geöffneten Restaurants, zu vermeiden, wird weiter an die Vernunft der Menschen appelliert. Der oberste Staatsepidemiologe Anders Tegnell hat noch einmal ausführlich erklärt, was zu Ostern gestattet ist und was nicht. Dabei riet er, jeglichen Ansammlungen fern zu bleiben:

Schwedischer Staatsvirologe Anders Tegnell bei einer Pressekonferenz
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Versucht in kleinem Kreis zu feiern. Seht zu, dass ihr den Abstand einhalten könnt. Es spricht nichts gegen eine Grillparty mit Freunden und Verwandten, solange niemand krank oder älter ist als 70 Jahre. Seid einfach vernünftig. 

Anders Tegnell, Staatsepidemiologe

Selbst Reisen seien ok. Dabei sollte man einmal mehr auf soziale Distanz achten, vielleicht sogar eigenes Essen mitnehmen und zusehen, dass man die lokalen Gesundheitseinrichtungen nicht in Anspruch nehmen muss, so Tegnell.

Christiane Luft, MDR JUMP Redakteurin
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Das größte Problem mit dem die schwedischen Behörden im Moment kämpfen, ist die Ausbreitung des Coronavirus in Altersheimen und in der ambulanten Pflege, vor allem in und um Stockholm. Hier steigt die Zahl der Todesfälle vergleichsweise schnell. Stand heute sind rund 700 Menschen in Schweden am Coronavirus gestorben, die meisten in der Region Stockholm, Altersgruppe 80 bis 90. Befürchtet wird, dass das Virus hauptsächlich vom Personal in die Heime oder Wohnungen einschleppt wird. Deshalb sollen nun sämtliche Mitarbeiter in der Altenpflege auf das Virus getestet werden. Das wurde bislang nur bei Angestellten gemacht, die Krankheitssymptome haben.

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