Kampf gegen Corona - Schwenkt Schweden um?

01.04.2020 | 13:03 Uhr

Geöffnete Schulen, Restaurants und Geschäfte, keine offiziellen Ausgangsbeschränkungen – Schweden geht mit der Ausbreitung des Coronavirus anders um als andere Länder. Doch der schwedische Sonderweg ist mehr als umstritten, sowohl im Aus- als auch im Inland. Hier wächst der Druck und die Regierung gibt dem häppchenweise nach. MDR JUMP-Redakteurin Christiane Luft ist derzeit in Schweden unterwegs und berichtet von ihren ganz persönlichen Eindrücken.

Leerer Lift
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Dass in Schweden die Wintersportanlagen weiter geöffnet sind, hatte in den vergangenen Tagen hier für viel Aufregung gesorgt. Die Vorstellung, dass in den Osterferien zehntausende Touristen in die kleinen Ski-Orte mit mangelhafter Gesundheitsversorgung strömen könnten und mit ihnen eine überwältigende Coronavirus-Welle, mit der die örtlichen Krankenhäuser mit ihren wenigen Betten völlig überfordert wären, hatte vor allem die lokalen Gesundheitsverantwortlichen in Angst und Schrecken versetzt. Sie forderten eindringlich, dass die Ski-Anlagen sofort geschlossen werden. Zunächst wurden aber erstmal nur Aprés-Ski-Partys verboten. Die Lifte laufen bis heute weiter.

Doch zu Ostern wird damit Schluss sein. Die Appelle der Regierung haben beim größten Ski-Anlagen-Betreiber des Landes „Skistar“ Wirkung gezeigt. Regierungschef Stefan Löfven sagte bei einer Pressekonferenz:

Bleibt Ostern zu Hause. Die kleinen Orte brauchen ihre Ressourcen für die lokale Bevölkerung.

Stefan Löfven, Ministerpräsident von Schweden

Nur wenige Stunden nach dieser knappen Ermahnung kam die Meldung, dass Skistar in den Osterferien den Betrieb einstellt. Ursprünglich wollte der Betreiber bis zuletzt durchsetzen, dass die Anlagen auf jeden Fall offen bleiben. Nach Skistar erklärten weitere Ski-Anlagen-Betreiber im ganzen Land, dass auch sie die Saison jetzt beenden.

Christiane Luft, MDR JUMP Redakteurin
Christiane Luft, MDR JUMP Redakteurin Bildrechte: MDR JUMP

Meiner Ansicht nach zeigt dieses Beispiel sehr schön, wie es in Schweden oft läuft: unmissverständliche Empfehlung + gute Begründung = gewünschte Reaktion. Die Regierung verbietet das Skifahren nicht. Sie appelliert an alle, nicht zu verreisen. Skistar weiß, dass sich viele Schweden an diese Empfehlung halten werden und zu Hause bleiben. Daher wäre es unrentabel, die Anlagen weiter zu betreiben, also wird die Schließung verkündet und die Botschaft: wir als Unternehmen folgen den Empfehlungen von Regierung und Gesundheitsbehörde. Alle stehen gut da. Die Regierung, die keine harten Verbote verhängen muss, die Betreiber, die Einsicht zeigen und schlussendlich auch die Bürger, die sich vorbildlich an alle Empfehlungen halten.

Bislang fährt die Regierung gut mit diesem Kurs. Einer aktuellen Umfrage zufolge haben 44 Prozent der Schweden ziemlich viel bzw. großes Vertrauen in die Regierung von Stefan Löfven. 18 Prozent mehr als im Februar. Wie lange dieser sanfte Kurs der Ausbreitung des Coronavirus in Schweden noch standhält, ist allerdings fraglich.

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