Corona in Schweden - Was läuft an den Schulen anders?

zuletzt aktualisiert: 01.04.2020 | 14:58 Uhr

Auch in Schweden steigt die Zahl der Corona-Infizierten und -Toten kontinuierlich an. Die Maßnahmen werden täglich neu angepasst, bisher aber in sehr sachtem Tempo. So sind zum Beispiel Schulen und Kitas weiter offen. MDR JUMP-Redakteurin Christiane Luft ist derzeit in unserem nordischen Nachbarland unterwegs und berichtet über ihre ganz persönlichen Eindrücke.

Lehrerin umringt von Schülern, liest etwas vor
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In Schweden läuft der Schulbetrieb bislang ganz normal weiter. Die Regierung hält sich die Möglichkeit offen, landesweite Schließungen zu verordnen, falls dies nötig sein sollte. Und es wird gerade viel darüber diskutiert, ob und wann dieser Zeitpunkt kommt und welches Szenario drohen könnte.

Eigenverantwortung schon in der Schule

Schon jetzt ist es den Kommunen selbst überlassen, eine Schule dann zu schließen, wenn Personal oder Kinder am Coronavirus erkranken. Das ist bisher nur in ganz wenigen Einrichtungen im Land passiert. Hier oben bei mir in Nordschweden ist die Lage entspannt. Bei aktuell knapp 50 bestätigten Corona-Infektionen in der Region Västerbotten braucht es keine Schulschließungen. Eine befreundete Lehrerin erzählt mir: „Ich unterrichte nun seit 30 Jahren. So etwas wie jetzt habe ich noch nie erlebt: alle Kinder in meiner Klasse sind gesund!“ Es ist Erkältungs-Saison in Schweden. Viele Kinder kommen normalerweise mit Husten oder Schnupfen in den Unterricht. Nicht so jetzt. Jedes Kind bleibt beim allerkleinsten Krankheitszeichen zu Hause und kommt erst wieder, wenn es zwei Tage symptomfrei ist.

Schulcomputer für alle

Ein Junge sitzt an einem Laptop.
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Einer früheren Nachbarin erzähle ich, wie eine 5-köpfige Familie in Deutschland gerade zu Hause mit mangelhafter technischer Ausrüstung zu kämpfen hat. Mutter und Vater im Homeoffice, drei Kinder, die Onlineunterricht bekommen und nur ein Computer im Haus. Die Nachbarin schaut mich fragend an und sagt: „Habt ihr in Deutschland keine Schulcomputer?“ Na klar da war doch was … in Schweden hat jedes Kind ab der 1. Klasse einen eigenen Schul-Laptop. Da wäre Homeschooling gar kein Problem. Schweden hat eine Vorreiterstellung als Land der Digitalisierung und das könnte sich jetzt in der Krise einmal mehr bezahlt machen. Bereits vor sechs Jahren hat man hier angefangen, den Kindern eigene Computer auszuhändigen. Sie lernen spielerisch den Umgang, machen online ihre Hausaufgaben und können unabhängig zu Hause arbeiten.

Bisher keine Notwendigkeit landesweiter Schulschließungen

Doch man lässt die Schulen und Kindergärten offen, so lange es nur geht. Die schwedische Gesundheitsbehörde hat gute Gründe dafür. In Schweden arbeiten meist beide Elternteile, sehr viele sind im Pflegebereich angestellt. Über die Schulschließungen u.a. in Deutschland schütteln hier viele, mit denen ich mich unterhalte, den Kopf.

Herausforderung für Gymnasiasten

Anders ist es bei Gymnasiasten (ab der 9. Klasse). Die müssen jetzt schon seit ein paar Tagen selbstständig zu Hause lernen. Auch das ist mit Schul-Laptop kein Problem. Das schwedische Schulsystem zielt ohnehin darauf ab, dass die Kinder beizeiten lernen, selbstständig zu arbeiten. Dies wird hier jetzt eben als Herausforderung verstanden. Man macht sich eher Sorgen, dass die Jugendlichen sich ungesund ernähren und jeden Tag Pizza essen könnten, während sie alleine zu Hause sind. In der Zeitung sehe ich die Werbung eines lokalen Imbiss, der einen preiswerten Lunch nur für Gymnasiasten anbietet: „Ernährt euch gesund und rettet die lokale Gastwirtschaft“.

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