Corona-Maßnahmen in Schweden – ein kleiner Selbsttest

03.04.2020 | 14:24

Schulen, Geschäfte, sogar der Friseur - alles weiter geöffnet in Schweden. Noch. Wie das Alltags-Leben bei unseren nordischen Nachbarn derzeit aussieht, weiß MDR JUMP-Redakteurin Christiane Luft. Sie ist in Schweden unterwegs und berichtet von ihren ganz persönlichen Eindrücken.

rotes schwedisches Häuschen, umrahmt von ein paar Bäumen
Bildrechte: MDR JUMP

Gestern habe ich mein nordschwedisches Minidorf, in dem ich nun schon seit zwei Wochen wohne, mal verlassen, um in die nächstgrößere Stadt zu fahren. Ich musste hauptsächlich zur Bank. Die hat dreimal die Woche geöffnet für je drei Stunden. Das ist eigentlich für ältere Leute gedacht, die sich am Schalter noch Bargeld auszahlen lassen oder mit dem Internet-Banking nicht zurechtkommen. In Schweden werden Bankgeschäfte fast ausschließlich online erledigt, bezahlt wird mit Karte oder Handy. Bargeld hat fast niemand in der Tasche. Am Bankgebäude hängt ein Zettel. Man soll bitte einzeln eintreten. Aber es ist sowieso menschenleer, die Alten sind wohl alle zu Hause, so wie es die staatliche Gesundheitsbehörde empfiehlt.

Nach der Bank will ich ein bisschen shoppen. Die Auswahl ist sehr begrenzt: Elektrogeschäft, Einrichtungsboutique, Gebrauchtwarenladen. Meine Wahl fällt auf den Second-Hand-Shop des Roten Kreuzes. Der ist sehr beliebt. Und tatsächlich: auch jetzt ist ganz schön viel Betrieb hier. Gar nicht so einfach, den Mindestabstand einzuhalten. Ich treffe eine Bekannte. Sie arbeitet im Nebengebäude, im Kurszentrum für Erwachsenenbildung. Sie erzählt, dass gerade gar nichts bei ihr los ist. Viele Kurse sind abgesagt. Distanzlehrgänge finden statt, aber da gibt es nicht viel zu organisieren und so hat sie Zeit, ein bisschen einzukaufen. Angst habe sie vorm Corona-Virus nicht, sagt sie. Sie vertraut den Maßnahmen der Regierung und ist froh, dass man sich noch relativ frei bewegen darf.

Eingangsbereich eines schwedischen Supermarktes
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In den Supermarkt muss ich auch noch. Da hängt ein großes Schild am Eingang. Darauf steht: „Du bist hier nur willkommen, wenn du gesund bist. Bitte respektiere das. Halte Abstand zu den anderen Kunden. Hamstere nicht!“. Eine ziemlich deutliche Ansage für schwedische Verhältnisse. Abstand halten - kein Problem. Es sind nur wenige Leute im Laden. Schwer einzuschätzen, ob sie alle gesund sind. Während ich da bin, niest zumindest keiner. Ein Angestellter befüllt im Eingangsbereich die Regale. Ich habe den Eindruck, dass er gleichzeitig ein Auge auf die neuankommenden Kunden hat. Gehamstert wird hier anscheinend auch nicht- das Klopapier-Regal ist voll!! Nur bei den Haferflocken sieht´s bisschen dünne aus – viele essen die hier zum Frühstück.

Ich bin eigentlich fertig mit meinen Erledigungen, da fällt mein Blick auf das Friseurgeschäft. Ich überlege, reinzugehen und einen Termin auszumachen. Ja, das geht, ohne Probleme. Auf dem Rückweg komme ich an der Schule vorbei, wo Kinder auf dem Schulhof toben. Kindergärten und Schulen bis zur 9. Klasse sind in Schweden ja weiter geöffnet. Das finden hier alle, mit denen ich mich bisher unterhalten habe, auch gut so. Es wird penibel darauf geachtet, dass nur gesunde Kinder in den Unterricht kommen.

Also hier oben, 750 Kilometer nördlich von Stockholm, läuft das normale Leben fast so wie immer. Ich habe drei Jahre hier gewohnt und merke kaum einen Unterschied. Doch alle – auch hier – sind sich der Gefahr einer Corona-Ausbreitung bewusst. Und die Lage wird in Schweden täglich ernster. Es werden immer mehr neue Maßnahmen eingeführt, zuletzt ein landesweites Besuchsverbot in Altersheimen. Dort grassiert das Virus im Moment am schlimmsten. Nach neuesten Zahlen sind in Schweden bislang knapp 300 Menschen am Coronavirus gestorben, 6000 wurden positiv getestet.

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