Harter Lockdown und gut? - Das bedeutet die "Zero Covid"-Strategie

Unter "#ZeroCovid" ist in letzter Zeit von vielen ein solidarischer Shutdown in Europa gefordert worden. Hinter dem Hashtag steckt ein Strategiepapier mehrerer Forscher, die die Infektionszahlen auf null drücken wollen.

Blick auf eine Straße mit Passanten
Bildrechte: MDR/Juliane Maier-Lorenz

Bald ist es ein Jahr her, dass das erste Mal fast alles zumachen musste, um dem Coronavirus Einhalt zu gebieten. Ein Ende der Pandemie ist immer noch nicht in Sicht. In einem Papier schlägt eine Gruppe von Virologen, Physikern, Soziologen und Wirtschaftswissenschaftlern eine Strategie vor, wie man die Pandemie eindämmen könnte. Der Kern: keine Neuinfektionen mehr, sprich "Zero Covid".

Neuseeland und Australien als Vorbild

Die Strategie sieht vor, die 7-Tages-Inzidenz schnell und effektiv auf Null zu drücken, Neuinfektionen rasch zu senken und die niedrigen Fallzahlen zu verteidigen. Als Vorbild dienen Neuseeland und Australien; Länder, bei denen dies gelungen sei.

Zentrales Element ist die Einrichtung sogenannter grüner Zonen. Das sind die Zonen, in denen der Inzidenzwert 28 Tage lang bei null liegt. Damit dieser Wert erreicht werden können, müssen strenge Maßnahmen getroffen werden. Insgesamt sieht das Papier eine vierstufige Strategie vor:

  Stufe 1 (7-Tage Inzidenz für 14 Tage unter 10) Stufe 2 (7-Tage Inzidenz für 14 Tage unter 5) Stufe 3 (7-Tage Inzidenz für 14 Tage bei 0) Grüne Zone (7-Tage Inzidenz für 28 Tage bei Null
Soziales Verlassen des Hauses nur mit triftigem Grund, Treffen mit max. fünf Personen im Freien, max. ein Besucher zu Hause, nur für Alleinlebende Keine Ausgangbeschränkungen, Treffen im Freien mit max. zehn Personen, drinnen mit einem Partnerhaushalt (max. 5 Personen) Keine Ausgangbeschränkungen, Treffen im Freien mit max. 50 Personen, drinnen mit max. 20 Personen und Kontaktangaben Keine Ausgangs- oder Versammlungsbeschränkungen
Schulen/Kitas Kitas und Krippen bleiben geöffnet, Schulen: Klasse 1-2 gestaffelte Rückkehr in Präsenz, alle anderen Fernunterricht Kitas und Krippen sind offen; gestaffelte Rückkehr der Klassen 3 - 10 in Präsenzunterricht Kitas und Krippen sind offen; gestaffelte Rückkehr der Klassen 3 - 10 in Präsenzunterricht Kitas und Krippen sind offen, alle Schüler sind im Präsenzunterricht.
Arbeit Nur systemrelevante Berufe gehen in die Arbeitsstätte; Öffnung von Berufsfeldern nach Plänen der Wirtschaft Arbeit im Home Office wo möglich Arbeit im Home Office wo möglich Schrittweise Rückkehr an den Arbeitsplatz

Ist eine Zone einmal grün, soll dieser Status natürlich auch gehalten werden. Dazu schlagen die Autoren verschiedene Maßnahmen vor. Unter anderem Tests an "strategischen Einrichtungen mit hohem Publikumsverkehr", die langsame Öffnung des öffentlichen Lebens nach klar definierten Schritten und die schnelle, lokal begrenzte Wiedereinführung von Maßnahmen, sollte das Infektionsgeschehen wiederaufflammen.

Klarer Plan für Lockerungen

Auch sei wichtig, dass es einen klaren Plan für Lockerungen gebe, schreiben die Autoren. Nur so können Moral und Zusammenhalt der Bevölkerung im Kampf gegen Corona gesichert werden. Für das Gelingen des Konzeptes seien Grenzschließungen in Europa nicht notwendig. Allerdings müsste die Bevölkerung auf Reisen trotzdem weitestgehend verzichten, heißt es in dem Papier.

Wie realistisch die Vorschläge in dem Papier sind, ist umstritten. Der Leipziger Epidemiologe Markus Schulz sprach in der Deutschen Ärztezeitung etwa davon, dass es "fast aussichtslos" sei, in den Wintermonaten das Infektionsgeschehen auf Null drücken zu wollen.

Problematisch für die Umsetzung könnte auch sein, dass die Strategie erst bei einer 7-Tage-Inzidenz von 10 ansetzt, ein Wert von dem viele europäische Länder momentan noch weit entfernt sind, Deutschland eingeschlossen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 17. Januar 2021 | 14:00 Uhr

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