So ist Sport auch in Corona-Zeiten möglich

Es sind schlechte Zeiten für Sportler. Dabei sagen Forscher: Beim kontaktlosen Sporttreiben im Freien gibt es eigentlich kein Corona-Risiko. Doch der Teufel liegt im Detail.

Gerade Kinder und Jugendliche bewegen sich in der Corona-Pandemie viel zu wenig. Das haben Forscher wie der Sportwissenschaftler Alexander Woll vom Karlsruhe Institut für Technologie (KIT) in Studien herausgefunden. Sie warnen daher vor einer „tickenden Zeitbombe“ durch fehlende körperliche Aktivität. Denn wer sich nicht bewegt, stirbt früher – so hart muss man das sagen.

„Der Bewegungsmangel ist die heimliche Seuche, unter der Kinder und Jugendliche im wahrsten Sinne des Wortes zunehmend leiden“, sagt auch der Hallenser Andreas Silbersack, der beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) für Breitensport zuständig ist. Er fordert daher: „Zumindest die Kinder müssen wir wieder auf die Sportplätze bekommen.“

Vereine beklagen Verlust von Mitgliedern

Tatsächlich passiert eher das Gegenteil. Die Sportvereine unserer Region beklagen den Verlust unzähliger Mitglieder. Allein Sachsen-Anhalt vermeldet Austritte von etwa 11.000 organisierten Sportlern allein im vergangenen Jahr. Das kommt wenig überraschend, wenn man kaum Sport treiben kann. Wer will da scheinbar sinnlos Beiträge zahlen?

Also soll Schluss sein mit der sportfreien Zeit. Unterstützung bekommen solche Forderungen aus der Wissenschaft. Beim kontaktlosen Sporttreiben im Freien gibt es laut der Gesellschaft für Aerosolforschung (GAeF) so gut wie keine Gefahr, sich mit Corona anzustecken. Die Forscher der Gesellschaft haben das auch in einem offenen Brief an die Politik so formuliert. „Wir haben einen Grundstein zum Verständnis gelegt, dass draußen sehr wenig passieren kann“, sagt GAeF-Präsident Christof Asbach.

Sportplatz einer Schule in Zeiten von Corona, mit drei Jungen, die Fussball spielen.
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Bei Teamsportarten oder auch Tennis sehe er ein „extrem geringes Infektionsrisiko“, so Experte Asbach. Gleiches gelte zum Beispiel für das Rudern oder fürs Joggen, zumindest wenn die Läufer nebeneinander unterwegs sind. „Ein Virus macht noch keine Infektion“, sagt Asbach fest. „Dazu braucht man einige Hundert bis einige Tausende.“

Plädoyer für offene Sportplätze

Christian Dahms, Generalsekretär des Landessportbundes Sachsen sagt: „Dieser offene Brief der Aerosolforscher unterstreicht ja das, was wir schon lange sagen: Öffnet die Sportplätze und gebt unseren Vereinen die Möglichkeit, Amateursportlern jeder Altersklasse - zumindest im Freien - wieder ihren Sport zu ermöglichen.“

Die Aerosolforscher unterstützen das – und verweisen auf konkrete Beispiele: „Fußball ist völlig unbedenklich“, sagt Gerhard Scheuch, ehemaliger Präsident der International Society for Aerosols in Medicine. Bei Indoor-Sportarten müsse man genauer hinschauen, aber auch hier sei Angst unangebracht. „Sporthallen sind in der Regel sehr groß“, so Scheuch. Versammelten sich nicht Unmengen an Menschen und gebe es eine gute Lüftung, sei auch Indoor-Sport möglich. „Die Lüftung ist entscheidend“, so Scheuch.

Eine Altersbeschränkung für Sport im Freien sei ebenfalls überflüssig, so Scheuch: „Das Alter ist egal, weil es so gut wie keine Ansteckungen im Freien gibt.“ Das neue Infektionsschutzgesetzes sieht aber vor, dass nur kontaktloser Individualsport allein, zu zweit oder mit Angehörigen des eigenen Hausstands erlaubt sein soll. Nur für Kinder im Alter bis zu 14 Jahren soll Sport in Gruppen weiter möglich sein. Weitere Ausnahmen sind für Berufs- und Leistungssportler vorgesehen.

Mögliche Probleme beim Drumherum

Die Thüringer Gesundheitsministerin Heike Werner sagt, das Problem sei weniger der Sport an sich - sondern das Drumherum. Das Hinfahren bringe zusätzliche Kontakte, das Zusammensein in Umkleidekabinen oder nach dem Sport ebenso. Auch weitergegebene Trinkflaschen bei Kindern könnten ein Problem sein, warnt sie. Auch Aersolforscher Asbach sagt: „Wir sehen die Gefahren in Umkleidekabinen, Toiletten oder bei der Anfahrt im Auto oder Bus.“

„Man kann jetzt nicht einfach alles öffnen und laufen lassen“, warnt auch Andrew Lichtenberg, Arzt des Deutschen Leichtathletik-Verbandes unter Verweis auf die höhere Infektiosität der aktuell kursierenden Virus-Varianten. „Es müssen nach wie vor dringend die erforderlichen Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln eingehalten werden."

Ein Mund-Nasen-Schutz in einem Tornetz, davor ein Ball und Fußballschuhe
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Wie also weiter? In der Pandemie müssten vor allem die Inzidenzen in der Gesamtbevölkerung wieder heruntergebracht werden, sagt Ministerin Werner. Und das funktioniert am Ende durch Vermeidung von Kontakten – und damit Ansteckungen. „Wenn wir die Zahlen etwas weiter unten haben, hat Sport Priorität“, so Werner.

Thomas Zirkel, der Hauptgeschäftsführer des Thüringer Landessportbundes (LSB), sagt: Vereine nähmen den Umgang mit Hygienekonzepten ernst. Beim „Vorher und Hinterher“ gebe es inzwischen ein anderes Bewusstsein. Er sei zuversichtlich, so Zirkel, dass es jetzt gerade in der wärmeren Jahreszeit eine andere Situation gebe - und mehr möglich werde.

Ob die aus den Vereinen ausgetretenen Sportler wiederkommen? „Jeder weiß, wie schwer es wird, Mitglieder zurückzugewinnen“, sagt Tobias Knoch, Chef des Landessportbundes Sachsen-Anhalt. „Dass jemand austritt, geht schnell. Aber ihn zu überzeugen, zurückzukommen – da liegt eine große Aufgabe vor uns."

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 25. April 2021 | 07:45 Uhr

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