Sommerurlaub im EU-Ausland – so könnte es klappen

Ob ans Mittelmeer oder oder nach Skandinavien – hält der Trend bei den Corona-Zahlen an, dann ist Urlaub in der EU ab Mitte Juni möglich. Wir klären, was in den jeweiligen Ländern gilt und ob du jetzt schon buchen solltest.

Strandurlaub: Am ersten Wochenende nach der Lockerung der Coronaeinschränkungen in Griechenland lockt es bereits viele Athener an die nahegelegenen Strände von Alimos und Glyfada in Attika.
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Stand jetzt soll die aktuell geltende weltweite Reisewarnung nach dem 14. Juni nicht verlängert werden. Bundesaußenminister Maas will Urlaub zu den beliebtesten deutschen Reisezielen wieder möglich machen. Einige Länder bereiten sich schon auf Touristen vor, andere müssen noch hohe Hürden überwinden. Hier ein Überblick: 

Österreich

Die Grenze zwischen Deutschland und Österreich soll am 15. Juni wieder geöffnet werden. Dem Österreich-Urlaub stünde dann theoretisch nichts mehr im Wege. Restaurants sind schon offen, Museen, Bergbahnen und Freizeitparks sollen im Lauf der nächsten Wochen wieder öffnen. Hotels sollen bis Ende Mai folgen. Es gibt dann nur kleine Einschränkungen. Laut Tourismusministerium gilt im Eingangsbereich sowie an der Rezeption eine Mundschutzpflicht. Gästegruppen sollen aber ähnlich wie Menschen aus einem gemeinsamen Haushalt behandelt werden und müssen demnach untereinander keinen Sicherheitsabstand einhalten. Buffets sind mit besonderen hygienischen Vorkehrungen erlaubt, auch die hoteleigenen Wellness-Einrichtungen dürfen genutzt werden.

Schweiz

Die Grenzen zur Schweiz sollen am 15. Juni wieder öffnen, Beschränkungen der Bewegungsfreiheit im Land gibt es nicht. Viele Hotels haben nie geschlossen. Geschäfte sind auch wieder auf, ebenso Restaurants, wo allerdings nicht mehr als vier Gäste am Tisch sitzen sollen und zwischen den Tischen Abstand gehalten werden muss. Veranstaltungen wie große Festivals wurden abgesagt.

Niederlande

Der Holland-Urlaub wird wieder möglich. Schon jetzt öffnen stufenweise Bungalowparks ihre Tore, und es werden auch wieder Ferienwohnungen vermietet. Ab dem 1. Juli sollen dann alle Campingplätze und Ferienparks wieder voll geöffnet werden. Bisher galt das nur eingeschränkt. So mussten etwa auf Campingplätzen Duschen und WCs geschlossen bleiben. Die sanitären Einrichtungen werden ab 1. Juli auch an Stränden und in Naturparks wieder geöffnet. Museen dürfen ab 1. Juni wieder Besucher empfangen - vorausgesetzt, sie melden sich vorher online an. Auch Restaurants, Cafés, Strandpavillons und Kneipen dürfen jeweils maximal 30 Gäste bewirten. Ab Juli sind dann bis zu 100 Gäste erlaubt.

Belgien

Belgien tastet sich vorsichtig aus den Corona-Einschränkungen - kontrolliert aber nach wie vor seine Grenzen. Die Maßnahmen waren ursprünglich bis zum 8. Juni angekündigt worden. Gelockert werden sollen sie nur in Absprache mit dem jeweiligen Nachbarland und wenn die Virus-Situation auf beiden Seiten der Grenze vergleichbar ist.

Frankreich

Die Grenze soll ab 15. Juni wieder ohne Einschränkungen für deutsche Reisende offen sein – aber wichtige Entscheidungen zu Öffnungen stehen noch aus. Zwar sind die ersten Strände wieder zugänglich, allerdings gibt es zu Hotels und Campingplätzen noch keine Entscheidung. Große Museen wie der Louvre in Paris werden ihre Türen wohl nicht vor September öffnen. Kleinere Museen dürfen schon wieder Besucher empfangen. Cafés und Restaurants könnten ab dem 2. Juni in den Regionen wieder öffnen, in denen das Virus weniger verbreitet ist.

Italien

Museen, Bars und Restaurants öffnen schon wieder, Schwimmbäder und Sportanlagen sollen folgen. Italien will Touristen aus dem Schengen-Raum die Einreise ab dem 3. Juni ohne Quarantäne erlauben. Auch Reisen zwischen den italienischen Regionen sollen dann wieder erlaubt sein. Das Problem: Es gibt noch kein generelles Startdatum für Hotelöffnungen. Die beliebte Urlaubsregion Südtirol will aber bereits ab dem 25. Mai wieder den Betrieb von Hotels und Ferienwohnungen erlauben. In jedem Fall sollen überall Abstandsregeln gelten, Sonnenschirme am Strand weit genug voneinander weg stehen. Buchungen für den Zugang zu Strandbädern sollen verhindern, dass die Menschen zu dicht aneinander in der Sonne braten. Buffets in Hotels sind verboten. Desinfektionsmittel müssen überall bereit stehen.

Griechenland

Sehenswürdigkeiten wie die Athener Akropolis und zahlreiche Strände sind wieder geöffnet, Ende Juni sollen Inländern auch Hotels und Ferienwohnungen wieder offen stehen. Deutsche Urlauber müssen sich länger gedulden: möglicherweise startet die Saison für ausländische Touristen am 1. Juli.

Spanien

Einen Spanien-Urlaub sollten Sonnenhungrige für den Frühsommer noch nicht buchen. Frühestens ab Ende Juni könnte mit einer weitgehenden Grenzöffnung für Touristen gerechnet werden. Selbst den Spaniern werde es bis dahin verboten bleiben, in andere Regionen des Landes zu reisen. Mallorca und die anderen Urlaubsinseln können aber darauf hoffen, vielleicht doch ein wenig früher eine beschränkte Zahl von in- und ausländischen Besuchern empfangen zu können. Im Moment ist die Einreise aus dem Schengenraum derzeit nahezu unmöglich - und wenn, dann nur mit zweiwöchiger Quarantäne.  

Portugal

Die Aussichten auf einen Sommerurlaub in Portugal sind nicht so schlecht. Laut dortigem Hotelverband könnten Mitte Juli die meisten Hotels wieder offen sein. Die Tourismusbehörde will ein neues Hygiene-Siegel für Tourismuseinrichtungen einführen. Damit soll die Einhaltung der Bestimmungen regelmäßig überprüft werden.

Dänemark

Dänemark hält seine Grenze noch geschlossen, doch möglicherweise dürfen Deutsche, die einen Mietvertrag für ein Ferienhaus haben oder eine Hotelreservierung, bald einreisen. Die  Regierung will bis Anfang Juni über weitere Schritte entscheiden.

Schweden

Wie sich die Einreise gestaltet, dürfte für Viele von Dänemark abhängen. Denn viele Touristen fahren über Dänemark ins Land. Eine Alternative kann die Anreise per Fähre etwa von Kiel, Rostock oder Travemünde sein, die weiterhin fahren. Flüge aus Deutschland in Richtung Stockholm oder Göteborg gibt es momentan kaum. Darüber hinaus besteht in Schweden aktuell bis zum 15. Juni ein Einreiseverbot – jedoch nicht für EU-Bürger.

Zypern

Zurzeit laufen Verhandlungen mit Israel und Griechenland über eine baldige Wiederaufnahme der Flüge für Urlauber. Bei einer Einigung können Touristen von dort nach Zypern fliegen - ohne anschließende Quarantäne. Völlig offen ist noch, was mit Reisenden aus anderen Ländern wird.

Kroatien

Hier gelten schon seit dem 9. Mai gelockerte Einreisebestimmungen. Demnach dürfen bereits jetzt Ausländer über die Grenze, etwa wenn sie eine Immobilie oder ein Boot in Kroatien besitzen. Die Behörden arbeiten zudem an neuen Regeln, die zu große Menschenansammlungen an den Stränden verhindern sollen.

Slowenien

Das Land will EU-Bürgern möglichst bald die Einreise ohne Corona-Tests und Quarantäne-Auflagen ermöglichen. Vor allem für Urlauber aus Deutschland, die mit dem eigenen Wagen nach Kroatien fahren wollen, wäre das eine große Erleichterung, denn ihr Urlaubsziel ist praktisch nur über Slowenien erreichbar. In Slowenien dürfen Hotels mit weniger als 30 Zimmern seit dem 18. Mai wieder öffnen. Für größere Bettenburgen gibt es diesbezüglich noch keine Entscheidung. Für den Strandbetrieb gelten noch Einschränkungen: Man darf zwar schwimmen und surfen, nicht aber am Strand in der Sonne liegen.

Tschechien

Es gibt noch keinen festen Fahrplan für die Wiederbelebung des Tourismusgeschäfts. Zunächst soll die Grenze für Reisende aus Österreich und der Slowakei geöffnet werden - voraussichtlich schon Mitte Juni. Deutsche müssen sich noch etwas gedulden.

Bulgarien

Das Urlaubsland am Schwarzen Meer rüstet sich für eine Sommersaison unter Corona-Auflagen. An den langen Badestränden stehen die Liegestühle bereits in großen Abständen. Dosierspender mit Desinfektionsmitteln sollen zum Standard gehören. Hotels können unter coronabedingten Maßnahmen nun heimische Touristen aufnehmen. Bulgariens Fremdenverkehr hängt zum großen Teil von Auslandsflügen ab, über die es noch keine Klarheit gibt.

Polen

Das Land hält bis zum 12. Juni an Kontrollen an den Grenzen zu anderen EU-Ländern fest. Ausländer dürfen bis auf wenige Ausnahmen nicht rein. Seit dem 4. Mai sind Hotels und Einkaufszentren wieder geöffnet. In einem weiteren dürfen Restaurants und Cafés seit 18. Mai wieder öffnen. Es muss aber ein Mindestabstand von zwei Metern zwischen den Tischen eingehalten werden. Auch sind Köche und Kellner verpflichtet, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

Außerhalb der EU

Türkei
Die Türkei lockert schrittweise die Corona-Maßnahmen und bereitet sich auf eine Öffnung für den Tourismus vor. Ende Mai will das Land den inländischen Reiseverkehr aufnehmen, im Juni hofft es auf internationale Urlauber. Für Hotels und Restaurants sollen strenge Corona-Auflagen gelten. Es müssen etwa Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden, das Personal soll eine Pandemie-Ausbildung erhalten. Gepäck wird mit Desinfektionsmitteln behandelt. Die Türkei hat zudem ein Zertifikationsprogramm für Hotels entwickelt. Nach der Öffnung für internationale Flüge sollen an den Grenzübergängen, etwa am Flughafen Antalya, Corona-Tests durchgeführt werden.

Ägypten
Es ist weiter unklar, wann an Ferienorten wie Hurghada und Scharm el Scheich wieder Normalität einkehrt. Hotels dürfen für einheimische Urlauber bei 25 Prozent Belegung inzwischen aber wieder öffnen und ab 1. Juni bei 50 Prozent Belegung. Die Betreiber müssen unter anderem Desinfektionsmittel am Eingang bereitstellen und das Gepäck der Gäste bei Ankunft und Abreise desinfizieren. Gutachter prüfen diese Zustände und stellen ein Zertifikat aus, um das sich bisher rund 170 Hotels bewarben. Am Flughafen in Kairo sollen neue Wärmebildkameras außerdem prüfen, ob Reisende Fieber haben. Für Urlauber aus dem Ausland sind die Grenzen aber nach wie vor dicht.

Fernreisen
Zur Aussicht auf baldige Fernreisen äußerte sich Bundesaußenminister Maas skeptisch. Dabei verwies er auf die Infektionszahlen etwa in Nordamerika, Lateinamerika, Afrika und Teilen Asiens.

Sollte ich jetzt buchen?

Trotz der recht erfreulichen Aussichten sollte man noch etwas warten, bevor man den Urlaub bucht. Die Ankündigung von Bundesaußenminister Maas ist noch nicht verbindlich. Die Verbraucherzentrale geht davon aus, dass sehr bald eine definitive Aussage kommen wird, auf die man sich dann auch verlassen kann. Reiserechtler Christian Solmecke ergänzt:

Christian Solmecke
Bildrechte: Tim Hufnagl

Wer jetzt jedoch bereits buchen will, für den kann sich eine Reiserücktritts- und Reiseabbruchversicherung lohnen. Hier sollten sich Reisende allerdings zuvor informieren, ob ein versicherungsrechtlicher Schutz auch dann besteht, wenn im Urlaubsland eine Pandemie vorliegt. Dies ist nämlich oftmals ausgeschlossen.

Corona-Storno-Ansprüche gelten weiter

Sollte nach möglichen Reiseerleichterungen eine zweite Corona-Welle kommen, können Verbraucher dann wieder kostenlos stornieren, sagte Michael Hummel von der Verbraucherzentrale Sachsen:

Michael Hummel, Verbraucherzentrale Sachsen
Bildrechte: Verbraucherzentrale Sachsen/Johannes Waschke

Wenn eine Reisewarnung für mein Reiseziel ausgesprochen wird, kann ich kostenlos stornieren und habe Anspruch auf Rückzahlung von eventuellen Anzahlungen. Allerdings ist die Rückzahlungspraxis vieler Anbieter momentan sehr schleppend. Das ist für Verbraucher leider wenig vertrauenerweckend.

Eine mögliche Erstattung hängt unter anderem davon ab, ob es sich um eine Pauschal- oder Individualreise handelt, ob es ins In- oder Ausland geht sowie welche Verkehrsmittel genutzt werden. Reiserechtler Christian Solmecke gibt zu bedenken, dass kostenlose Stornierungen nur möglich sind, wenn zum Reisezeitpunkt "unvermeidbare außergewöhnliche Umstände" vorliegen, also Umstände, die bei der Buchung nicht vorhersehbar waren. Sollte nun eine zweite Corona-Welle eintreten, sei es durchaus diskutabel, ob diese zweite Welle tatsächlich unvorhersehbar für Reisende war, schließlich beherrscht diese Thematik Politik und Medien europaweit gleichermaßen. Hier sollten sich Reisende dringend rechtlichen Rat einholen, so Solmecke.

Mit Material der Presseagenturen AFP und dpa.

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