Mythen-Check: Sollen Menschen wegen Corona Mikrochips implantiert bekommen?

In der Coronakrise kursieren diverse Verschwörungsmythen und Falschinformationen. Eine besagt, dass sich angeblich Microsoft-Gründer Bill Gates dafür stark macht, Menschen mit Mikrochips auszustatten.

Bill Gates
Bildrechte: imago images / ZUMA Wire / Javier Rojas

Was soll man glauben – und was nicht? In der Coronakrise den Überblick zu behalten, das ist gar nicht so einfach. Zumal Forscher und Politiker angesichts neuer Erkenntnisse immer wieder einmal ihre Meinung zu bestimmten Themen ändern. Schulschließungen? Galten erst als zu krass, wurden dann umgesetzt - und jetzt nach und nach wieder aufgehoben. Masken? Wirken kaum, hieß es zunächst, mittlerweile gibt es eine Maskenpflicht in bestimmten Bereichen des öffentlichen Lebens wie etwa im Nahverkehr. Und so weiter.

Wie soll man vor diesem Hintergrund nun wahre Informationen im Netz von falschen unterscheiden? Dabei helfen einige Angebote, zum Beispiel von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung oder der Weltgesundheitsorganisation. Auch der in Österreich registrierte Verein Mimikama hat es sich zur Aufgabe gemacht, Falschmeldungen und Verschwörungstheorien zu enttarnen.

Ein besonders krasses Beispiel hat die Faktenchecker dort gerade beschäftigt. Es geht um die Frage, ob Microsoft-Gründer Bill Gates gefordert hat, Menschen in der Corona-Krise Mikrochips unter die Haut zu implantieren. Die winzigen Geräte sollen angeblich bei der Kontrolle helfen, wie sich die Krankheit verbreitet und welche Menschen bereits immun gegen den Erreger Sars-CoV-2 ist.

Was ist dran an der Meldung?

Das Prüfergebnis von Mimikama zur Sicherheit schon einmal vorab: Die Behauptung, der Ex-Microsoft-Chef wolle Infizierte mit einem Mikrochip ausstatten, um sie zu überwachen ist demnach „in sämtlichen Punkten falsch“.

Die Faktenchecker hatten sich zunächst die Quelle für die Falschbehauptung angesehen. Sie geht demnach auf eine Online-Fragestunde beim Internetportal Reddit zurück. Dabei konnten User ihre Fragen an Gates stellen. Und eine davon drehte sich um die aus seiner Sicht nötigen Veränderungen, um einerseits die Wirtschaft aufrechterhalten zu können und andererseits trotzdem die Regeln des Infektionsschutzes durchzusetzen. Gates erklärte dabei, man werde eines Tages "digitale Zertifikate haben, aus denen hervorgeht, wer wieder gesund wurde, wer kürzlich getestet wurde oder, sobald wir einen Impfstoff haben, wer ihn erhalten hat".

Daraus – und aus zwei von Gates‘ Stiftung geförderten Forschungsprojekten, um die es gleich noch gehen wird – entwickelte sich dann die Falschinformation mit den angeblichen Mikro-Implantaten.

Wofür braucht es Chips unter der Haut?

Chips unter der Haut – so etwas gibt es ja tatsächlich. So sorgte etwa die schwedische Zentrale des Reisekonzerns Tui im vergangenen Jahr für Schlagzeilen, weil sich Mitarbeiter die Technik dort zum Öffnen von Türen oder zum Bezahlen in der Kantine nutzen können, auf freiwilliger Basis. Doch um solche Chips geht es aktuell nicht! Tatsächlich verwenden wir alle nämlich die digitalen Zertifikate bereits, die Gates erwähnt. Und zwar ohne es zu wissen und in unseren Smartphones. Zum Beispiel funktionieren Verschlüsselungstechniken in Messengerprogrammen oder beim Shopping im Netz nur mit ihrer Hilfe.

Man kann sich die Dateien wie eine Art digitaler Ausweis vorstellen. Und solch einen Ausweis könnte natürlich im Prinzip auch verraten, ob jemand eine Corona-Infektion schon durchgemacht hat, ob er – eines Tages jedenfalls – geimpft ist. Und so weiter. Mit Chips unter der Haut hat das aber nichts zu tun. Wenn, würde es eher um eine App gehen. Und auch das ist bisher nur ein Gedankenexperiment. Aber eben eines, an dem Wissenschaftler mit Hilfe von Gates‘ Stiftung forschen. Dabei geht es auch um Datenschutzfragen.

Woran der Microsoft-Gründer Gates noch arbeitet

Und noch ein anderes Forschungsprojekt, das Gates unterstützt, spielt bei der aktuellen Verschwörungstheorie eine Rolle. Es geht um die sogenannten Quantum Dot Tattoos. Hinter dem futuristischen Namen verbirgt sich eine eigentlich recht simple Idee für Entwicklungsländer. Wenn Bedürftige dort im Rahmen von Hilfsprojekten geimpft werden, so die Idee von Wissenschaftlern, könnten auch einige für das menschliche Auge unsichtbare Farbpartikel unter die Haut gespritzt werden.

Man kann sich das als eine Art Tattoo vorstellen. Dieses kann dann mit einem Smartphone ausgelesen werden und für Menschen ohne Impfausweis anzeigen, welche Spritzen die Person schon bekommen hat. Doch die am Projekt beteiligten Forscher sagen: Mit der Tinte lassen sich die Bewegungen von Leuten nicht nachvollziehen. Und von einem Mikrochip ist nicht die Rede.

Bill Gates gilt als eines der Lieblingsziele von Verschwörungsmythikern in der Corona-Krise. Die Meldung, dass er die Menschheit mit Mikrochips ausstatten will, ist allerdings kompletter Unfug.

Thüringens Innenminister Georg Maier hat übrigens am Wochenende gemahnt, man müsse Verschwörungsmythiker im Zusammenhang mit Corona ernst nehmen: „Sicher, vieles ist abstrus, und man mag es belächeln“, so Maier, der aktuell auch Vorsitzender der Innenministerkonferenz ist. „Vieles erinnert an die Reichsbürger. Die haben wir anfangs ebenfalls belächelt, bis sich ihre Ansichten verbreitet und sich einige irgendwann bewaffnet haben.“ Auch deshalb müsse man die Verschwörungsmythiker jetzt im Auge behalten, sagte Maier.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 27. April 2020 | 14:00 Uhr

Weitere Informationen zu Corona