Social Distancing: Warum Abstand halten gerade so wichtig ist

zuletzt aktualisiert: 19.03.2020 | 15:12 Uhr

Es ist das Wort der Stunde: Social Distancing - und auch das Gebot der Stunde: In Corona-Zeiten ist Abstand halten gefragt. Wir sollen anderen Menschen gerade nicht zu nahe kommen. Aber warum? Und was soll das bringen?

Social Distancing vor einer Apotheke in Frankreich, Menschen stehen Schlage, halten aber großen Abstand zueinander
Social Distancing vor einer Apotheke in Frankreich. Menschen stehen Schlage, halten aber großen Abstand zueinander. Bildrechte: IMAGO images / Hans Lucas

Abstand halten kann vor Infektionen schützen

Per Tröpfchen-Infektion wird das Corona-Virus verbreitet, also beim Sprechen, Niesen und Husten. Um das zu verhindern, hilft es, wenn wir anderen Menschen nicht zu nahe kommen. Besonders weil bei einigen Menschen und vielen Kindern nur milde oder sogar gar keine Symptome auftreten. So schützen wir insbesondere ältere Menschen und Menschen mit schwachen Immunsystemen. Denn sie sind bei einer Ansteckung mit dem Covid-19 besonders gefährdet.

Social Distancing Auswirkungen
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Aus Rücksicht Abstand halten

Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht davon: Wir müssen Abstand zueinander halten, um so die Verbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen. Das gilt auch für unser soziales Leben.

Nicht nur Konzerte und der Eurovision Song Contest wurden schon abgesagt, auch die Fußball-EM wurde auf 2021 verschoben. Viele Menschen arbeiten, wenn sie können, inzwischen im Homeoffice. Einige EU-Länder greifen sogar zu so drastischen Maßnahmen wie Ausgangssperren. In vielen deutschen Städten sind nur noch Supermärkte und andere Geschäfte, die wir im Alltag brauchen, geöffnet. Kneipen, Bars, Cafés dürfen erstmal nicht mehr öffnen, denn zu viele Menschen sitzen dort auf kleinem Raum zusammen.

US-Studie zeigt: Social Distancing hilft

Wissenschaftler des Institute for Disease Modeling, der Bill & Melinda Gates Foundation und des Fred Hutchinson Cancer Research Institute haben errechnet, wie das Coronavirus sich in zwei Bezirken im Bundesstaat Washington ausbreiten könnte. Dabei haben sie festgestellt, dass Maßnahmen wie Social Distancing helfen, die Verbreitung des Virus einzuschränken. In die Studie flossen auch die Erfahrungen, die gerade weltweit mit dem Corona-Virus gemacht werden, ein.

Für die Studie haben sie vier Szenarien aufgestellt: Das Leben geht weiter ohne Maßnahmen und es gibt drei Stufen von Social Distancing. Mit den meisten Infizierten müsse man rechnen, wenn es keine einschränkenden Maßnahmen gäbe. Je mehr die sozialen Kontakte reduziert würden (zu 25%, zu 50% und zu 27%) desto weniger Tote und Infizierte gäbe es, laut der Studie.

Das Robert Koch-Institut empfiehlt diese Regeln

Für den privaten Bereich und die Öffentlichkeit hat das RKI diese Hinweise zur Kontaktreduzierung veröffentlicht:

- zu Hause bleiben, wann immer möglich; Zimmer regelmäßig lüften
- nicht notwendige Reisen absagen oder verschieben
- möglichst nur für Versorgungsgänge rausgehen; Abstand von 1 bis 2 m zu anderen Personen halten
- private Kontakte auf das Notwendigste reduzieren bzw. Möglichkeiten ohne direkten/persönlichen Kontakt nutzen (Telefon, Internet etc.)
- Risikogruppen durch Familien- und Nachbarschaftshilfe versorgen; aktiv Hilfsangebote machen
- Umgang mit Erkrankten im Haushalt festlegen (Schlafen und Aufenthalt in getrennten Zimmern; Mahlzeiten getrennt einnehmen; räumliche Trennung von Geschwisterkindern)
- gemeinschaftliche Treffen/Aktivitäten absagen (Vereine, Sportgruppen, größere private Feiern)
- enge Begrüßungsrituale vermeiden (Küsschen, Händeschütteln)

Virtuelles soziales Miteinander

Zwar dürfen wir unseren Liebsten und auch Fremden im Moment nicht zu nahe kommen, doch das bedeutet nicht, dass wir gar keinen Kontakt haben können. Auf diese besondere Situation hat auch Angela Merkel in ihrer Rede hingewiesen:

Wir werden als Familien und als Gesellschaft andere Formen finden, einander beizustehen. Schon jetzt gibt es viele kreative Formen, die dem Virus und seinen sozialen Folgen trotzen. Schon jetzt gibt es Enkel, die ihren Großeltern einen Podcast aufnehmen, damit sie nicht einsam sind. Wir alle müssen Wege finden, um Zuneigung und Freundschaft zu zeigen: Skypen, Telefonate, Mails und vielleicht mal wieder Briefe schreiben. Die Post wird ja ausgeliefert.

Social Distancing beschreibt also vor allem ein physisches Abstand halten voneinander. Soziale Kontakte sollten nicht einschlafen. Gerade in Krisenzeiten wie diesen, brauchen wir ein starkes Miteinander und gegenseitige Unterstützung ist wichtig. Der Virologe Christian Drosten beruhigt in seinem Podcast:

Es sei schließlich nicht so, dass man sich beim Spazierengehen infiziert, wenn man sich begegnet.

#wirbleibenzuhause in den Sozialen Medien

Auf Twitter und Instagram melden sich viele Menschen und auch Künstler unter dem #wirbleibenzuhause zu Wort und zeigen damit, wie wichtig Social Distancing zur Stunde ist. Am 22. März soll sogar ein #wirbleibenzuhause-Festival sattfinden, mit vielen Künstlern, die ihre Konzerte streamen, damit sie jeder zu Hause anschauen kann.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 19. März 2020 | 13:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. März 2020, 15:12 Uhr

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