Ist Schwedens Corona-Sonderweg gescheitert?

Schweden galt lange als Beispiel dafür, dass sich die Corona-Pandemie auch ohne harten Lockdown und große Einschränkungen bekämpfen lässt. Doch jetzt hat die Regierung dort ebenfalls die Corona-Maßnahmen verschärft.

Coronavirus in Schweden
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In Schweden steigen die Infektionszahlen wieder an. Zuletzt hatte das Land eine 14-Tage-Inzidenz von 556 Fällen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen. Zum Vergleich: Die Zahl liegt in Deutschland bei 308.Tendenz weiter steigend.

Die schwedische Regierung hat deshalb verschärfte Maßnahmen beschlossen, um die Ausbreitung des Virus in den Griff zu bekommen. Demnach dürfen sich ab Dienstag kommender Woche noch maximal acht Menschen für öffentliche Zusammenkünfte und Veranstaltungen versammeln.

Bislang lag die maximale Teilnehmerzahl für Versammlungen bei 50 Personen. Für Kinos, Konzerte, Theater und Sportveranstaltungen mit gewissen Sitzplatzkapazitäten galt sogar eine Grenze von bis zu 300 Teilnehmern.

"Beispiellose" neue Maßnahmen

Ministerpräsident Stefan Löfven nannte die neuen Maßnahmen auf einer Pressekonferenz "beispiellos". Sie seien aber notwendig geworden, weil sich immer weniger Schweden an die bisherigen Empfehlungen der Regierung halten würden.

Diese vergleichsweise lockeren Maßnahmen und Appelle an die Vernunft der Bürger wurden international viel beachtet. Einen Lockdown gab es im Frühjahr nicht. Das führten dazu, dass die schwedische Wirtschaft die erste Welle relativ gut überstand. Kritiker hatten den schwedischen Behörden aber auch vorgeworfen, mit ihrer Strategie Menschenleben zu gefährden.

Schweden als abschreckendes Beispiel?

In Deutschland galt Schweden teilweise sogar als abschreckendes Beispiel: "In Schweden haben die Älteren den Preis gezahlt", hat etwa Bayerns Ministerpräsident Markus Söder seinen strengen Corona-Kurs begründet.

Dieser Sonderweg gilt nun allerdings als gescheitert. Mit Ratschlägen und Empfehlungen sei man im Frühjahr weit gekommen, nun aber brauche es Verbote, um die Zahl der Infizierten zu senken. Man sende ein deutliches Signal an jeden Schweden, sagte Ministerpräsident Löfven.

Man solle außerdem darauf verzichten, ins Fitnessstudio oder die Bibliothek zu gehen oder Feste zu feiern. Innenminister Mikael Damberg ergänzte, zu viele Menschen verhielten sich so, als sei die Gefahr vorüber. Ein Lockdown komme für Schweden aber weiterhin nicht in Frage.

Mit Material von dpa

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Nachrichten | 13. November 2020 | 14:00 Uhr

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