Ist Schwedens Corona-Sonderweg gescheitert?

Schweden galt lange als Beispiel dafür, dass sich die Corona-Pandemie auch ohne harten Lockdown und große Einschränkungen bekämpfen lässt. Doch jetzt ist das Land mitten in einer heftigen zweiten Welle und die Maßnahmen wurden weiter verschärft.

Coronavirus in Schweden
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In Schweden steigen die Infektionszahlen weiter deutlich an. In dem großen skandinavischen Land lag die 14-Tage-Inzidenz zuletzt bei über 700 Fällen pro 100.000 Einwohner - etwa doppelt so hoch wie in Deutschland, Tendenz weiter steigend.

Die schwedische Regierung hat deshalb verschärfte Maßnahmen beschlossen, um die Ausbreitung des Virus in den Griff zu bekommen:

  • Versammlungen bleiben auch über die Weihnachts- und Silvesterfeiertage in der Öffentlichkeit auf acht Teilnehmer beschränkt.
  • Gymnasien sind, wie auch schon im Frühjahr, wieder geschlossen worden; Kitas und Grundschulen (bis zur 9. Klasse) bleiben offen
  • Kinder von corona-infizierten Eltern dürfen zu Hause bleiben, auch wenn sie keine Symptome haben

Schweden kämpft derzeit mit einer zweiten Corona-Welle, deren Höhepunkt Mitte Dezember erwartet wird. Während im Frühjahr hauptsächlich Alten- und Pflegeheime betroffen waren, stecken sich jetzt immer mehr Jugendliche an. Deshalb ist vor ein paar Tagen die erneute Schließung der Gymnasien verhängt worden. Der Generaldirektor des schwedischen Gesundheitsamtes, Johan Carlson, sagte:

Ziel sei es, Gedränge, zum Beispiel in öffentlichen Verkehrsmitteln, zu vermeiden.

Eine Maskenpflicht, wie in fast allen anderen Ländern, gibt es in Schweden nicht. Es wird empfohlen Abstand zu halten und wenn möglich im Homeoffice zu arbeiten. Gaststätten und Bars sind weiter geöffnet, allerdings wird nach 22 Uhr kein Alkohol mehr ausgeschenkt.

Viel Kritik am schwedischen Sonderweg

Schweden ging seit Beginn der Corona-Pandemie einen weniger harten Weg als die meisten anderen europäischen Länder. Kritiker warfen den Behörden deshalb vor, mit ihrer Strategie Menschenleben zu gefährden. Dennoch verzichtete die Regierung lange auf das Verhängen von Einschränkungen und sprach stattdessen Empfehlungen für die Bürger aus. Die zweite Welle hat bereits jetzt zu zahlreichen Todesfällen geführt. Anfang Dezember wurde die Marke von 7000 Corona-Toten überschritten.

Mit Material von dpa

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Nachrichten | 24. November 2020 | 10:30 Uhr

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