Viele Schulen müssen wieder schließen: "Das ist bitter!"

Schulen zu - ab einer Inzidenz von 165. So wird in Kürze eine bundesweite Corona-Regel lauten. Das trifft viele Landkreise in Mitteldeutschland. Im Gespräch mit MDR JUMP zeigt sich Sachsens Kultusminister frustriert.

Christian Piwarz
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Viele Schülerinnen und Schüler werden schon bald wieder komplett von zu Hause aus am Unterricht teilnehmen müssen. Grund sind Änderungen am Infektionsschutzgesetz. Das hat der Bundestag beschlossen. Am Donnerstag muss das noch durch den Bundesrat. Dann heißt es: Ist der Inzidenzwert in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt drei Tage lang über 100, wechseln alle Schulformen in den Wechselunterricht. Ab einem Wert von 165 werden Schulen geschlossen.

Große Auswirkungen auf Mitteldeutschland

Die derzeitigen Inzidenzwerte zeigen: Alle Schulen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen müssen schon bald mindestens den Wechselunterricht umsetzen. Denn der Inzidenzwert liegt überall über 100 (Quelle: RKI, Stand: 21. April 2021). In vielen Kreisen ist der Wert so hoch, dass die Schulen geschlossen werden müssen. Das betrifft aktuell...

  • ... in Sachsen 9 von 13 Landkreise und kreisfreie Städte.
  • ... in Sachsen-Anhalt 6 von 14 Landkreise und kreisfreie Städte.
  • ... in Thüringen 18 von 23 Landkreise und kreisfreie Städte.

Sachsens Kultusminister Christian Piwarz geht davon aus, dass ab Montag alle sächsischen Schulen schließen müssen, außer in Leipzig und Dresden.

Sachsens Kultusminister Christian Piwarz im MDR JUMP-Interview

MDR JUMP: Herr Piwarz, Schulen sollen ab einer Inzidenz von 165 wieder schließen. Sie haben die Schulschließungen in den vergangenen Tagen heftig kritisiert. Jetzt sollen sie aber doch kommen. Was sagen Sie dazu?

Christian Piwarz: Es ist ein ganz bitterer Tag für die Bemühungen, die wir gerade in Sachsen, aber auch in den anderen Bundesländern immer wieder gemacht haben, um Schulen und Kitas offenzuhalten. Wir haben uns ja in Sachsen ganz bewusst von der reinen Kopplung an die Inzidenz verabschiedet, haben ein stärkeres Testregime eingeführt, die Maskenpflicht noch einmal ausgeweitet, wir haben jetzt die Lehrer in der Impfpriorisierung nach vorn genommen, also viel dafür getan, um Schulbetrieb trotz vergleichsweise hoher Inzidenzzahlen sicher ausgestalten zu können und das schlägt uns jetzt der Bund aus der Hand. Das ist schon bitter, dass wir sehr wahrscheinlich in vielen Landkreisen im Freistaat Sachsen am Montag die Schulen in die Kitas wieder schließen müssen.

Christian Piwarz
Sachsens Kultusminister Christian Piwarz Bildrechte: dpa

MDR JUMP: Sie hatten für diesen Fall gesagt, dass der Schulbetrieb dann komplett umgekrempelt werden muss. Was genau meinen Sie damit?

Christian Piwarz: Es ist völlig überraschend noch eine zusätzliche Regelung am Montag in den Beratungen der Fraktionen hinzugekommen. Nämlich, dass ab einer Inzidenz von über 100 grundsätzlich Wechselunterricht durchgeführt werden muss. Das tun wir an den weiterführenden Schulen, also am Gymnasium und an den Oberschulen schon länger, aber eben aus guten Gründen nicht in den Grundschulen, weil wir bei den Grundschulen immer auch den Betreuungsaspekt im Hort mit berücksichtigen müssen und das im Wechselunterricht schlicht und ergreifend nicht funktioniert. Der Bund gibt uns jetzt auf, binnen weniger Tage dieses Modell jetzt auch in den Grundschulen einzuführen, was zu erheblichen Komplikationen führen wird, weil wir im Prinzip unser etabliertes und auch angenommenes Modell komplett umkrempeln müssen. Ich bedauere es sehr, dass unsere Hinweise, das anders zu regeln, vom Bund in keiner Weise berücksichtigt wurden.

MDR JUMP: Einige sprechen jetzt von einem verlorenen Jahr für Schülerinnen und Schüler. War es das jetzt? Muss das Schuljahr wiederholt werden?

Christian Piwarz: Nein, so weit würde ich nicht gehen. Das ist ohne Zweifel ein schwieriges Jahr, und wir haben viel an Unterrichtsstoff nicht vermitteln können. Aber es sind viele Dinge, die wir aufholen können. Und wir haben ja doch die berechtigte Hoffnung, dass wir das kommende Schuljahr unter vergleichsweise regulären Bedingungen starten können. Wir haben gerade letzte Woche einen sehr umfangreichen Katalog an Maßnahmen veröffentlicht, wie wir die Lerndefizite, die ohne Zweifel entstanden sind, aufholen können. Das wird ein Stück weit Zeit brauchen.

MDR JUMP: Was bedeutet das für Abschlussprüfungen?

Christian Piwarz: Wir haben das schon in diesem Jahr gemacht für die jetzt startenden Abiturprüfungen, aber auch für die an den Oberschulen, dass wir Prüfungsbereiche benannt haben, die nicht in den Prüfungen vorkommen werden, sodass man sich also konzentriert auf die wirklichen Prüfungsschwerpunkte vorbereiten kann. Das wird dann sicherlich in ganz ähnlicher Form auch für das kommende Schuljahr gelten. Wichtig bleibt ja, dass kein Schüler, keine Schülerin einen Nachteil haben darf in den Prüfungen aufgrund Corona. Und gleichzeitig sollen die Prüfungen trotzdem bestmöglich auf den weiteren Lebensweg vorbereiten. Egal ob es das Studium oder die Berufsausbildung ist. Da braucht man trotzdem schon ein gewisses Niveau. Das wollen wir sicherstellen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend - Die Themen des Tages | 21. April 2021 | 19:10 Uhr

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